Die Geschichte des Weines
Der Wein begann seinen Siegeszug vor mehreren Jahrtausenden in den Hochkulturen des Nahen Ostens. Durch die neue Sesshaftigkeit der ehemaligen Nomaden wurde nicht nur Ackerbau und Viehzucht, sondern auch Weinanbau möglich. Wie Funde aus der Hochkultur Mesopotamiens belegen, war Wein schon 3000 v. Chr. ein bekanntes und geschätztes Getränk.

Wein @iStockphoto/Cagri Özgür
Im Zuge der Völkerwanderung breitete sich der Weinbau stetig aus und erlangte besonders im antiken Griechenland und Rom eine große Bedeutung, so sind der griechische Gott Dionysos und der römische Gott Bacchus explizit dem Wein und der Fruchtbarkeit gewidmet und werden demnach auf den meisten Abbildungen mit Weinreben dargestellt. Während Wein im antiken Ägypten vor allem von der sozialen Oberschicht konsumiert wurde, wurde sein Konsum im Römischen Reich auch einfachen Soldaten empfohlen. Griechen und Römer tranken den fruchtigen Rebensaft nur in Ausnahmefällen unverdünnt, was den Vorteil mit sich brachte, das mit ihm verdünntes Wasser durch den Alkoholgehalt desinfiziert wurde. Im Römischen Reich galt der Wein daher als heilendes und stärkendes Getränk, das unverzichtbar auf den unzähligen Eroberungszügen war, mit denen auch der Weinbau über ganz Europa verbreitet wurde, wo er sich im Laufe der Zeit etablierte. Die heutzutage bedeutendsten europäischen Weinkulturen in Frankreich, Spanien und Portugal werden dieser Expansion des Römischen Reiches zugerechnet und ab 500 nach Christus auch im großen Stil betrieben.
Prominentester früher Förderer des Weinanbaus war Karl der Große. Er beschäftigte sich eingehend mit der Forschung nach neuen Rebsorten, pflanzte Musteranlagen an und verfügte weitflächige Neuanlagen von Weinbergen.
Die Ausbreitung des Islam durch das Vorrücken der Türken im 15. Jahrhundert hatte ein fast vollständiges Erliegen des spanischen und portugiesischen Weinanbaus zur Folge, es blieb zwangsläufig den Klöstern überlassen, ihn fortzusetzen. Auch der Dreißigjährige Krieg brachte einen massiven Einschnitt in den Weinanbau mit sich. Mangelnde Arbeitskräfte und Konsumenten ließen die Rebflächen schrumpfen, überhöhte Weinabgaben an umherziehende Soldaten taten ihr übriges. Die anschließende langsame Erholung brachte auch den Ruf nach höherer Weinqualität mit sich. Im 17. Jahrhundert erreichte der Weinanbau seine Blütezeit, seine Ausdehnung erreichte selbst klimatisch ungünstigere Lagen in ganz Europa. Der Wein wurde zum beliebtesten Volksgetränk.
Der Wissensdurst und die Experimentierfreude des 19. Jahrhunderts machte auch vor dem Weinanbau nicht halt. Allen voran Frankreich, aber auch Spanien, Italien und Portugal überraschten mit immer neuen Rebsorten und Weinvarianten, die von der See- und Handelsmacht England exportiert wurden. Der aus dieser Zeit stammende Champagner oder der Marsala hat auch heute nichts von seiner Beliebtheit eingebüßt.
Durch den Import von amerikanischen Reben wurden nicht nur neue Rebsorten, sondern auch ein gefährlicher Schädling nach Europa gebracht: die Reblaus. Viele europäische Rebsorten fielen ihr zum Opfer und nur durch die Veredelung mit amerikanischen Reben konnte ein vollständiges Erliegen des europäischen Weinanbaus verhindert werden. Die beiden Weltkriege hatten erneute Rückschläge zur Folge, erst zu Zeiten des Wirtschaftswunders war die Nachfrage nach Wein wieder groß. Die darauf angebotene Masse an Weinen von häufig minderwertiger Qualität bereitete unter anderem die Grundlage für das neue deutsche Weingesetz, das 1971 in Kraft getreten ist. In diesem Gesetz wurden zum ersten Mal die Bezeichnungen für einen Wein festgelegt.
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