Die modernen Möglichkeiten der Technik bieten umfangreiche und komfortable Varianten der Kommunikation, die weit über eigentlichen Nutzen hinausgehen. Schon für die Kleinen bieten sich Handys, MP3-Player und vergleichbare Geräte an. Dabei ist der Nutzen eher zweitrangig – „cool“ und „in“ möchte man sein, ein wenig erwachsener und einfach etwas Besonderes unter der Vielzahl der Mitschüler.
Doch wann machen solche Geräte in Kinderhänden Sinn? Tragen solche Geräte wirklich zu mehr Selbstbewusstsein oder gar Selbstsicherheit bei, weil die Bewunderung der Mitschüler sicher ist oder definiert sich ein Kind auf diesem Weg zu früh und schnell über Besitz und Eigentum?
Kinder im Grundschulalter sind zwar bereits ein wenig selbständig, werden jedoch in der Regel von vielen Eltern zu besonderen Orten begleitet. Entsprechend sollte in diesem Alter nur dann ein Handy angeschafft werden, wenn es aufgrund besonderer Umstände regelmäßig notwendig ist, beispielsweise wenn Eltern berufstätig sind und die Busverbindungen zwischen dem Zuhause und der Schule oder regelmäßigen Terminen (Nachhilfe, Training in Vereinen) schlecht sind und eine Unterstützung der Kommunikation zwischen Eltern und Kind durch das Handy umgesetzt werden kann.
Spezielle Kinder-Handys bieten dabei im notwendigen Fall das Angebot, dem Kind mittels drei oder fünf festgelegten Telefonnummern die Eltern oder andere Bezugspersonen kontaktieren zu können. Allein als Prestige-Objekt und um „dazuzugehören“ sollte in diesem Alter keinesfalls ein Handy angeschafft werden.
Auf der weiterführenden Schule
Im Alter zwischen 11 und 14 Jahren besuchen Kinder die so genannten weiterführenden Schulen. In diesem Alter beginnt sich der Aktionsradius deutlich zu erweitern. Klassenkameraden und Freunde werden hier häufig aus einem größeren Wohnbereich in Klassen zusammengefasst, die Schulzeiten werden unregelmäßiger und auch die außerschulischen Veranstaltungen und Termine des Kindes werden häufiger ohne Eltern wahrgenommen.
In diesem Alter können Kinderhandys einerseits sinnvoll sein, um den sicheren Weg von A nach B zu klären, abzusprechen, wann das Kind wo ist und gleichzeitig können die Funktionen des Gerätes gegenüber einem normalen Handy eingeschränkt werden (Internetzugang, Spiele und Abos), um auch die Kosten in einem übersichtlichen Rahmen zu halten.
Jugend und Handy
Zu den Jugendlichen zählen vorrangig die 14- bis 18jährigen. In diesem Alter sind viele bereits derart selbständig, dass ein Handy nicht nur dem Jugendlichen die für die alterstypischen, sozialen Kontakte notwendigen Voraussetzungen bietet, sondern auch der Sicherheit der Eltern dient, das eigene Kind jederzeit und überall erreichen zu können. Hierbei sind in der Regel bereits Funktionen notwendig, die über die Fähigkeiten eines reinen Kinderhandys hinausgehen. Statt dessen kann hier ein Prepaid-Handy nützliche Dienste leisten, um auch die Kosten unter Kontrolle zu halten.
Verabredungen können somit frei getroffen werden, die Terminverwaltung des Jugendlichen erinnert an Termine, Kontaktdaten können getauscht und spontane Fotoaufnahmen mit den häufig integrierten Digitalkameras gemacht werden.
Kosten unter Kontrolle
Mit einem normalen Handy können schnell ungeahnte Kosten auftreten. Gerade Jugendliche haben sich häufig so viel zu erzählen, dass schnell einige Euros vertelefoniert sind. Kinderhandys sorgen für eine Kosteneingrenzung, da durch die fest eingespeicherten Telefonnummern nur die persönlichen Bezugspersonen wie Eltern und Familienmitglieder eingestellt werden können. Das senkt den Reiz des langen Telefonierens. Prepaid-Handys ermöglichen zwar die freie Nutzung eines Mobiltelefons, grenzen jedoch die Funktionsfähigkeit über das festgelegte Budget ein, welches erst wieder aufgeladen werden muss.
Darüber hinaus sollten Eltern offen mit ihren Kindern über mögliche Kostenfallen sprechen. Gefälschte Spam-Nachrichten, kostenpflichtige Musik- und Klingelton-Downloads sowie Abos für Sprüche, Horoskope und anderen unnötigen Schnickschnack können ebenfalls die Kosten in die Höhe treiben.
Gesundheitliche Bedenken
Bis heute ist sich die Forschung nicht einig, ob und wie Handys die Gesundheit durch Strahlungen beeinflusst wird. Grundlegend kann dies jedoch durch eine zurückhaltende Nutzung des Handys reduziert werden – was gleichzeitig die persönliche Kommunikation wieder stärkt und die Kosten niedrig hält.
In jedem Fall sollte die Nutzung von Handys bei Kindern und Jugendlichen möglichst nur im Rahmen des Notwendigen eingesetzt werden. Das direkte Gespräch mit Augenkontakt ist schließlich immer noch viel persönlicher und kostengünstiger als das Gespräch über zwei Geräte.