Diagnose Depression - Was denn jetzt?

Als Allererstes - Keine Panik! Sie sind jetzt weder verrückt geworden noch sonst was in der Art. Sondern sie leiden lediglich unter einer Störung des Hirnstoffwechsels. Eine rein körperliche Sache, vergleichbar mit einem gebrochenem Bein.

Und genau so wie ein gebrochenes Bein einen Gips bekommt, um zu heilen, müssen Sie nur Medikamente einnehmen und werden wieder gesund. Vielleicht ist in einigen Fällen auch eine Therapie nötig, doch auch die ist wie der Gipsverband am Bein zu sehen. Manchmal unbequem, aber nötig. Es gibt sogar Depressionsformen, die von selbst wieder verschwinden. Sollten Sie jedoch länger als zwei Wochen unter Symptomen einer Depression leiden, suchen Sie bitte unbedingt einen Arzt auf.

Eine Depression gehört zu den quälendsten Erkrankungen die es gibt. Natürlich gibt es unterschiedliche Erscheinungsformen und Schweregrade. Einige Menschen sind nach ein paar Wochen wieder auf dem Damm, während ein kleiner Prozentsatz der Betroffenen ein Leben lang mit der Krankheit zu tun hat und lernen muss, mit den Symptomen einer Depression klar zu kommen. Auch bei der letztgenannten Gruppe gibt es unterschiedliche Abstufungen. So werden Einige nur im Abstand von einigen Jahren immer mal wieder ein bisschen von der Depression heimgesucht, so müssen andere jeden Tag ihres Lebens mit mehr oder minder stark ausgeprägten Depressionssymptomen leben. Diese lassen sich zwar meist mit Hilfe von Medikamenten auf ein erträgliches Maß bringen, sind aber manchmal immer noch stark genug, um den normalen Alltag zu beeinträchtigen.

Wie kann man damit umgehen? Es gibt mehrere Methoden, die alle sehr individuell sind. Die beste Möglichkeit ist, sich mit Hilfe eines Therapeuten oder guten Seelsorgers Strategien für den Alltag zu überlegen. Dieser kann auch bei Rückschlägen beratend zur Seite stehen und falls nötig, die Strategie anpassen. Alles natürlich immer in Absprache mit Ihnen. Wichtig ist, dass Sie Ihrem Therapeuten vertrauen und auch wirklich alle seiner Verhaltenstipps umsetzen. Sich nur die Rosinen aus dem Hilfeangebot herauszupicken, hilft Ihnen nicht!

Eine andere Möglichkeit, seine persönliche Strategie zu finden, sind Selbsthilfegruppen. In solchen haben sich mehrere Depressive und meist auch Angehörige zusammengeschlossen, um sich selbst und anderen bei der Bewältigung der Probleme zu helfen, die mit einer Depression einhergehen. Diese gibt es in jeder größeren Stadt oder auch im Internet, falls man anonyme Hilfe wünscht. Denn oftmals müssen Themenbereiche angesprochen werden, die dem Zusammenleben in einer Kleinstadt oder auf einem Dorf nicht sehr zuträglich sind. Und keine Angst! Sie treffen dort nicht auf einen Haufen Irrer, sondern auf Leute, die wie Sie, bestimmten Belastungsfaktoren nicht mehr gewachsen waren.

Als wahres Wundermittel zur Linderung der Beschwerden bei Depressionen hat sich Sport erwiesen.Dabei ist es völlig belanglos, an welcher Form von Depression man leidet! Sport hat einen sehr positiven Einfluss auf den gesamten Körper. Unter anderem auch für die Bereiche des Hirnstoffwechsels, die bei Depressiven gestört sind.

Auch wenn man sich in einer akuten Phase nicht vorstellen kann, auch nur eine Minute ernsthaft Sport zu treiben, probieren Sie es einmal aus. Sie werden überrascht sein, wie gut Ihnen das tut. Wichtig ist natürlich, dass Sie langsam maßvoll beginnen! Nach einigen Jahren der sportlichen Untätigkeit ist auch ein längerer Spaziergang schon in den Bereich Sport zu rechnen. Wenn Sie älter als 40 Jahre sind, ist ein Gesundheitscheck beim Arzt obligatorisch.

Wichtig ist auch, dass Sie eine Motivation haben gesund zu werden! Dies ist von allen Tipps, die wir Ihnen geben, der Wichtigste überhaupt! Ich möchte Ihnen das an einem Beispiel verdeutlichen. In einer Psychiatrie lernte ich mal eine junge Frau kennen. Sie war körperlich und nervlich, völlig am Ende. Seit Jahren chronisch überlastet und jetzt auch noch vom Mann verlassen, der sich im oberen Teil des gemeinsamen Hauses, mit den neuen Freundinnen vergnügte, während Sie sich unten um die drei gemeinsamen Kinder kümmerte. Eines Tages hielt sie das alles nicht mehr aus.

Während sie mir dies erzählte, standen ihre Knie keine Sekunde ruhig, sondern wackelten permanent auf und ab. Mit einer Hand hielt sie sich ständig am Tisch fest, weil Sie Fallgefühle hatte. Sie hatte dunkle Augenringe, tiefe Falten um den Mund und an der Stirn und war sichtbar schwer krank. Sie wirkte gehetzt, schwer verletzt und war einfach ein Bild des Jammers. Eine Woche später habe ich sie wieder getroffen und habe sie tatsächlich nicht erkannt!

Sie sah aus wie das blühende Leben! Zwar noch ein bisschen angeschlagen, wie etwa nach einer schweren Grippe, doch richtig gesund. Sie war ruhig und gefasst, sprach völlig normal mit mir. Keine wackelnden Knie mehr und die Hand lag ruhig auf dem Tisch, statt sich an ihm festzukrallen. Auf meine Frage was denn geschehen sei, berichtete sie mir Folgendes: "Wegen der Schwere meiner Depression wollten die Behörden mir das Sorge-Recht für meine Kinder befristet entziehen. Mein Ex-Mann wollte sich nicht um die Kinder kümmern und sie hätten ins Heim gemusst."

Ich verstand nicht sofort und fragte: "Was hat Dich denn jetzt gesund gemacht?" Sie sagte nichts. Doch eine Geste und ein Blick drückten aus, dass es ihre Kinder waren, die sie liebte, wie eine Mutter ihre Kinder lieben sollte. Bei mir war es meine damalige Ex, die mich während der schlimmsten Phase meiner Krankheit verlassen hatte. Ich dachte, wenn ich gesund bin, kommt sie wieder zu mir zurück. Das gab mir die Kraft, den Kampf aufzunehmen. Sie kam nicht wieder..., aber ich hatte trotzdem gewonnen!

Finden Sie einen wirklichen Grund, der Sie motiviert! Ich kann Ihnen leider keinen Tipp in diese Richtung geben, wir Menschen sind zu verschieden... Doch! Einen hätte ich... Das Leben selbst! Im Moment sind nicht mehr dabei, doch es gibt einen Weg zurück in dieses Leben. Sie können mit großer Sicherheit wieder Lachen, Spaß haben und all die Sachen machen, an denen Sie bisher Freude hatten! Fest versprochen! Ist das nicht die beste Motivation überhaupt?

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Autor: André Hoek


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