Versteckte Essstörungen
Das Krankheitsbild der Essstörungen ist breit gefächert und sehr variabel. Selbst die verbreiteten Essstörungen Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und das Binge Eating Disorder sind von zahlreichen Varianten geprägt, die teilweise ineinander übergehen oder zumindest in Teilen Gemeinsamkeiten aufweisen. Neben diesen Hauptarten gibt es zahlreiche Zwischen- oder Nebenformen, die seltener auftreten und nur Teilaspekte der "großen" Essstörungen aufweisen. Aber auch diese Essstörungen bedürfen einer Behandlung. Dabei sind einige von ihnen bis heute noch wenig erforscht und fanden bisher nicht die Anerkennung als eigenständige Krankheit durch die Medizin.
Eine dieser Essstörungen ist die Anorexia athletica, die Sportsucht. Vergleichbar mit der Magersucht spielt auch bei dieser Form der Essstörung die kontrollierte Nahrungsaufnahme und Gewichtsreduzierung eine tragende Rolle. Unter dem Vorwand der sportlichen Erfolge versuchen die Betroffenen ihr Gewicht zu reduzieren, um beispielsweise in einer niedrigeren Gewichtsklasse einer Wettkampfsportart besser abzuschneiden. Die sich zu Beginn einstellenden Erfolge werden dabei aufgrund der verzerrten Wahrnehmung dem Gewichtsverlust zugerechnet, die Reduzierung der Nährstoffzufuhr weiter vorangetrieben. Die daraus resultierende Mangelernährung und Schwächung des Körpers lässt in Stresssituationen (z.B. im Wettkampf) erhöhte Endorphin-Mengen freiwerden, die Glücksgefühle beim Betroffenen auslösen. Ab einem bestimmten Punkt jedoch kann der Körper diese Leistungen nicht mehr erbringen, während der Betroffene seine Erwartungen an sich selbst immer höher schraubt. Frust stellt sich ein, Depressionen und körperliche Beeinträchtigungen folgen.
Die Orthorexie entspricht einem zwanghaften "sich gesund ernähren". Der Betroffene ist zumeist ursprünglich nur an der Umstellung auf ausgewogene Ernährung interessiert. Diese wird jedoch bei der Orthorexie zu einer fixen Idee, welche die Betroffenen in jeder freien Minute einnimmt. Der Essgestörte ist nicht mehr in der Lage, die Nahrungsaufnahme zu genießen, freie Zeit wird mit der Erstellung von Ernährungsplänen, Kalorienzählung und Nährstoffumsätzen verbracht und die Abweichung der Vorgaben mit Schuldgefühlen belastet. Im Extremfall führt die Orthorexie dazu, dass der Betroffene sich auf nichts anderes mehr konzentrieren kann als auf das Essen. Die Orthorexie wird somit auch zu den Zwangsstörungen gezählt.
Das Pica-Syndrom zählt zu den seltenen Essstörungen. Bei dieser Erkrankung verzehrt der Betroffene Substanzen, die nicht für den Verzehr geeignet sind, beispielsweise Papier, Holz, Pflanzenteile oder auch Metall. In der Regel gilt das Pica-Syndrom als Begleiterscheinung von diversen psychischen und geistigen Erkrankungen wie beispielsweise Demenz, Schizophrenie oder kognitive Behinderungen. Bei Kindern tritt das Pica-Syndrom bisweilen aufgrund von Verwahrlosung und nach psychischen Traumata auf. Die größte Gefahr bei dieser Erkrankung sind Vergiftungen, Mangelerscheinungen sowie Verletzungen des Magendarm-Traktes.
Essstörungen
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