Allergie und Umwelt

Zu Zeiten der Wiedervereinigung Deutschlands erwarteten Wissenschaftler noch einen wesentlich höheren Anteil an Allergieerkrankungen unter der Bevölkerung des Ostens gegenüber der des Westens. Immerhin, so dachte man, waren die Menschen dort über Jahrzehnte einem enormen Industrieschmutz ausgesetzt, was einen entsprechenden Effekt auf ihre Gesundheit haben sollte. Die Ergebnisse der nachfolgenden Untersuchungen verblüfften allerdings die Experten und zwangen die medizinische Forschung zu einem radikalen Umdenken. Tatsächlich waren Allergien im Osten deutlich geringer verbreitet als im Westen des Landes. Erst mit der Öffnung der Grenzen und der damit verbunden veränderten Lebensweise nahmen diese sprunghaft zu.

Allergien stehen in direkter Verbindung mit der Umwelt, in der die Menschen leben, vor allem mit den persönlichen Lebensumständen und -gewohnheiten. Gerade in Bezug auf Allergien spielt die Tatsache, dass der Körper des Menschen immer mehr und immer neuen Stoffen ausgesetzt ist, mit denen die Abwehrkräfte umgehen müssen, eine wesentliche Rolle. Dies betrifft neben natürlichen körperfremden Stoffen auch immer mehr Substanzen aus dem Bereich der organischen Chemie, sprich Kunststoffe und Kunstfasern, Reinigungs- und Pflegeprodukte. Das menschliche Abwehrsystem ist mit dieser Anhäufung an "Fremdstoffen" schlichtweg überfordert.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, wenn bereits Kinder möglichst früh mit solchen Fremdkörpern in Kontakt kommen. Nicht umsonst gibt es weniger Allergien bei Menschen, die auf dem Bauernhof aufwachsen, nicht umsonst haben Geschwisterkinder weniger Allergien als Einzelkinder. Auch die geringe Allergierate in der ehemaligen DDR wird so verständlich. Auch hier hatten die Menschen von Kindesbeinen an, über Kontakte in der Krippe, über Spielen in der Natur und auf der Straße und über natürlichere Nahrung frühen Kontakt zu verschiedensten Umweltstoffen, zu Keimen und Bakterien. Das Abwehrsystem des Körpers war sinnvoll beschäftigt. Früh genug hatte der Körper so Gelegenheit, entsprechende Antikörper zu aktivieren und eine dauerhafte Abwehr aufzubauen. Für die Gesundheit der Kinder ist eine sterile Umwelt also durchaus nicht sinnvoll, ein sogenannter "Sagrotan-Haushalt" wirkt einer gesunden Entwicklung des Abwehrsystems entgegen.

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