Ständig an der Grenze leben: Das Borderline-Syndrom

Das Borderline-Syndrom wird häufig auch als Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS) oder emotionale instabile Persönlichkeitsstörung bezeichnet. Letztere Begriff gibt bereits einen ersten Anhaltspunkt dafür, was man unter dieser Krankheit zu verstehen hat.

 

Der Begriff Borderline wurde bereits im 19. Jahrhundert verwendet, Eingang in die wissenschaftliche Fachsprache hat er allerdings erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts durch die Arbeiten des Psychoanalytikers Adolph Stern gefunden. „Borderline“ bedeutet übersetzt „Grenzfall“. Stern wollte genau dieses mit der Verwendung des Begriffes ausdrücken: Die Persönlichkeitsstörung, der seine volle Aufmerksamkeit galt, stellt einen Grenzfall zwischen einer Psychose und einer Neurose dar.

Borderline

Die Symptome, welche Personen zeigen können, die an einer Borderline Persönlichkeitsstörung erkrankt sind, können stark variieren. Kaum ein Fall gleicht dem nächsten in seinen Details. Allen Patienten ist allerdings gemein, dass sie starken Gemütsschwankungen ausgesetzt sind – Depressionen, Angst und Aggressionen wechseln sich ab und treten in starker Ausprägung in Schüben auf. Sie verursachen zumeist ein Verhalten, dass primär den Patienten selbst schadet. Selbstverletzungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch, risikoreiches Verhalten, Promiskuität und sogar Selbstmordversuche sind dabei Zeichen für die Autoaggression, welche die Patienten entwickeln.

Durch ihre gestörte Wahrnehmung der sozialen Realität und ihrer selbst sind die Patienten oftmals nicht fähig, sich in das soziale Miteinander ihrer Umgebung einzufügen. Handlungen werden dabei häufig missinterpretiert und als Anfeindungen gewertet. Nahe stehende Personen können in einem Moment noch geliebt und geschätzt werden, während im nächsten Moment nur noch Hassgefühle und Feindseligkeit empfunden wird.

Erschwert wird die gesamte Situation für die zumeist hilflosen Patienten dadurch, dass sie unter dissoziativen Symptomen wie etwa Denkstörungen, Amnesien, Zwangsstörungen oder emotionsbedingtem Kontrollverlust leiden. Die Patienten sind zwar in der Lage zu erkennen, dass sie sich nicht normal verhalten, dennoch wirken diese Wahrnehmungsstörungen beängstigend und tragen zur Entfremdung bei.

Worin die genauen medizinischen und psychologischen Ursachen für eine Borderline Persönlichkeitsstörung liegen, kann trotz intensiver Auseinandersetzung mit dieser Erkrankung immer noch nicht zuverlässig und endgültig beantwortet werden. Vergleicht man allerdings die Biographien der Erkrankten, lassen sich oftmals Parallelen entdecken: Viele Patienten litten schon im Kindesalter unter Vernachlässigung oder waren sexuellem Missbrauch oder Gewalt ausgesetzt. Hierbei ergibt sich ein Teufelskreis: Durch die Entwicklung der Borderline Persönlichkeitsstörung liefern sich die Patienten nämlich häufig genau dem wieder aus, was die Störung verursacht hat. Ihre Autoaggression trägt dazu bei, dass sie sich in Situationen begeben, in denen sie wieder zum Opfer werden können.

Nur eine Therapie bietet die Chance, dass die Erkrankten einen Ausweg aus ihrem von Angst, Depression und Wut geprägten Leben finden können. Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich dabei in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert, da man immer mehr die Krankheit verstehen lernt. Zumeist werden die Patienten innerhalb einer Therapie zur Aufarbeitung ihrer negativen Erfahrungen angeleitet und dabei unterstützt, was die Ursachen beheben soll. Die Symptome können dabei durch Medikamente – zumeist Antidepressiva – gelindert werden.

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