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Boreout – Langeweile macht krank

Allseits bekannt ist wohl das sogenannte Burnout-Syndrom, bei dem Menschen durch ständigen Stress und eine latente Überforderung schlichtweg ausgebrannt sind und dringend Erholung von Ihrem Job benötigen. Was aber verbirgt sich nun hinter dem doch eher unbekannten Boreout-Syndrom – ernstzunehmende Beschwerden oder doch wieder nur eine unnötige Wortneuschöpfung? Ersteres trifft wohl eher zu: Menschen, die unter einem Boreout-Syndrom leiden, fühlen sich in ihrem Job ständig unterfordert. Diese Unterforderung führt zu einer psychischen Unausgeglichenheit – die Betroffenen sind ständig gelangweilt (engl. bored). Beides zusammen kann so massiv belastend für die einzelne Person werden, dass oft Depressionen nicht weit sind.





Unterfordert und gelangweilt bei der Arbeit

Die Autoren des Buches „Diagnose Boreout“, Peter R. Werder und Philippe Rothlin, beschreiben drei wesentliche Charakteristika des Boreout-Syndroms. Den Anfang macht dabei die Unterforderung – sie ist der Auslöser aller Probleme, die sich an dieses Syndrom anschließen. Zustande kommt sie zum Beispiel dadurch, dass man in einem Unternehmen eine Position bekleidet, deren Anforderungen nicht dem entsprechen, was man zu leisten imstande ist. In unserer heutigen Arbeitswelt ist es bereits zur Alltäglichkeit geworden, dass sich viele Arbeitnehmer unter Wert verkaufen müssen, um ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Ihre Ausbildung und ihre Berufserfahrung hat dann nur geringe Bedeutung für den tatsächlich ausgeübten Beruf. Dieses löst laut Werder und Rothlin Desinteresse aus. Der Unterforderte kann sich nicht mit seiner Tätigkeit und dem Unternehmen identifizieren. Schließlich und endlich ist er durch die ständige Unterforderung und das daraus resultierende Desinteresse nur noch gelangweilt.

Boreout
Boreout @iStockphoto/Maridav

Die Tarnkappe

Dass ein Arbeitnehmer unter einem Boreout-Syndrom leidet ist auf den ersten Blick gar nicht so einfach zu erkennen. Bewusst und unbewusst entwickelt der ständig unterforderte Mitarbeiter ganz eigene Strategien, um diesen Umstand zu verbergen. Schließlich ist es, wenn man auf den Job angewiesen ist, nicht immer einfach möglich, den Umstand geradeheraus anzusprechen und auf eine Verbesserung der Arbeitsumstände zu bestehen. Aus diesem Grund und weil jeder Mensch im Grunde Anerkennung für sein – wie auch immer geartete Arbeit – bekommen möchte, verbergen Betroffene ihre Belastung häufig hinter der Fassade einer übertriebenen Geschäftstätigkeit. Sie sind ständig in Bewegung, machen hier etwas, tun dort etwas... Zumeist etwas, das nicht wirklich mit ihrer Tätigkeit zu tun hat, sondern sich gerade anbietet. Besprechungen werden angeordnet, ohne dass es tatsächlich etwas Wesentliches zu besprechen gibt – schließlich muss man den Tag irgendwie umbekommen. Trotz der Langeweile und der mäßigen Produktivität täuschen die Betroffenen ständig vor, viel zu viel zu tun zu haben. Dies muss noch erledigt werden, und jenes auch...

Durch dieses Verhalten vermeiden sie es, zusätzliche Aufgaben übertragen zu bekommen, was die Langeweile am Arbeitsplatz allerdings nur noch vergrößert und nicht die erhoffte Entlastung bringt.

Hilfe in Sicht

Wenn man diesem Teufelskreis der ständigen Unterforderung entkommen will, hilft in der Regel nur eins: Man versucht durch Lehrgänge und Fortbildungen im gleichen Unternehmen eine Stelle zu ergattern, die eher den eigenen Vorrausetzungen entspricht als die vorherige. Oder aber man versucht schlichtweg, einen anderen Job in einem anderen Unternehmen zu finden.

Es gibt also durchaus Wege aus dem Boreout-Syndrom, welche die Betroffenen selbst einschlagen können. Dennoch sind auch die Unternehmen gefordert: Sie tragen nicht nur eine Verantwortung für ihre Mitarbeiter, sondern müssen bei fehlerhaften Stellenzuweisungen auch mit wirtschaftlichen Schäden rechnen. Es ist dementsprechend eine genaue Analyse der Fähigkeiten und Interessen der Mitarbeiter notwendig, um ihre Potenziale vollkommen ausschöpfen zu können. Dieses bringt nicht nur dem Unternehmen selbst einen Vorteil, sondern sorgt auch dafür, dass die Mitarbeiter ausgelastet und ausgeglichen sind – spannende, interessante und herausfordernde Aufgaben lassen garantiert keine Langeweile entstehen und der Job wird zu mehr als zur lästigen Pflichterfüllung.



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