Selbst Karten legen
Häufig fängt das Kartenlegen spielerisch an: Als Kind oder Jugendlicher interessiert man sich in der Regel einerseits für Spiele jeder Art, andererseits aber auch für alles, was geheimnisvoll oder mystisch und magisch ist. In diesem Alter stoßen die meisten Menschen zum ersten Mal auf das Kartenlegen: Manche erlernen es vielleicht von einem Familienmitglied oder einem Freund bzw. einer Freundin, andere lesen darüber oder entdecken bei ganz normalen Kartenspielen, dass die Karten mehr als nur Zeitvertreib sein können. Bald nun stellt sich die Frage: Kann jeder das Kartenlegen lernen? Und wenn ja, auf welche Weise?
Kann jeder Karten legen lernen?
Die erste Frage kann prinzipiell zunächst mit ja beantwortet werden: Die Regeln für das Kartenlegen sind zunächst einmal von Jedem erlernbar, für grundlegende Techniken bzw. für den "Hausgebrauch" ist keine besondere Begabung notwendig. Etwas anders sieht es schon aus, wenn aus dem Kartenlegen ein Beruf werden soll: Wer fremden Menschen die Karten legen möchte, benötigt Einfühlungsvermögen, etwas psychologisches Geschick und neben einer guten Intuition auch ein großes Stück Verantwortungsbewusstsein. Schließlich wenden sich vorrangig die Menschen an Kartenleger, die sich in einer tatsächlichen oder gefühlten Notlage befinden, die zumindest für die Ratsuchenden bedrohliche Ausmaße annehmen kann.
Zum Kartenlegen gehört neben den Decks und Legearten auch das Wissen um den richtigen und verantwortungsvollen Umgang mit Karten und Klienten, das man wie alles im Leben erst erlernen muss. Nur wer verantwortungsvoll mit seinem Wissen umgeht, kann auch ein guter Kartenleger werden, das sollte jedem Interessierten klar sein. Worauf es grundlegend beim Kartenlegen ankommt, erfahren Sie in den nun folgenden Abschnitten.
Umgang mit den Karten
Die Karten sind das Werkzeug eines jeden Deuters und so ist es notwendig, dass jeder Kartenleger zunächst einmal den richtigen Umgang mit seinen Karten erlernt.
Wie jedes Werkzeug oder Hilfsmittel müssen auch die Karten sorgsam aufbewahrt werden. Statt die Karten also achtlos im Raum verstreut liegen oder verschmutzen zu lassen, sollten sie stets an einem für sie bestimmten Ort aufbewahrt werden. Viele Deuter bewahren ihre Karten auch nicht in der Originalverpackung auf, sondern verwahren sie in einem schwarzen Tuch aus Seide oder Samt. Diese Angewohnheit hat eine konkrete Ursache: Kartenleger, die so mit ihren Karten umgehen, möchten vermeiden, dass ihre Karten bestimmten Energien ausgesetzt sind. Der schwarze Stoff wirkt einer verbreiteten Ansicht nach neutralisierend, weder positive noch negative Energien haben somit Einfluss auf die Karten. Wichtig ist dies, da sonst die Aussage der Karten bei der nächsten Legung verfälscht werden könnte.
Wussten Sie schon?
Bei einigen Kartenlegern haben die Karten Vermerke oder sind mit kleinen Zettelchen beklebt. Keine Sorge, das ist kein Trick, der die Legung beeinflusst. Diese Vermerke oder Hinweise helfen lediglich bei der Deutung.
Wundern Sie sich auch nicht, wenn der Deuter seine Karten nicht aus der Hand gibt und lieber selbst mischt. Der Grund dafür liegt darin dass viele Kartenleger der Annahme sind, ihre Karten hätten ihre Aura angenommen. Wenn nun jemand Anderes die Karten berührt oder sie mischt, würden andere Energien auf die Karten wirken, was ihre Aussagekraft verändern könnte.
Sie sehen also: Viele Kartenleger verbinden das Kartenlegen fast automatisch auch mit Energien und ihrem Einfluss auf den Menschen. Respektieren Sie daher am besten die geäußerten Bitten "Ihres" Kartenlegers, seien Sie aber skeptisch, wenn er sich vornehmlich über Energien und weniger über die Karten und ihre Aussage äußert.
Vorbereitungen und Mischen
Viele Menschen assoziieren mit dem Kartenlegen eine alte Frau, die bei Kerzenschein in einem kleinen Zimmer oder einem Zelt sitzt und mit höchster Konzentration unverständliche Worte murmelnd die Zukunft vorhersagt. Nun, diese Vorstellung entspricht in den meisten Fällen keineswegs der Realität. Heutige Kartenleger sind Menschen wie Du und ich, sie leben in ganz normalen Häusern oder Wohnungen, wo sie ihre Klienten empfangen. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie "Ihren" Kartenleger besuchen und er sie in einem modernen Wohnzimmer oder einem ganz normalen Arbeitszimmer begrüßt. Auch das Abbrennen von Räucherwerk, besondere Lichteffekte oder das Beschwören von Geistern im Vorfeld der Legung gehört keineswegs zum Standard.
Kartenlegen abseits von Hokuspokus
Worauf Sie sich stattdessen einstellen sollten: Wichtig ist, dass sowohl Kartenleger als auch Fragender ausreichend Zeit mitbringen und sich konzentrieren können. Beide sollten also nicht in Hektik oder Zeitnot sein - Entspannung und Besinnung darauf, was man erfahren möchte, sind stattdessen angesagt. Hilfreich kann da schon eine angenehme Musik im Hintergrund oder ein Kaffee oder Tee zur Begrüßung sein.
Vor allem für Kartenleger ist es wichtig, über ausreichend Zeit zwischen zwei Klienten oder Legungen zu verfügen. Der Grund dafür ist ganz einfach: Nimmt er die Probleme und Fragen des letzten Klienten mit in die nächste Beratung, kann seine Beratung bzw. seine Prognose für den nächsten Klienten nicht stimmig sein.
Karten richtig mischen
Zur richtigen Vorbereitung gehört natürlich auch das gründliche Mischen der Karten. Jeder Kartenleger hält es dabei wie er es selbst für richtig hält: Die einen geben ihre Karten zum Mischen nicht aus der Hand, die anderen bitten ihre Klienten, selbst die Karten so lange zu mischen bis sie das Gefühl haben, es sei genug.
Wussten Sie schon?
Eine Karte, die beim Mischen aus dem Deck fällt, sollten Sie nicht unbeachtet wieder zurückstecken: Meist gibt sie bereits einen ersten Hinweis auf das Problem oder die Lösung.
Beim Mischen sitzen Kartenleger und Fragender meist zusammen an einem Tisch und konzentrieren sich dabei auf den Fragenden. Wichtig ist, dass sich sowohl der Kartendeuter als auch der Fragende "erden", dass sie dabei also Beine und Hände bzw. Arme nicht kreuzen und beide Füße auf den Boden stellen. Die meisten Kartenleger raten davon ab, beim Mischen an ein bestimmtes Problem zu denken: Das intensive Denken daran könnte die Aussage der Karten insofern verfälschen, dass im Spread nur noch die Wünsche oder Ängste des Fragenden zu sehen sind. Stattdessen versuchen es die meisten damit: Versuchen Sie beim Mischen, sich innerlich den Klienten vorzustellen. Wenn der Fragende selbst mischt, versucht er, sich sich selbst vorzustellen. Die Intuition des Fragenden entscheidet in der Regel, wann das Mischen beendet ist. Im Anschluss an das Mischen folgt eventuell noch ein Abheben der Karten durch den Fragenden und die Legung.
Wahl des Decks und der Legeart
Welches Kartendeck und welche Legeart ein Kartenleger verwendet, liegt immer in seinem eigenen Ermessen. Viele Kartenleger entscheiden sich intuitiv für ein Kartendeck, das ihnen besonders gut gefällt, das sie ästhetisch anspricht oder mit dem sie aus Erfahrung die sichersten Prognosen stellen können. Andere Deuter besitzen verschiedene Decks, die sie zu unterschiedlichen Zwecken nutzen. So kommt es gar nicht selten vor, dass Tarotkarten eher zur Klärung eines bestimmten Problems verwendet werden, Lenormandkarten dafür eher, um generelle Entwicklungen und allgemeine Tendenzen abschätzen zu können.
Wussten Sie schon?
Manche nach eigenen Angaben hellsichtige Kartenleger arbeiten mit zwei Kartendecks gleichzeitig: Während sie eines davon mischen, mischt der Fragende das zweite. Auf diese Weise will der Kartenleger sichergehen, dass seine Intuition bzw. seine Hellsichtigkeit das Ergebnis, also die Legung nicht beeinflusst.
Die passende Legeart
Natürlich gibt es einige Klassiker unter den Legearten, die die meisten Kartenleger auch beherrschen und anwenden. Zu ihnen gehören beispielsweise das keltische Kreuz, die verschiedenen Arten des Spreads oder der Zauberspruch der Zigeuner, die auch in diesem eBook kurz vorgestellt werden. Daneben entwickeln fast alle Kartenleger mit der Zeit ihre eigenen Legearten, die sie meist auf Nachfrage auch kurz erklären.
Natürlich richtet sich die Anwendung der verschiedenen Legearten auch nach der Fragestellung: Ein großer Spread gibt Auskunft über allgemeine Tendenzen und Entwicklungen, ein kleiner geht mehr auf ein bestimmtes Problem und seine Lösungsmöglichkeiten ein. Ebenfalls eine Möglichkeit beim Tarot: Je nach Fragestellung wird nur die große oder die kleine Arkana bzw. die unterschiedlichen Farben der kleinen Arkana verwendet. Bei sehr wichtigen, brennenden Fragen nimmt man beispielsweise gern nur die große Arkana. Geht es in einer bestimmten Frage um finanzielle Angelegenheiten, kann man auch nur einen kleinen Spread mit den Karten der Münz-Serie legen, bei emotionalen Fragen verwendet man die Kelch-Serie, die Stäbe kommen vor allem bei Fragen zu Beruf und Karriere zum Einsatz und die Schwerter-Serie verwendet man in Entscheidungsfragen und in bezug auf rationales Handeln.
Deutung
Die Karten zu deuten gestaltet sich in der Regel schwieriger, als es auf den ersten Blick den Anschein zu haben scheint. Jede Karte verfügt über verschiedene Bedeutungen, die je nach Fragestellung und Legeart zutage treten. Zudem steht keine Karte nur für sich, sieht man einmal von Zeitlegungen mit einer Karte ab. Stattdessen steht eine Karte im Spread stets im Zusammenhang mit den Karten, die sie umgibt und ist somit auch nur in Zusammenhang mit diesen Karten zu deuten. Auf diese Weise ergeben sich Zusammenhänge auf verschiedenen Ebenen. Ein Beispiel: Wird ein großer Spread ausgelegt, um eine allgemeine Tendenz á la wie wird das nächste Jahr zu erfahren, können die Karten sowohl in Richtung Partnerschaft, Familie und Gesundheit, aber auch in Bezug auf Finanzen und Karriere gedeutet werden. Da eine Karte nie nur eine Bedeutung hat und in Bezug auf diese unterschiedlichen Themenstellungen aus durchaus unterschiedliche Aussagen treffen kann, gestaltet sich die Deutung dementsprechend umfangreich oder schwierig.
Zu Beginn verwenden Kartenleger gern das eine oder andere Lehrbuch oder Arbeitsbuch, aus dem sie die traditionellen Bedeutungen der Karten erfahren. Verbreitet ist es auch, die Karten zu markieren oder mit Notizen zu versehen, falls der Deuter damit einen ganz bestimmten Umstand verbindet. Mit etwas mehr Übung und Erfahrung wird dieser Wissensschatz durch eigene Erfahrungen und Erkenntnisse erweitert, so dass jeder erfahrene Kartenleger schließlich über einen reichen Fundus an Deutungswissen über die Karten verfügt, der weit über das hinaus geht, was gängige Arbeitsbücher vermittelt.
Eine andere, ebenfalls häufig anzutreffende Deutungsmethode ist eine sehr intuitive: Der Kartenleger beschäftigt sich dabei weniger mit der traditionellen Bedeutung der Karten, sondern lässt sich von den Darstellungen inspirieren und versucht intuitiv, die Karten im Spread zu einer stimmigen Geschichte zu verbinden. Ob Sie diesem Vorgehen trauen und sich auf eine so entstandene Aussage verlassen möchten, entscheiden Sie selbst.
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