Die Ohrakupunktur ist im Gegensatz zur Körperakupunktur eine eher neue Entdeckung: Der französische Arzt Nogier war es, der die Akupunkturpunkte am Ohr entdeckte, was der Ohrakupunktur auch die Bezeichnung französische Ohrakupunktur verlieh. Er und sein Team entdeckten das, was heute als Somatotopie der Ohrmuschel bekannt ist: Den Fakt, dass jeder Teil des Körpers über eine Projektionsfläche in der Ohrmuschel verfügt. Egal ob Organe oder Nerven, Muskeln oder Knochen: Sie alle sind mit einem Punkt im Ohr verbunden, über den sie gezielt stimuliert werden können. Aber nicht nur der Zustand der Körperteile an sich ist an den Ohren abzulesen, auch Mangelzustände, Störfelder und psychische Zustände sind hier zu erkennen.
Der geltenden Theorie nach ist die Stelle, die einem Körperteil entspricht, aber nicht immer dauerhaft in der Ohrmuschel vorhanden: Sie entsteht immer dann, wenn der dazugehörige Körperteil erkrankt bzw. seine Funktion gestört ist. Der dann entstehende Punkt, Ohrakupunkturpunkt genannt, ist winzig klein, fast nicht erkennbar, unterscheidet sich aber in seiner Hautbeschaffenheit vom Rest der Ohrmuschel. Um ihn zu finden, kommen zwei Vorgehensweisen in Frage: Die Nutzung eines Gerätes, das mittels Ton- und Lichtsignalen den Hautwiderstand misst oder die sogenannte RAC-Tastung. Bei letzterer erfolgt eine Abtastung und Stimulierung der Haut der Ohrmuschel mit der Daumenkuppe der einen Hand, während die andere des untersuchenden Arztes eine Pulstatastung durchführt. Auf diese Weise soll es möglich eine sehr präzise Diagnostik möglich sein. Die Ohrakupunktur gilt damit nicht nur als Therapie, sondern auch als Diagnosemittel.