Wie entstehen Depressionen?

Grundsätzlich entstehen Depressionen durch eine Störung des Botenstoffwechsels im Gehirn.

Für die Übertragung von Informationen innerhalb des Gehirns, aber auch zur Übermittlung von Schmerzimpulsen, kommen so genannte Neurotransmitter zum Einsatz. Das sind chemische Verbindungen, die praktisch wie eine E-Mail von einem Absender zu einem Empfänger gelangen und auf diese Weise Informationen übermitteln. Der Empfänger ist in der Regel das Gehirn.

Jetzt kann es aufgrund verschiedener Vorgänge zu einer Störung im Informationsaustausch der Botenstoffe kommen.

Bleiben wir bei unserem Beispiel mit der E-Mail.Entweder wird die E-Mail nicht versendet oder kommt beim Empfänger nicht an. Zusätzlich kann es auch noch zu Störungen der Übertragung kommen. Also der Empfänger erhält nur Bruchstücke der Mail oder eine Million Duplikate, die das Postfach überlaufen lassen, oder Mails gehen verloren. Das Postfach sind die Synapsen im Gehirn und die E-Mail sind die Neurotransmitter und deren Abbau-Produkte.

Wie kann es zu einer solchen Veränderung im Botenstoff-Haushalt kommen? Die Ursachen dafür sind so vielfältig, dass wir sie an dieser Stelle nur umreißen können, doch versuchen wir ein möglichst genaues Bild zu entwerfen.

Die erste Ursache für Depressionen kann im organischen Bereich liegen. Es gibt eine Reihe von Krankheitsbildern, die praktisch als Sekundär-Erkrankung eine Depression zu Tage treten lassen. Als Beispiel sind hier Krankheiten zu nennen, die mit chronischen Schmerzen einhergehen oder auch Erkrankungen der Schilddrüse und anderer innerer Organe. Die Behandlung dieser Depressionsformen ist meist sehr leicht durch die Behandlung der organischen Krankheiten in den Griff zu bekommen.

Ein weiterer Grund sind äußere Auslöser:

ständige, aber auch temporäre Überforderung, im Job, Studium, Familie, Ehrenämter
Krankheit
Verluste
traumatische Erlebnisse
Versagensängste

Bei den letztgenannten Auslösern spielt die Schwere des auslösenden Elements nur eine sehr untergeordnete Rolle. So kann zum Beispiel der Tod des Wellensittichs bei einer einsamen alten Dame, die sonst Niemanden mehr hat, dramatisch sein, während andere einfach einen neuen Vogel kaufen. Deshalb sollte man auch nicht dem falschen Gedanken folgen, dass Andere es ja noch schwerer haben und damit auch gut zurecht kommen. Jeder Mensch ist anders und deshalb sind auch die Auslöser einer Depression höchst unterschiedlich. Der dritte Grund liegt in den Eingangs schon erwähnten Botenstoffen. Es kann auch ohne die beiden zuvor genannten Gründe zu einer Störung der Tätigkeit der Neurotransmitter kommen. Entweder funktioniert die aussendende oder die empfangende Stelle im Gehirn nicht oder es ist ein zu viel oder zu wenig an Botenstoffen da. Auch diese Form der Depression ist mit Medikamenten in der Regel sehr leicht behandelbar.

Medikamentöse Behandlung - Allgemein

Im Allgemeinen hat die Masse der Bevölkerung einen sehr großen Respekt und große Angst davor, Psychopharmaka zu schlucken. Der Grund dafür liegt in einem Mangel an Wissen um diese Medikamente, die wesentlich besser sind als ihr Ruf. Bei Leuten, die Psychopharmaka einnehmen, denkt man in der Regel sofort an Menschen, die nicht mehr alle Sinne beieinander haben, denen der Speichel aus einem Mundwinkel läuft und die sich zombieartig durch dunkle Gänge einer Irrenanstalt bewegen.

So etwas gibt es heute nicht mehr!!

Moderne Psychopharmaka haben in der Regel keine oder sogar erwünschte Nebenwirkungen. Wenn überhaupt, treten die meisten Nebenwirkungen nur während der Einstellungsphase auf ein neues Medikament auf und sind bei weitem nicht so dramatisch, wie von vielen angenommen. Tun Sie sich aber selbst einen Gefallen und lesen Sie den Beipackzettel nicht. Besonders nicht als Depressiver!

Ich möchte mal ein Beispiel schildern, dass ich aus eigenem Erleben wiedergeben kann. Als ich erkrankt war, ging es mir hundeelend. Ich hatte jahrelang fast ohne Pausen gearbeitet. Sieben Tage in der Woche, mindestens 12 Stunden am Tag und nie Urlaub. Ich trieb das so weit, bis ich eines morgens vor dem Badezimmer-Spiegel stand und keine Kraft mehr hatte, mir die Zähne zu putzen. Auch unter Aufbietung meines gesamten Willens, schaffte ich es nicht.

Richtig durchgeschlafen hatte ich seit Jahren nicht mehr und meine Beziehung zu meiner Partnerin war am Ende. Ich hatte eine Überlastungsdepression erster Güte. Ein Arzt verschrieb mir Medikamente und ich hatte einen riesigen Respekt davor. Doch mein Leiden war größer als die Angst und ich nahm sie. Auch mit der Befürchtung, dass sich dadurch meine Persönlichkeit verändert und allem, an das man in einer solchen Situation noch denken kann.

Doch nichts von dem geschah! Die Nebenwirkungen waren Gewichtszunahme, in meinem Fall hoch erwünscht, da ich fast bis zum Skelett abgemagert war und sie machten müde. Da ich die Medizin immer am Abend vor dem Schlafen-Gehen einnahm, konnte ich auch seit langer Zeit endlich wieder durch schlafen. Das war alles! Nach einigen Wochen begann das Medikament voll zu wirken und es ging mir besser und besser. Dabei hatten die eigentlichen Nebenwirkungen meinen Zustand schon erheblich verbessert.

Was ich mit diesem Beispiel sagen will ist Folgendes. Haben Sie keine Angst vor Psychopharmaka! Der Arzt, der Ihnen diese verschrieb, hat sich vorher viele Gedanken gemacht und wird auch die Behandlung überwachen. Moderne Medikamente sind nicht mehr die große Keule, wie sie beispielsweise vor 50 Jahren noch geschwungen wurde, sondern sind eher als feine chirurgische Instrumente zu betrachten, die nur da wirken, wo es unbedingt nötig ist. Es kann passieren, dass Sie sich durch eine Reihe von Medikamenten durchprobieren müssen, bis endlich das Richtige gefunden ist, doch bleiben Sie am Ball und lassen Sie sich nicht durch vermeintliche Fehlschläge entmutigen. Sie gehören manchmal mit dazu. Warum dies so ist, erklären wir in einem weiteren Artikel ausführlich.

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Autor: André Hoek


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