Alte Überlieferungen - Schröpfen, Heilfasten, Hildegard-Medizin

Im Laufe der Geschichte haben sich die Erkenntnisse über die menschliche Medizin deutlich erweitert und verbessert. Viele der früher angewandten Heilungsmethoden konnten als ungeeignet oder fehlerhaft eingestuft sowie durch bessere Behandlungsmethoden ersetzt werden. Einige Bereiche der historischen Medizin haben sich jedoch bis hin in die heutige Zeit erhalten und werden zu den Alternativen Heilmethoden gezählt. Ein aussagekräftiges Beispiel für den Erhalt historischer Medizinbehandlungen ist die Hildegard-Medizin.

Die Hildegard-Medizin gründet auf den Erkenntnissen der Mystikerin Hildegard von Bingen, die im 12. Jahrhundert als Benediktinerin die Klostermedizin kennenlernte und entsprechend ihrer eigenen Forschungen erweiterte. Neben Religion, Wissenschaft und Musik galt ein großer Teil ihrer Aufmerksamkeit der Pflanzenheilkunde, der Ernährung und diversen, nach mittelalterlicher Auffassung gesundheitsfördernden Ausleitungsverfahren (Aderlass, Fasten, Schröpfen, Schwitzen). Auch die Edelsteintherapie gehört bis heute zur Hildegard-Medizin.

Darüber hinaus erfordern nach Hildegard von Bingen die natürlichen ("göttlichen") Kreisläufe, die Mondphasen und ein geregelten Wechsel zwischen Aktivität und Ruhephasen eine strikte Einbeziehung in den Lebensalltag. Im Bereich der Ernährung sollen besonders Kräuter und Getreidearten, allen voran Dinkel, der Gesundheit förderlich sein. Nicht zuletzt sollte die "seelische Reinigung" durch Gebete, Liebe und Meditation den Menschen in seinem Wohlbefinden stärken.

Aus der Hildegard-Medizin entstanden weitere Ansätze, welche sich ausgehend von dieser Basis weiterentwickelten und die Heilwirkungen mit dem "göttlichen Einfluss" indirekt in Verbindung brachten. Bekannt wurde in diesem Zusammenhang beispielsweise Maria Treben, deren Literatur bis heute im Handel erhältlich ist.

Inzwischen gelten viele Vorgaben der Hildegard-Medizin und ihrer Nachfolger als wissenschaftlich erklärbar, andere wiederum gelten als überholt, da man heute den Nutzen einer Heilpflanze besser mit Nebenwirkungen oder anderen Schadfaktoren in Verbindung bringen kann. Dennoch haben sich einige Aspekte der Hildegard-Medizin bis heute in der Praxis erhalten. So steht die kräuterreiche und getreidelastige Ernährungsphilosophie der Benediktinerin im Einklang mit den modernen Regeln der gesunden, ausgewogenen Ernährung. Auch das Fasten und Heilfasten erfreut sich in vielerlei Varianten wieder großer Beliebtheit, um Giftstoffe und Krankheiten aus dem Körper "auszuschwemmen".

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