Wenn Essen süchtig macht - Fress-Sucht und Binge Eating Disorder
Ebenso wie "zu wenig" an Nährstoffen zu einem Problem werden kann, stellt auch ein "zu viel" die Betroffenen vor eine schwierige Situation. Im Volksmund als Fresssucht bezeichnet gilt die Binge Eating Disorder aus medizinischer Sicht heute noch nicht als eigenständiges Krankheitsbild, sondern lediglich als Zwangsstörung. Dennoch kann sie als die häufigste aller Essstörungen angesehen werden, die allein in Deutschland rund 2 % der Bevölkerung belastet.
Betroffene neigen zu Heißhungerattacken denen mit übermäßigem, unkontrolliertem Essen nachgegeben wird. Hintergründe für die Fress-Sucht sind häufig in Minderwertigkeitskomplexen und mangelndem Geborgenheitsgefühlen zu finden, die durch den Genuss von diversen Speisen kompensiert werden sollen. Was als kulinarische Belohnung beginnt, wird in der Folge der Zwangsstörung zu einem unstillbaren Hunger nach Essen als Ersatzmittel für emotionale Problembewältigungen (Frustessen). Das ganze Leben des Betroffenen dreht sich nur noch um das Essen, die nächste Mahlzeit, den nächsten "Kick" gleich einem Drogensüchtigen auf der Suche nach dem nächsten Schuss.
Kriterien für das Erkennen einer Binge Eating Disorder, sind beispielsweise das Essen ohne Hungergefühle (aus Langeweile), das Fehlen des Sättigungsgefühls oder ein schnelles und gieriges Essen, welches erst bei Übelkeit und Völlegefühl gestoppt werden kann. Hinzu kommen Scham, Schuld- und Ekelgefühle nach dem Essen, weil die Kontrolle verloren wurde und man die Fress-Attacken als belastend empfindet. Entsprechend werden die Anfälle gerne vor dem persönlichen Umfeld versteckt - soziale Isolation ist eine nicht seltene Folge.
Anders als Essstörungen wie Bulimie und Magersucht wird die Fresssucht dabei schnell nach außen sichtbar. Die übermäßige Nahrungszufuhr ohne ausgleichende Verhaltensweisen wie Extremsport, gezielt herbeigeführtes Erbrechen oder zwischenzeitliche Hungerphasen lassen den Betroffenen vergleichsweise schnell zunehmen. Ein deutliches, krankhaftes Übergewicht (Adipositas) ist dabei mit all seinen Aspekten als Zivilisationskrankheit nur ein Faktor, der mit der Förderung anderer Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arthritis, Stoffwechselerkrankungen und Schäden am Bewegungsapparat einhergeht. Darüber hinaus verstärken sich für den Betroffenen auch die bereits vorhandenen psychischen Probleme, beispielsweise die Isolation und Depressionen.
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