Legearten

Wer die Karten - ganz egal welchen Decks - etwas näher betrachtet, ist häufig fasziniert von den detailreichen Darstellungen, die so unendlich viele Anspielungen auf die Werke großer Mystiker enthalten. Aber allein die Karten zu betrachten, hilft wenig weiter und ist in etwas zu vergleichen mit dem Alphabet: Die Buchstaben zu bewundern und zu erkennen ist eine Sache, sie zu einem sinnvollen Wort zu verbinden und damit lesen zu können eine ganz andere. Um also den Sinn hinter den Karten wirklich verstehen zu können, sind Regeln notwendig, die ebenfalls gelernt werden müssen: Die Legearten.

Klassische oder eigene Legearten?

Bei den Legearten unterscheidet man zwischen klassischen und den eigenen Legearten. Die klassischen Legearten bilden die Basis: Mit keltischem Kreuz oder Beziehungsspiel, Entscheidungsspiel oder dem Zauberspruch der Zigeuner lassen sich die typischen Fragen gut und schnell erörtern. Welche Legeart bzw. welche Abwandlung davon Anwendung findet, entscheidet sich durch die Frage, die entweder ganz konkret oder eher allgemein fragend gestellt werden kann. Die Karten geben Auskunft über die Gedanken- und Gefühlswelt der Person, für die das Blatt gelegt wird und helfen, das Für und Wider verschiedener Entwicklungen oder Positionen abzuwägen. Eigene Legearten entwickelt jeder Kartenleger mit der Zeit automatisch. Seine Fähigkeit dazu wächst mit seiner Übung. In den folgenden erfahren Sie Grundlegendes über die wichtigsten bzw. auf häufigsten verwendeten Legearten und ihre Verwendung - damit Sie "Ihrem" Kartenleger beim nächsten Mal noch genauer auf die Finger schauen können.

Klassische Legearten
Wer beginnt, sich ein wenig mit dem Kartenlegen auseinander zu setzen, stößt schnell auf die Tarotkarten und das keltische Kreuz. Fasziniert betrachtet man die fantasievollen, aussagekräftigen Darstellungen, die Anordnung der einzelnen Karten und fragt sich, wie um alles in der Welt diese zehn Karten etwas über die eigene Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aussagen können.

Was sind klassische Legearten?

Unter den klassischen Legearten versteht man im Allgemeinen Legearten, die zum Teil bereits seit einigen Jahrhunderten praktiziert und von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Zu ihnen zählen beispielsweise das schon angesprochene keltische Kreuz mit zahlreichen Erweiterungen, aber zum Beispiel auch die verschiedenen Spreads bzw. Tafeln oder der Zauberspruch der Zigeuner. Sie alle sind keine Erfindung der jüngsten Esoterik- und Magie-Welle, sondern bereits seit vielen Jahren bekannt. Warum klassische Legearten?

Natürlich stellt sich jedem Anfänger relativ schnell die Frage: Warum eigentlich die klassischen Legearten lernen? Warum kann ich nicht gleich eigene Legearten entwickeln? Die Antwort darauf ist simpel: Wie auch beim Zeichnen, Fotografieren, beim Komponieren oder im Handwerk müssen Sie zunächst die Grundlagen, die Klassiker also, erlernen, damit Sie auf dieser Grundlage aufbauend eigene Techniken entwickeln können. Die klassischen Legearten vermitteln viel Wissen über die verschiedenen Bedeutungsebenen der Karten, ihr Zusammenspiel in einem Spread und somit viel Wissen über die eigentliche Bedeutung und Anwendung der Karten. Einmal erlernt kann dieses Wissen dann natürlich auf ganz individuelle Weise angewendet werden.

Das keltische Kreuz

Das keltische Kreuz ist die wohl bekannteste Art Karten zu legen und findet vorrangig bei Tarotkarten Anwendung. Diese Legeart findet unter Anfängern wie Fortgeschrittenen ihre Anhänger. Man verwendet das keltische Kreuz immer dann, wenn man eine Antwort auf eine konkrete Frage sucht, wenn also nicht nur lediglich eine Tendenz oder spätere Entwicklung in Erfahrung gebracht werden will.

Um das keltische Kreuz auszulegen verwendet man das gesamte Deck, also sowohl die kleine wie auch die große Arkana. Zunächst einmal werden die Karten gemischt, wobei jeder Kartenleger seine eigene Mischmethode hat. Das Deck auffächern, in Stapel aufteilen, aus dem Stapel Karten ziehen, alles ist möglich. Wussten Sie schon?

Einige Kartenleger arbeiten mit einem Signifikator, also einer Karte, die den Fragenden symbolisieren soll. Diese Karte liegt beim Mischen offen auf dem Tisch und hilft bei der Konzentration auf den Fragenden bzw. auf die Frage.

Nach dem Mischen zieht der Fragende zehn Karten, die meist gleich aufgedeckt abgelegt werden. Die erste Karte legt man aufrecht hin, die zweite quer darüber - kein Wunder, die zweite Karte sagt ja auch aus, was den Fragenden bzw. die Frage kreuzt, welche (positiven oder negativen) Einflüsse also wirken. Die nächsten vier Karten werden um diese beiden Karten herum gelegt. Die unterste karte sagt etwas über das unterbewusste oder die grundlegende Situation aus, kann aber auch auf Einflüsse jüngeren Datums hinweisen. Die Karte ganz links sagt etwas über frühere Einflüsse, die Karte ganz oben symbolisiert ein mögliches Ziel oder ein mögliches Ergebnis. Die Karte ganz rechts verrät etwas über die Ereignisse der nahen Zukunft.

Die restlichen vier Karten legt man nun rechts neben die bereits aufgelegten Karten von unten nach oben. Die unterste Karte sagt etwas über den Fragenden, aber auch über mögliche Ängste aus, die Karte darüber symbolisiert das persönliche Umfeld des Fragenden. Karte Nummer neun, die darüber liegt, weist auf Hoffnungen und Ängste in Verbindung mit der Frage hin. Die letzte Karte schließlich zeigt das Endergebnis an.

Spread

Der Spread eignet sich vorrangig für erfahrenere Kartenleger, da diese Art der Kartenlegung eine relativ intuitive ist. Er findet mit den verschiedensten Kartendecks Anwendung und ist in unterschiedlichen Varianten anzutreffen. Den 21-Karten-Spread oder den 42-Karten-Spread legt man vorrangig im Tarot. Bei Lenormand- oder Kipperkarten legt man zuweilen auch das gesamte Deck aus, bei den Lenormand-Karten spricht man in diesem Zusammenhang auch von der großen Tafel.

Wussten Sie schon?
Eine Legeart wird ebenso als Spread bezeichnet wie die Karten, die tatsächlich auf dem Tisch liegen.

Spreads sind eine sehr traditionelle Art des Kartenlegens, die allerdings erfordern, dass man den Umgang mit den Karten gewohnt ist und ihre Bedeutung - auch in Zusammenhang mit anderen Karten - gut kennt.

21-Karten-Spread

Nach dem gründlichen Mischen fächert man hier in der Regel die Karten auf, aus denen der Fragende 21 Karten zieht. Diese 21 Karten werden nun von links nach rechts in sieben Positionen ausgelegt. Je drei Karten liegen untereinander. Die drei Karten auf Position eins geben Auskunft über zukünftige Ereignisse, die in der nahen Zukunft geschehen werden. Position zwei wird in der Regel gemeinsam mit Position eins gedeutet und gibt weitere Hinweise auf die schon bald eintreffenden Ereignisse. Auf Position drei finden sich Einflüsse des Umfelds auf den Fragenden und andersherum.

Aus den Karten auf Position vier lässt sich bereits ableiten, ob sich der (eventuell vorhandene) Wunsch des Fragenden erfüllt. Position fünf beleuchtet, was sich möglicherweise unerwartet ereignet, Position sechs weist darauf hin, was sich möglicherweise trotz Erwartung nicht ereignen könnte. Die siebte und letzte Position schließlich gibt Auskunft darüber, was in jedem Fall geschehen wird.

42-Karten-Spread

Bei diesem Spread wählt der Fragende 42 Karten aus dem aufgefächerten Deck. Je nach Vorliebe des Deuters werden diese Karten nochmal gemischt oder nach einem bestimmten muster mehrmals hintereinander ausgelegt, bis schließlich jeweils sieben Karten auf sechs Positionen liegen. Den Positionen sind keine besonderen Bedeutungen zugeordnet, es liegt also nun am Kartenleger, die Bedeutungen der Karten sinnvoll zu verknüpfen. In dieser Hinsicht sind der 42-Karten-Spread und der Spread aus allen Karten eines Decks identisch: Als Orientierungspunkt dient in der Regel ein Signifikator. Bei Männern ist dies ein König, bei Frauen eine Königin. Der Signifikator wird vor dem Auslegen bestimmt. Die Karten um den Signifikator werden nun zunächst in Bezug auf diese Karte gedeutet. Danach deutet man von links nach rechts, von oben nach unten. Die Deutung fängt also links oben an und endet rechts unten. Meist gilt: Je weiter eine Karte weg vom Signifikator liegt, desto weniger Einfluss hat sie. Desweiteren sagt man häufig: Alle Karten links neben der Position des Signifikators symbolisieren die Vergangenheit, alle Karten rechts davon die Zukunft.

Zauberspruch der Zigeuner

Mit einem Zauberspruch hat der Zauberspruch der Zigeuner reichlich wenig zu schaffen: Dieses relativ einfache Legemuster ist nicht mystischer als jedes andere.

Wussten Sie schon?
Zigeuner sollen es angeblich gewesen sein, die das Tarot in Europa verbreiteten. Noch heute legen viele Zigeuner Karten nach eigenen Legemustern und blicken auf diese Weise in ihre eigene Zukunft oder die eines Fragenden.

Der Zauberspruch der Zigeuner wird immer dann verwendet, wenn keine bestimmte Frage gestellt wird, sondern man einfach erfahren möchte, was die Zukunft bringt, welcher Trend sich momentan abzeichnet. Die Aufgabe dieser Legeart ist es also, die Gegenwart zu verdeutlichen und die Zukunft grob zu skizzieren. Beim Zauberspruch der Zigeuner werden die Karten zunächst gründlich gemischt und zweimal abgehoben, so dass drei Stapel Karten entstehen. Der Fragende wählt einen Stapel aus, der nun verdeckt aufgefächert wird. Aus diesen Karten wiederum wählt der Fragende sieben Karten, die wie folgt abgelegt werden: Nach dem Ablegen deckt man die Karten der Reihe nach auf. Die erste Karte symbolisiert dabei das Ich, also die aktuelle Situation oder Stimmung. Karte Nummer zwei sagt aus, was Dich deckt, also wie man auf Andere wirkt. Die dritte Karte sagt aus, was Dich schreckt, was hinter der Wirkung steht also und bewusst oder unbewusst verborgen wird. Die vierte Karte deckt auf, was Dich treibt, also was der Fragende erstrebt, die fünfte sagt aus, was Dir bleibt, also wie es dem Fragenden geht und was erreicht werden kann. Die Aussage der sechsten Karte dürfte klar sein, sie symbolisiert, was Dir die Zukunft bringt. Danach folgt noch eine letzte Karte: Sie sagt etwas darüber aus, was Dich zu Boden zwingt, was also das Ereignis oder die Entwicklung in der Zukunft für den Fragenden bedeutet.

Der einfache Dreier

Der einfache Dreier ist eines der wohl einfachsten Legemuster, das selbst Anfänger schnell legen können - was aber nicht bedeutet, dass es auch einfach zu deuten ist. Zwar kommen lediglich drei Karten zum Einsatz, aber genau das ist auch das Problem dabei: Geben diese drei Karten keine eindeutige Aussage ab, ist eine Deutung schwierig. Den einfachen Dreier, übrigens auch eine Methode, die angeblich von den Zigeunern stammen und schon sehr alt sein soll, nutzt man immer dann, wenn eine spezifische Frage beantwortet werden soll. Dazu werden die Karten zunächst gut gemischt und meist verdeckt aufgefächert. Daraus zieht der Fragende drei Karten, die nebeneinander ausgelegt werden. Die erste Karte symbolisiert die Vergangenheit, die zweite die Gegenwart, die dritte die Zukunft. Tauchen hier Karten auf, die schwierig in Einklang zu bringen sind, ist die Antwort unklar oder entspricht die Gegenwarts-Karte nicht der Wahrheit, kann der Spread noch erweitert werden: Dann wiederholt man die Ziehung noch zwei Mal, so dass nun neun Karten ausliegen sollten. Sind dann immer noch Widersprüche erkennbar oder wird keine Lösung aufgezeigt, sollte nicht mit der Deutung fortgefahren werden - in diesem Fall soll die Antwort einfach noch nicht kundgetan und es muss zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal ausgelegt werden.

Zeitlegung

Zeitlegungen zählen zu den wohl bekanntesten und beliebtesten Legearten. Sie werden gern genutzt, um schnell einen Trend für einen bestimmten Zeitraum absehen zu können - egal ob es sich dabei um einen Tag, eine Woche, um einen Monat oder ein Jahr handelt. Grundlegend unterscheidet man dabei eine einzige Zeitkarte von einem Zeit-Spread. Einzelne Zeitkarten

Einzelne Zeitkarten findet man auch in vielen Zeitschriften und auf Webseiten. Dabei handelt e sich immer um eine einzige Karte, die eine Aussage über die Qualität einer Zeit treffen soll. Zeitkarten werden häufig für einen Tag oder eine Woche gezogen, meist in Verbindung mit einem Sternzeichen. Anders ausgedrückt: Für jedes Sternzeichen wird eine Zeitkarte angegeben, die nun auf einen bestimmten Tag, eine Woche usw. zutreffen soll. Dass das bei allem guten Glauben nicht immer stimmen kann, sollte jedem Leser klar sein. Maximal wenn eine Zeitkarte persönlich für einen Fragenden gezogen wird, kann sie tatsächlich für ihn bestimmt sein. Diese Karte wird in der Regel vom Fragenden aus dem Deck gezogen und daraufhin gedeutet.

Zeitspread

Im Gegensatz zur einfachen Zeitkarte ist ein Zeitspread schon etwas umfangreicher. Diese Legung wird gern am Ende oder Anfang eines Jahres vorgenommen, häufig auch gleich für ein ganzes Jahr. Kein Wunder also, dass man auch gern von einer Jahreslegung oder einem Jahreskreis spricht. Für den Jahreskreis werden die Karten zunächst gut gemischt und dann von oben abgenommen. Für die Legung stellen Sie sich am besten das Ziffernblatt einer Uhr vor: Die erste Karte wird aufgedeckt auf die Position neun des Ziffernblattes gelegt, die zweite auf die Position zehn, die dritte auf Position elf usw. Ist der Kreis mit zwölf Karten vollendet, legt man die dreizehnte Karte in die Mitte des Spreads.

Die Deutung beginnt mit der dreizehnten Karte: Sie zeigt das Hauptthema des kommenden Jahres an. Danach suchen Sie sich die Anfangsposition im ausliegenden Kreis: Die erste Karte auf Position neun wird dabei dem Januar zugeordnet, die zweite auf Position zehn dem Dezember usw. Sie sehen: Ausgelegt wird im Uhrzeigersinn, gedeutet wird gegen den Uhrzeigersinn. Suchen Sie sich also als nächstes den Monat, in dem Sie sich gerade befinden, dort beginnt auch die Deutung. Haben wir beispielsweise Dezember, beginnt die Deutung auf Position zehn entgegen dem Uhrzeigersinn, jede Karte symbolisiert einen Monat. Wichtig: Vergessen Sie bei der Deutung nicht die freizehnte Karte in der Mitte des Kreises, sie beeinflusst auch jede der anderen ausliegenden Karten.

Eigene Legearten

Zu Beginn einer Beschäftigung mit den Karten - egal für welches Deck Sie sich entschieden haben - werden Sie sicherlich nach geeigneten Legearten suchen, mit denen Sie dem Geheimnis der Karten auf die Schliche kommen können. Und die Auswahl ist groß: Wer ein Buch zum Thema Kartenlegen aufschlägt oder einige Zeit im Internet surft, wird schnell fündig, Anleitungen gibt es en masse. Schnell findet man auch heraus, welche Legeart mit welchem Kartendeck am besten funktioniert. Mit der Zeit aber reichen die "Standard-Legungen" vielen Kartenlegern nicht mehr aus, sie entdecken neue Legemuster oder Ergänzungen zu den ihnen bekannten Arten.

Und so wundert es nicht, dass viele Kartenleger, die sich ernsthaft und über einen längeren Zeitraum mit ihren Karten beschäftigen, ab einem bestimmten Punkt beginnen, eigene Legearten zu entwickeln, die ihnen helfen, schneller und möglicherweise besser Antworten auf bestimmte Fragen zu finden. Dabei kann sich eine neue Legeart sowohl aus einer bereits bekannten entwickeln als auch intuitiv selbst entwickelt werden. Der Kartenleger bestimmt dabei selbst, wie die Karten wann und wo gezogen und abgelegt werden. In seinem Ermessen liegt es auch, ob die Karten mit ihrer althergebrachten Bedeutung gelesen werden oder ob es eine Rolle spielt, ob eine Karte auf dem Kopf steht.

Übrigens: Jeder Kartenleger findet in der Regel auch schnell "seine" Art, die Karten zu mischen und zu ziehen bzw. ziehen zu lassen. Insofern ist das Kartenlegen ab einem gewissen Grad der Beschäftigung damit eine sehr individuelle Vorgehensweise, die auch gar nicht standardisiert sein kann und soll - schließlich benötigt jeder seine eigenen, individuellen Hilfsmittel, um Zugang zur Bedeutung seiner Karten und dem Unterbewusstsein der Fragenden zu erhalten.

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