Depressionen und Schmerzen

Depressionen und Schmerzen sind in einigen Fällen eng mit einander verwoben, wobei man aber herausfinden muss, was war zuerst da und was ist Folge. Im Gegensatz zu dem Beispiel mit dem Huhn und dem Ei, ist das hier aber relativ einfach.

Wer permanent unter Schmerzen leidet, jeden Tag und jede Nacht seines oder ihres Lebens, aber auch, wer periodisch immer wieder von Schmerzen heimgesucht wird, kann eine Depression entwickeln. Das hängt einfach damit zusammen, dass jeder Mensch nur eine bestimmte Belastungsgrenze hat. Diese ist zwar individuell sehr verschieden, kann aber je nach Stärke der umgebenden Ereignisse bei jedem Menschen erreicht werden. Ein ständiges Überschreiten dieser Grenzen, kann Depressionen auslösen. Ein Experiment mit Ratten soll dies verdeutlichen, obwohl ich Versuche mit Tieren eigentlich absolut verabscheue. Man setzte eine Ratte in einen Käfig, dessen Boden man unter Strom setzen konnte. Für die Ratte bestand keine Möglichkeit, sich an einer anderen Stelle nieder zu lassen. Jetzt setzte man den Boden absolut willkürlich unter Spannung. Anfangs versuchte das arme Tier noch zu entkommen, indem es herumsprang und auf jede erdenkliche Weise versuchte, den Schmerzen durch den Strom zu entrinnen.

Irgendwann gab die Ratte auf. Egal wie hoch die "Wissenschaftler" die Spannung drehten, die Ratte blieb stoisch auf dem Boden sitzen. Sie hatte resigniert und sich ihrem Schicksal ergeben. Nun funktionieren Menschen und Tiere in einigen Bereichen ziemlich ähnlich. Auch von chronischen Schmerzen Geplagte, geraten irgendwann in diese Resignationsphase, die sich zu einer Depression auswachsen kann. Der Kranke muss jetzt nicht nur seine Schmerzen ertragen, sondern die Depression nimmt ihm noch die Kraft dafür. Eine schreckliche Situation!

Es gibt aber auch Depressionsformen, die Schmerzen auslösen können. Die larvierte Depression ist dafür ein Beispiel. Eine Depression ist eigentlich von der Sache her nichts Schlechtes. Es ist ein Schutzmechanismus des Körpers gegen Überlastung. Das trifft zwar nicht auf jede Depression zu, in diesem Beispiel aber besonders. Wenn wir permanent über unsere Grenzen gehen, sendet der Körper verschiedene Signale, die uns auf seinen Zustand hinweisen sollen. Er bittet damit um eine Ruhepause. Diese Signale sind Müdigkeit, Nachlassen der Konzentrationsfähigkeit und verschiedene andere Dinge, die man erlebt, wenn man normal müde ist.

Der Körper ist in der Lage, eine Zeit lang, durchaus auch Monate und Jahre, diese Belastungsgrenzen zu überschreiten. Doch irgendwann kommt der Punkt, da sagt der Körper: "Keinen Schritt mehr!" und er setzt durch, was er unbedingt braucht. Wir haben auf seine normalen Signale nicht reagiert, jetzt werden die Signale des Körpers stärker und wir werden unter Umständen krank.

Dies kann sich in verschiedenen Beschwerdebildern, unter anderem auch in starken Schmerzen äußern, die auch chronisch werden können. Die Fibromyalgie zum Beispiel ist nach dem Pschyrembel ein eigenständiges Krankheitsbild. Im Volksmund auch Weichteil-Rheuma genannt. Viele Fachleute gehen aber inzwischen davon aus, dass diese Erkrankung tatsächlich eine larvierte Depression ist. Da diese Schmerzen durch psychische Faktoren ausgelöst sind, werden sich Internisten, Neurologen und Ihr Hausarzt an dem Problem die Zähne ausbeißen. Die Schmerzen sind diffus, kommen und gehen völlig ohne erkennbare Ursache und sind durch die Methoden der modernen Diagnostik keiner Ursache zuzuordnen.

Da keine klare körperliche Ursache festgestellt werden kann, pumpt man den Patienten ab jetzt in der Regel mit Schmerzmitteln und anderen Medikamenten voll, die diesen erst richtig krank und unter Umständen auch abhängig machen. Meiner Mutter ist das so ergangen. Wenn man richtig Glück hat, wird man an einen Schmerztherapeuten überwiesen. Und wenn man dann nochmal richtig Glück hat, versteht dieser sein Handwerk und vergisst seinen privaten Geldbeutel mal für eine Minute und überweist Sie zu einem Psychotherapeuten.

Falls Sie sich in diesem Beitrag in irgendeiner Weise wiedererkannt haben und noch nicht in therapeutischer Behandlung sind, bitten Sie Ihren Hausarzt unbedingt um eine Überweisung zu einem solchen. Manchmal kann das ganze Problem durch die Vergabe von Anti-Depressiva unter einer begleitenden Gesprächstherapie gelöst werden. Das ist auf jeden Fall der angenehmere und bessere Weg, als ständig unter Schmerzen zu leiden und an den Nebenwirkungen der Schmerz-Medikamente irgendwann zu Grunde zu gehen.

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Autor: André Hoek


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