Wie wichtig ist die ärztliche Behandlung?

Die Frage ist einfach zu beantworten. Es geht nicht ohne! Punkt. Das Krankheitsbild der Depression ist nicht mit einer leicht depressiven Verstimmung, zum Beispiel an grauen Wintertagen, zu vergleichen. Die Symptome sind zu tiefgreifend, um sie mit den allgemein üblichen Methoden zur Steigerung der guten Laune, zu lindern. Gute Tipps wie: "Geh doch mal spazieren..." oder "Zieh Dich mit einem Buch in einen ruhigen Winkel zurück..." helfen bei Depressionen überhaupt nicht. Auch Hausmittelchen wie Johanniskraut und Baldrian sind wie der Versuch, einen Großbrand mit einem Glas Wasser zu löschen. Es führt kein Weg daran vorbei. Wenn Sie Symptome einer Depression an sich bemerken, gehen Sie sofort zu Ihrem Hausarzt.

Dort ist es wichtig, dass Sie Ihren Verdacht, Depressionen zu haben, auch offen äußern. Wenn Sie sich nur über Schlaf- und Antriebsstörungen beklagen, kann der Arzt zu einer falschen Diagnose gelangen und Ihnen eine falsche Therapie verordnen. Leider muss man auch sagen, dass viele Allgemein-Mediziner die Depression mit ihren vielfältigen Erscheinungsformen nicht richtig auf ihrem Diagnose-Schirm haben. Bei mir kam ein Rheumatologe zu der Diagnose und das nach einer monatelangen Odyssee von Facharzt zu Facharzt, bei der es mir immer schlechter ging. Auch aus diesem Grund ist es wichtig, Ihren Arzt mit Ihrem Verdacht zu konfrontieren und ihm auch mitzuteilen, warum Sie zu Ihrem Entschluss gelangt sind. Ein kleiner Merkzettel ist dabei sehr hilfreich.

Wenn der Arzt ebenfalls der Meinung ist, dass es sich um Depressionen handelt, bitten Sie diesen unbedingt um eine Überweisung zu einem Psychiater. Dies ist der einzige Arzt, der sowohl Ihren körperlichen Zustand als auch die psychologische Seite richtig einschätzen kann und der nach einer eingehenden Untersuchung auch die richtigen Medikamente verschreibt. Hier noch ein paar Zeilen zu Psychotherapeuten. Seit 1999 gibt es ein Gesetz, welches vorschreibt, dass sich nur noch Leute mit Hochschulabschluss Psychotherapeut ohne weiteren Zusatz im Namen nennen dürfen.

Allerdings gibt es in dem Gesetz auch eine Lücke. So ist es zum Beispiel mit einer Heilpraktiker-Ausbildung von wenigen Wochen möglich, Psychotherapie anzubieten. Ohne jetzt einen ganzen Berufsstand diskreditieren zu wollen, meiden Sie solche Angebote! Das Hilfsangebot kann bei der kurzen Ausbildungsdauer nicht gut sein! Ich selbst saß mehrfach vorgeblichen Therapeuten gegenüber und wollten diesen, nach 30 Minuten Gespräch, meine Hilfe anbieten. Es gibt auch Ausnahmen von dieser Regel, doch diese Therapeuten werden per Mundpropaganda weiter empfohlen und haben in der Regel Wartezeiten von mehreren Monaten.

Leider gibt es aber auch immer wieder Ärzte, die mit solchen Heilpraktikern zusammen arbeiten und Provisionen für vermittelte Patienten bekommen. In einem solchen Fall würde ich den Arzt wechseln. Wenn Sie therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen wollen, ist Ihr Hausarzt/Psychiater die erste Anlaufstelle.

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Autor: André Hoek


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