Überlastungsdepression - Burnout

Unsere moderne Gesellschaft stellt sehr hohe Anforderungen an den Einzelnen. Wir müssen an vielen Fronten unseren "Mann" stehen. Auf der Arbeit, im Haushalt, Kinder, Vereine und Gruppen fordern Zeit, Aufmerksamkeit und Kraft. Im Allgemeinen ist man diesen Belastungen in der Regel gut gewachsen, doch es gibt Punkte im Leben, da funktioniert dies nicht mehr wie gewohnt.

Dies kann zum Beispiel dann sein, wenn eine oder mehrere Belastungen eine größere Intensität annehmen, zum Beispiel eine Beförderung mit höherer Verantwortung, oder wenn von außen zusätzliche belastende Elemente hinzukommen. Dies kann zum Beispiel ein Trauerfall oder ein anderer Verlust sein.

Aber auch scheinbar kleine Auslöser, können der berühmte letzte Tropfen im Fass sein. Der Verlust des Arbeitsplatzes, der Tod des geliebten Haustieres können zum Ausbruch einer Überlastungssituation führen. In der Regel steht man das durch, macht zwei Wochen Urlaub und das Leben geht weiter. Doch manchmal verringern sich belastende Lebenssituationen nicht oder verschlechtern sich. Wenn dies über einen längeren Zeitraum geschieht, kann ein Burnout-Syndrom entstehen. Burnout kommt aus dem Englischen und bedeutet Ausgebrannt.

Man hat plötzlich das Gefühl, allem nicht mehr gerecht werden zu können. Alles erscheint unendlich schwer und selbst einfachste Tätigkeiten sind nur unter Aufbietung aller Willenskraft zu erledigen. Und wenn am Abend die Wohnungstür hinter einem ins Schloss fällt, schafft man es gerade noch auf das Sofa und möchte von Niemandem mehr angesprochen werden.

Man schafft es, eine ganze Weile nach außen hin den engagierten HansDampfinallenGassen zu spielen, denjenigen, der auch die müdeste Party in Schwung bekommt, der auf der Arbeit immer mit den besten Ergebnissen glänzt und der sich für keine Überstunde zu schade ist. Kinder, Hobbys und Vereine werden scheinbar mühelos unter einen Hut gebracht.

Hat man denn jetzt nicht endlich alles, was man sich immer wünschte? Im Job mit viel Fleiß Karriere gemacht, Haus und Garten und die Kinder sind gut in der Schule und haben viele Freunde. Das muss erhalten werden! Also macht man weiter, obwohl man eigentlich überhaupt nicht mehr kann.

Diese Überforderungssituation kann man durchaus einige Jahre aushalten, doch je länger man dies tut um so heftiger ist der Zusammenbruch. Denn dieser kommt mit der selben Sicherheit, wie Wasser nass ist!!! Es sei denn, man erkennt dies rechtzeitig und steuert gegen. Nun gilt es in vielen Kreisen, zum Beispiel bei Bankern oder Managern, fast schon wie ein Adelsschlag, mit Mitte 40 zumindest schon mal einen Herzinfarkt gehabt zu haben.

Doch mit adeln hat das wenig zu tun, was man seinem Körper und seiner Psyche durch permanente Überlastung antut. Im Gegenteil. Es wird schwerer Schaden angerichtet, der teilweise dauerhafte Spuren hinterlassen kann. Wie Narben auf der Seele.... Diese Narben können Ihnen für den Rest Ihres Lebens richtige Probleme machen. Deshalb ist es wichtig, chronische Überlastungssituationen zu erkennen, auf Warnsignale des Körpers zu hören, die dieser irgendwann in Massen sendet und am Allerwichtigsten, auch entsprechend zu reagieren und belastende Situationen zu ändern.

Was sind Warnsignale für einen Burnout? Das kann man nicht mit einer Liste von ein paar Symptomen erklären, da das Krankheitsbild von Mensch zu Mensch extrem unterschiedlich sein kann. Doch es gibt einige Erkennungsmerkmale. Wenn Sie die folgenden Beschwerden in ähnlicher Form auch an sich bemerken, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt darüber und sagen Sie auch bei rein körperlichen Beschwerden, dass Sie sich in einer Überlastungssituation befinden. Dies ist für den Arzt zur Stellung der richtigen Diagnose elementar wichtig!

Was mir persönlich damals passierte, war geradezu klassisch. Ich hatte kurz vor dem Akutwerden der Krankheit viele Jahre extrem viel gearbeitet. Immer sechs, und oft sieben Tage die Woche. Täglich 12 bis 14 Stunden waren normal. Nie Urlaub. Beruflich war ich dadurch sehr erfolgreich und verdiente gutes Geld. Was ich damals nicht wusste war, dass ich schon seit meiner Kindheit unter Depressionen litt und auch noch eine unerkannte Hochbegabung mir das Leben schwer machte.

So lange ich rannte, jagte und rackerte merkte ich nichts. Die Müdigkeit, die ich ständig latent verspürte, konnte ja nur von der vielen Arbeit herrühren... Nach einem Umzug veränderte sich meine Situation. Ich bekam von einem befreundeten Geschäftsmann ein gutes Angebot für eine Festanstellung und hatte noch einen zweiten Job, der mir auch gesichertes, gutes Geld einbrachte. Trotz der beiden Jobs, sank meine Arbeitsbelastung im Vergleich zu früher deutlich ab und ich kam endlich mal halbwegs zur Ruhe.

War ich eigentlich schon immer etwas dünn gewesen, so begann ich jetzt richtig abzumagern. Am Ende wog ich nur noch 67 Kg bei 190 cm Größe. Selbst meine Frau hatte Schwierigkeiten, mich auf Fotos aus dieser Zeit wieder zu erkennen. Zeitgleich bekam ich Ausschläge am ganzen Körper und außerdem ging es mir immer schlechter, ohne dass ich genau definieren konnte warum. Wenn man intensiv Sport getrieben hat ist man müde, nach einem Tag mit viel Stress ist man genervt und unruhig. Ich hatte diese Symptome und noch viele mehr, ohne dass es eine Ursache dafür gab. Ich meinte zwar immer die Ursache gefunden zu haben, doch nach Änderung der Umstände, ging es mir nicht besser.

Hatte früher ein Nickerchen auf dem Sofa zur Besserung beigetragen, half jetzt nichts mehr. Trotzdem arbeitete ich weiter. Da ich als Außendienstler ziemlich unabhängig war, konnte ich mir immer wieder zwischendurch eine Pause gönnen und mit dem Kopf auf dem Lenkrad schlafen. Die Zeit hängte ich dann am Abend dran.

Es wurde von Tag zu Tag schwerer. Allein der Gedanke an den nächsten Arbeitstag, ließ mich nachts nicht schlafen und dabei brauchte ich gerade jetzt jedes Quentchen Ruhe, um überhaupt den nächsten Tag zu überstehen. Eines morgens wollte ich meinen Firmenwagen aufschließen und fing plötzlich an, am ganzen Körper zu zittern. So groß war meine Angst vor den Anstrengungen des kommenden Tages. Aber ich riss mich zusammen und machte weiter. Die Anderen konnten es ja schließlich auch... Einige Wochen später war endlich der ersehnte Urlaub da. Doch schon am ersten Tag nach dem Urlaub merkte ich, dass ich mich nicht ein bisschen erholt hatte. Es war sogar noch schlimmer als vorher. Eines morgens stand ich vor dem Spiegel im Badezimmer und konnte mir nicht die Zähne putzen. So sehr ich mich auch bemühte, es ging einfach nicht. Meine körperliche und psychische Kraft reichte nicht mehr. Ich war völlig am Ende. Endlich ließ ich mich krankschreiben!

Beim Arzt brachte ich zwar meine körperlichen Symptome zur Sprache und auch die Müdigkeit, erwähnte aber kein Wort von der extrem harten Arbeit der letzten Jahre. Ich hatte immer gedacht, alle anderen würden genau so hart arbeiten. Waren die nicht immer busy, im Zeitdruck und kämpften auch an allen Fronten? Erst viel später wurde mir klar, dass die meisten Menschen einfach nur viel Lärm um Nichts machen. Ähnlich wie Hühner beim Legen des täglichen Ei's. Sorry für den Vergleich....

Da ich die permanente Überlastung nicht erwähnte, wurde erst mal an allen möglichen körperlichen Symptomen herumgedocktert, mit denen mein Körper mich zur Ruhe zwingen wollte, doch es trat keine Besserung ein. Monatelang! Und es ging mir immer schlechter. Bis mich eines Tages ein Rheumatologe nach meiner persönlichen Situation befragte und die Diagnose Überlastungsdepression stellte. Die daraufhin eingeleitete Behandlung mit Medikamenten und eine anschließende Verhaltenstherapie und der damit verbundene totale Wandel meines Lebens, brachten endlich Besserung.

Doch weil ich es zu weit getrieben hatte, büßte ich einen großen Teil meiner Leistungsfähigkeit dauerhaft ein und leide heute mehr oder weniger ständig unter Depressionen. Glauben Sie mir und nehmen Sie das richtig ernst was ich Ihnen jetzt sage!!!

"Alle Schätze und Besitztümer der gesamten Welt, sind diesen Preis nicht wert!"

Überprüfen Sie Ihre Lebenssituation!

Sind dort Elemente, die Sie zwar noch bewältigen, die Ihnen aber immer mehr zur Last werden?
Sind Sie oft sehr müde und gereizt?
Haben Sie immer wieder verschiedene Wehwehchen oder Krankheiten, für die Ihr Arzt keine richtige Ursache findet.
Haben Sie sich in meiner Geschichte irgendwo wieder entdeckt?

Dann müssen Sie jetzt handeln!

Gehen Sie aus beruflichen oder anderen Überlastungssituationen heraus. Sie können das entweder jetzt koordiniert und geplant machen oder es passiert mit einem Knall, bei dem man unter Umständen alles verliert. Lernen Sie "Nein" zu sagen, wenn Ihnen etwas zu viel wird. Auch wenn Sie bisher immer zu allem bereit waren. Nehmen Sie sich Zeiten der Ruhe! Und das am Besten, bevor Sie sich Ihren Grenzen nähern. Achten Sie auf sich und holen Sie sich Hilfe, wenn Sie schon betroffen sind! Wilhelm Busch erzählte mal folgende Geschichte: "Als ich über einen Friedhof ging, las ich auf einem Grabstein den Spruch: "Arbeit war sein Leben". Als ich das las, dachte ich: "Das wäre ein guter Spruch für ein Pferd, aber nicht für einen Menschen." Damit möchte ich dieses Kapitel schließen.

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Autor: André Hoek


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