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Akupunktur

Die Medizin hat in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten große Fortschritte gemacht: Krankheiten, die man noch vor zehn Jahren für unheilbar hielt, können heute erfolgreich therapiert werden. Dass aber nicht alles in der Medizin überholt sein muss, was alt ist, beweisen verschiedene alternative Heilmethoden. Die Menschen schwören heute auf die Heilkraft der Natur und bauen auf Wissen, das bereits vor Jahrhunderten bekannt war.

Was auf die Homöopathie zutrifft, trifft in gleichem Maße auch auf die Akupunktur zu: Häufig haben die Menschen Angst davor, im Labor erzeugte Chemikalien zu sich zu nehmen um wieder gesund zu werden. Sie misstrauen der Chemie zugunsten alternativer Therapiemethoden. So ist es kein Wunder, dass sich die Akupunktur heute großer Beliebtheit erfreut. Selbst die Schulmedizin muss anerkennen, dass sich dahinter kein abergläubischer Hokuspokus, sondern tatsächlich medizinisch wirksame Therapieansätze verbergen.

Übrigens: Wussten Sie schon, dass die chinesische Bezeichnung für die Akupunktur, zh?n ji?, ins Deutsche übersetzt „Brennen und Stechen“ bedeutet? Dieser Name gibt bereits Aufschluss darüber, welche Methoden bei der Akupunktur zum Einsatz kommen. Welche Methoden das u.a. sind und noch viel mehr Wissenswertes über die Akupunktur erfahren Sie auf den folgenden Seiten.

Akupunktur

Akupunktur @iStockphoto/Patricia Olson

Grundlagen der Akupunktur

Obwohl die Akupunktur im Westen bereits seit den 1970er Jahren bekannt ist, wissen viele Menschen noch immer nicht, was darunter eigentlich wirklich zu verstehen ist. Dabei ist die Erklärung ganz einfach: Mithilfe von Nadeln und anderen Hilfsmitteln wird dabei versucht, die natürlich in uns fließenden Kräfte in harmonischen Einklang zu bringen.

Die Akupunktur ist eine schon sehr alte Therapiemethode, die der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) entspringt. Schon im zweiten Jahrtausend vor Christus, so scheint es, waren erste Formen davon bekannt. Vorläufer der Akupunktur scheinen sogar 5000 bis 6000 Jahre vor Christus genutzt worden zu sein.

Erstmals in Europa wurde das Stechen mit Nadeln zu therapeutischen Zwecken im 17. Jahrhundert bekannt. In diese Zeit fällt auch der Ursprung des Namens: Pekinger Jesuitenmönche prägten die Bezeichnung, die sich aus den lateinischen Wörtern acus (Nadel) und punctura (Stich) zusammensetzt.

Die Akupunktur, die von der Existenz von mehr als 300 Akupunkturpunkten ausgeht, die zur Heilung einer Erkrankung stimuliert werden können, fußt auf drei Wurzeln: Der Traditionellen Chinesischen Medizin, der Fünf-Elemente-Lehre und der Lehre von den Meridianen. Um die Akupunktur zu verstehen ist es notwendig, sich auch ein wenig mit diesen Grundlagen zu beschäftigen. In den nächsten Abschnitten finden Sie daher einige grundlegende Informationen zu diesen Lehren.

Akupunktur als Teil der TCM

Die Akupunktur ist, traditionell verstanden, eigentlich nie nur als Therapiemethode losgelöst von allen anderen Therapien und Lehren zu verstehen. Sie stellt vielmehr ein Behandlungskonzept dar, das der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) entspringt und auch nur in Zusammenhang damit betrachtet werden kann.

Unter der TCM versteht man die traditionelle Heilkunde Chinas, die über Jahrtausende weiterentwickelt und perfektioniert wurde. Ihr Ziel ist es, mittels therapeutischer Maßnahmen das Qi (oder Chi) zu harmonisieren und in Fluss zu bringen. Unter dem Qi kann man ganz allgemein die Lebensenergie eines Lebewesens oder einer Sache verstehen. Fließt das Qi nicht oder falsch, sind Krankheiten die Folge, so die Grundannahme. Ziel muss es also sein, das Qi zu bereinigen und wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Um dies leisten zu können, greift die TCM auf unterschiedliche Behandlungsmethoden zurück, die sich untereinander ergänzen. Neben der Arznei- und Akupunkturtherapie zählen auch Massagetechniken, Bewegungsübungen und eine auf die Erkrankung abgestimmte Diät dazu. Diese Methoden sind auch unter der Bezeichnung „die fünf Säulen der chinesischen Therapie“ bekannt.

Im Rahmen der Akupunktur, die wohl die bekannteste und am weitesten verbreitete der fünf Methoden ist, greift der Behandelnde auf die „vier Säulen“ der TCM zurück: Zur Diagnostik zählen demnach die Inspektion, die Anamnese, die Pulsdiagnostik und die Zungendiagnostik. Ist der Patient krank, stellt der Behandelnde eine Störung von Yin und Yang, von Substanzen und Elementen fest. Alle Erkenntnisse münden schließlich in eine Diagnose, die die Hauptbeschwerden des Patienten in den Mittelpunkt stellt.

Die Fünf-Elemente-Lehre

Das dem Daoismus entspringende, alles umfassende Prinzip von Yin und Yang, das sich auch in der TCM wiederfindet, ist den meisten Menschen im Westen bereits bekannt. Von den fünf Elementen oder fünf Wandlungsphasen jedoch haben viele bisher nicht viel gehört. Dabei ist diese Lehre ebenso wichtig für das Verständnis der TCM und der Akupunktur wie das Prinzip von Yin und Yang.

Die chinesische Philosophie und auch das Leben in China ist nach wie vor geprägt von einigen Lehren, die die Grundlage für alle anderen Lehren bilden. Eine dieser grundlegenden Lehren ist die der fünf Elemente. Gemäß ihrer Annahmen bilden fünf Elemente die Basis allen Seins auf der Welt: Feuer, Wasser, Erde, Metall und Holz. Diese Elemente sind untrennbar miteinander verbunden, sie alle beeinflussen sich direkt oder indirekt. Aus einem Element entsteht ein zweites, ein Element nährt ein anderes und kann ein wieder anderes zerstören. In der TCM sind den Elementen Organe zugeordnet. Solange alle Elemente gleich stark sind, sich die Funktion der einzelnen Organe untereinander also ausgleicht, ist der Körper gesund und stark. Oder anders ausgedrückt: Das Qi ist im Fluss. Anders sieht es aber aus, wenn ein Element die Oberhand gewinnt oder schwächer wird: Dann ist das Gleichgewicht der Elemente nicht mehr gegeben, das Qi gestört, eine Krankheit bricht aus. Demzufolge ist es die Aufgabe der TCM, das schwache Element zu stärken oder das zu starke Elemente zu schwächen. Hier kommt u.a. die Akupunktur ins Spiel: Durch die Aktivierung oder Blockierung einzelner Akupunkturpunkte können die Elemente entsprechend geregelt und das Gleichgewicht im Körper wiederhergestellt werden.

Meridiane und Akupunkturpunkte

Eine der grundlegenden Annahmen der TCM besteht darin, dass der Körper von bestimmten Energiebahnen, den Meridianen, durchzogen ist, auf denen insgesamt 365 Akupunkturpunkte angeordnet sind. Die Punkte sind mit einem oder mehreren Organen oder Körperteilen verbunden und können diese demzufolge beeinflussen. Treten Störungen an einem Akupunkturpunkt auf, hat das auch Einfluss auf das Organ oder den Körperteil, das bzw. der mit diesem Punkt verbunden ist. Man unterscheidet zwölf Hauptmeridiane, die sich spiegelbildlich auf beiden Körperseiten befinden. Weitere Akupunkturpunkte kommen aufgrund von acht Extrameridianen und Extrapunkten hinzu.

Die Meridiane und Akupunkturpunkte hängen eng mit dem System von Yin und Yang zusammen: So hat das Körperinnere ebenso wie die Organe, in denen Stoffe gespeichert werden, eine Yin-Qualität. Das Äußere des Körpers und auch die sogenannten Hohlorgane verfügen über eine Yang-Qualität. Beide Qualitäten müssen sich ausgleichen: Ist also ein Yin-Organ krank, muss die Funktion seines Yang-Gegenparts etwas gedrosselt werden, damit wieder ein Gleichgewicht herrschen kann. Das funktioniert durch die Akupunktur, da jedes Organ einem Meridian und bestimmten Akupunkturpunkten zugeordnet ist, die durch die Akupunktur angesprochen werden können. Da jeder Meridian auch einer bestimmten Pulstastelle am Handgelenk zugeordnet ist, kann bereits eine Pulsdiagnose Aufschluss darüber geben, welcher Meridian und damit welches Organ eine Fehlfunktion aufweist.

Einmal aufgrund der Pulsdiagnose herausgefunden was die Krankheit hervorgerufen hat werden die entsprechenden Akupunkturpunkte mit passenden Nadeln gereizt. Der Effekt: Das sogenannte „De-Qi“ Gefühl, das sich für den Therapeuten in einem erhöhten Gewebswiderstand und für den Patienten in Form einer Empfindung (z.B. Wärme, Kribbeln) entlang des gereizten Meridians ausdrückt.

Arten von Akupunktur

Genauso wie es nicht nur eine Behandlungsmethode der TCM gibt, existiert auch nicht nur eine Form der Akupunktur. Vielmehr fasst die Akupunktur eine Vielzahl unterschiedlicher Anwendungen zusammen, die aber auf einer Annahme beruhen: Dass die Lebensenergie, das Qi, wieder zum Fließen gebracht und somit eine Krankheit geheilt werden kann, indem bestimmte Punkte entlang der Meridiane gereizt werden.

Die verschiedenen Akupunkturarten unterscheiden sich generell darin, dass es alte, traditionelle und viele neue Schulen gibt, wobei sich letztere aus den alten Schulen heraus entwickelt haben. Neuere Schulen lassen häufig moderne Erkenntnisse der westlichen Schulmedizin in ihre Techniken einfließen, sie verbinden sozusagen die Tradition und das Wissen der östlichen mit der Innovation und dem Wissen der westlichen Medizin. Einen Überblick über einige der bekanntesten Spielarten der Akupunktur geben die folgenden Abschnitte.

Körperakupunktur

Die Körperakupunktur ist eine der am häufigsten verwendeten Akupunkturarten. Sie ist auch diejenige, die westlichen Patienten meist am ehesten geläufig ist. Bei der Körperakupunktur werden feine Einmalnadeln in bestimmte Hautpunkte an Rücken oder Schulter, Hand oder Fuß gestochen. Das Stechen selbst ist kaum schmerzhaft, wichtig dabei ist aber, dass dabei der richtige Akupunkturpunkt getroffen wird. Der richtige Akupunkturpunkt ist jedoch nicht immer derjenige, der sich direkt an der schmerzenden Stelle befindet. Häufig bringt man die Stelle, an der genadelt wird, keinesfalls mit der Stelle in Verbindung, an der es wehtut. Der Grund dafür sind die Meridiane: Genadelt wird immer an dem Meridian, an dem der gestörte Energiefluss auftritt – das kann genau an der schmerzende Stelle, aber auch an irgendeinem Punkt am Fuß sein.

Je nach körperlicher Verfassung des Patienten und Krankheitsbild ergibt sich die Anzahl der Behandlungen. Sie werden so lange wiederholt, bis sich Yin und Yang gemäß den Leitsätzen der TCM wieder im Gleichgewicht, also in Harmonie, befinden, der Patient also wieder gesund ist. Die Körperakupunktur wird – vor allem im Westen – nicht in jedem Fall angewendet. Vielmehr nutzen entsprechend ausgebildete Ärzte oder Heilpraktiker diese Therapie am Anfang einer Behandlung, um akute Beschwerden schnell zu lindern und wenn das Krankheitsbild in all seinen auftretenden Facetten noch nicht vollständig abgeklärt ist. Zum Einsatz kommt die Körperakupunktur primär bei psychischen Störungen, aber auch bei funktionellen Störungen der Organe wie etwa Asthma, Verdauungsbeschwerden, Herzrhythmusbeschwerden usw. Gerade bei schwerwiegenden organischen Beschwerden ist es aber absolut notwendig, die Therapie durch einen Schulmediziner zumindest begleiten und ergänzen zu lassen.

Moxibustion

Die Moxibustion zählt zu den traditionellen Anwendungen der TCM. Im Rahmen ihrer Anwendung passiert im Prinzip nichts weiter als die Erwärmung der Akupunkturpunkte mit Moxakraut, das auch als Beifuß oder Artemesea vulgaris bekannt ist. Aus dem Kraut werden Zigarren oder Kegel geformt, die im Rahmen der Anwendung abgebrannt werden. Auf diese Weise soll das Qi bewegt und Feuchtigkeit und Kühle vertrieben werden.

Bei der Moxibustion werden die Akupunkturpunkte im Speziellen, generell aber auch die Meridiane oder einzelne Körperpartien mit der Hitze der abbrennenden Moxa-Zigarren oder -Kegel stimuliert. Hierbei kommen keine Nadeln zum Einsatz, allein die Hitze, die durch den Verbrennungsprozess entsteht, wirkt auf die Akupunkturpunkte ein. Obwohl keine Nadeln zur Anwendung kommen, gilt die Moxibution trotzdem als eine Form der Akupunktur.

Der Moxibution wird nachgesagt, sie wirke aktivierend auf den Stoffwechsel im Gewebe und auf die inneren Organe. Durch die Anwendung sollen die Produktion roter Blutkörperchen angeregt, die Gewebedurchblutung gefördert und die Fließeigenschaften des Blutes verbessert werden. Zudem zählen auch eine Verbesserung der Immunabwehr, eine desinfizierende und eine beruhigende Wirkung zu den überlieferten Effekten.

Die Moxibution ist verhältnismäßig leicht anzuwenden – nach einer Einweisung kann die Therapie sogar selbst oder durch den Partner zu Hause durchgeführt werden. Eingesetzt wird die Moxibution vor allem bei Schmerzen, die in Verbindung mit Kälte oder bei feuchtem Wetter auftreten, so etwa bei chronischen Rückenschmerzen oder Gelenkschmerzen. Aber auch bei allgemeinen Durchblutungsstörungen, Regelstörungen, Abwehrschwäche, bei Unfruchtbarkeit des Mannes oder Steißlage eines Ungeborenen soll die Moxibution sehr gut anschlagen.

Ohrakupunktur

Die Ohrakupunktur ist im Gegensatz zur Körperakupunktur eine eher neue Entdeckung: Der französische Arzt Nogier war es, der die Akupunkturpunkte am Ohr entdeckte, was der Ohrakupunktur auch die Bezeichnung französische Ohrakupunktur verlieh. Er und sein Team entdeckten das, was heute als Somatotopie der Ohrmuschel bekannt ist: Den Fakt, dass jeder Teil des Körpers über eine Projektionsfläche in der Ohrmuschel verfügt. Egal ob Organe oder Nerven, Muskeln oder Knochen: Sie alle sind mit einem Punkt im Ohr verbunden, über den sie gezielt stimuliert werden können. Aber nicht nur der Zustand der Körperteile an sich ist an den Ohren abzulesen, auch Mangelzustände, Störfelder und psychische Zustände sind hier zu erkennen.

Der geltenden Theorie nach ist die Stelle, die einem Körperteil entspricht, aber nicht immer dauerhaft in der Ohrmuschel vorhanden: Sie entsteht immer dann, wenn der dazugehörige Körperteil erkrankt bzw. seine Funktion gestört ist. Der dann entstehende Punkt, Ohrakupunkturpunkt genannt, ist winzig klein, fast nicht erkennbar, unterscheidet sich aber in seiner Hautbeschaffenheit vom Rest der Ohrmuschel. Um ihn zu finden, kommen zwei Vorgehensweisen in Frage: Die Nutzung eines Gerätes, das mittels Ton- und Lichtsignalen den Hautwiderstand misst oder die sogenannte RAC-Tastung. Bei letzterer erfolgt eine Abtastung und Stimulierung der Haut der Ohrmuschel mit der Daumenkuppe der einen Hand, während die andere des untersuchenden Arztes eine Pulstatastung durchführt. Auf diese Weise soll es möglich eine sehr präzise Diagnostik möglich sein. Die Ohrakupunktur gilt damit nicht nur als Therapie, sondern auch als Diagnosemittel.

Einmal das Problem erkannt verwendet der Akupunkteur Nadeln aus Gold, Silber oder Stahl, um die entsprechenden Akupunkturpunkte im Ohr zu stimulieren. Statt einer Nadel können aber auch Farben, Laserstrahlen oder Temperaturreize zur Therapie genutzt werden. Einsatz findet die Ohrakupunktur bei Schmerzen aller Art, vor allem aber auch in der Therapie von Suchtpatienten oder bei psychischen Störungen.

Schädelakupunktur

Bei der Schädelakupunktur muss unterschieden werden in die Schädel-Akupunktur der TCM und neuere Stilrichtungen, die zum Teil andere Zielsetzungen oder andere Ansätze verfolgen. Die klassische Schädel-Akupunktur entstand in China, ist aber eine eher neue Weiterentwicklung der Akupunktur bzw. der TCM. Erste Forschungen diesbezüglich fanden in den 1960er Jahren statt, als einen der wichtigsten Vertreter ist der chinesische Neurologe Dr. Jiao Shun-fa zu nennen.

Bei der Schädelakupunktur sticht der behandelnde Arzt nicht mehr die einzelnen Akupunkturpunkte sondern Linien, die parallel zur Schädeldecke verlaufen. Grundlage dieses Vorgehens ist nicht etwa die Annahme, dass jeder der Punkte für einen Körperteil steht sondern vielmehr die Lokalisation zerebraler kortikaler Funktionsfelder. Im Prinzip werden auf diese Weise also die Funktionsfelder des Gehirns angesprochen, die in der westlichen Schulmedizin durch Elektrotherapien stimuliert werden würden. Kein Wunder, dass diese Therapie häufig auch in Kombination mit Elektrostimulation Anwendung findet. Angewendet wird die Schädelakupunktur vor allem bei neurologischen oder logopädischen Störungen, aber auch bei Erkrankungen der inneren Organe, der Sinnesorgane, im traumatischen oder posttraumatischen Bereich oder zur Anästhesie.

Neben der klassischen Schädelakupunktur sind aber auch einige neuere Stilrichtungen bekannt. Vor allem die Neue Schädelakupunktur nach Yamamoto (YNSA) ist mittlerweile ebenfalls weit verbreitet. Hierbei wird an Stirn und Schläfen genadelt – allerdings in der Annahme, jeder der Akupunkturpunkte stehe in Verbindung mit einem Körperteil. Mit dieser Methode, die im Vergleich zur klassischen Methode ungleich leichter zu erlernen ist, werden häufig Störungen des zentralen Nervensystems und des Bewegungsapparates therapiert. Es soll damit sogar möglich sein, Schmerzen aus dem Schmerzgedächtnis zu löschen – etwas was selbst das beste Schmerzmittel bisher nicht vermag.

Laserakupunktur

So hilfreich die Akupunktur auch ist und so aussichtsreich die Heilungschancen dank ihrer Hilfe – vielen Menschen ist es doch unwohl bei dem Gedanken, sich Nadeln in einige Körperteile oder gar ins Gesicht stechen zu lassen. Die meisten unter ihnen, vor allem schmerzempfindliche Personen und Kinder, haben Angst vor einem möglichen Schmerz.

Der Effekt ist dann ähnlich dem beim Impfen: Das Kind, das Angst vor der Impfe und dem damit verbundenen Pieks hat, sagt „au“ noch bevor die Nadel die Haut überhaupt berührt hat. Aber glücklicherweise gibt es Abhilfe: Statt Nadeln kommen häufig auch Laser zum Einsatz, die ebenfalls in der Lage sind, Akupunkturpunkte in ausreichendem Maße zu stimulieren.
Bei der Laserakupunktur kommen Softlaser zum Einsatz: Die Behandlung damit gilt als schmerzfrei und nebenwirkungslos. Der Laserstrahl durchdringt die Hautschichten und soll dort den Stoffwechsel im Bindegewebe anregen. In der Folge sei mit der Regeneration von Zellen, Stimulation des Immunsystems und Aktivierung der Zellabwehr zu rechnen. Unstrittig scheint jedoch, dass der rote bzw. nah-infrarote Spektralbereich positiv auf oberflächliche Erkrankungen der Haut wirkt. Im Prinzip wird der Laser genauso wie die Akupunkturnadeln eingesetzt: Bestimmte Akupunkturpunkte werden damit für einen genau festgelegten Zeitraum bestrahlt.

Einsatz findet die Laserakupunktur beispielsweise bei Migräne, Allergien oder in der Orthopädie, beispielsweise nach Operationen an Knie oder Gelenken. Auch bei Prellungen und Blutergüssen sowie bei der Regeneration von Blut- und Nervenbahnen soll die Laserakupunktur gute Dienste leisten.

Einsatzgebiete von Akupunktur

Dass Akupunktur tatsächlich über eine medizinisch nachweisbare Wirkung verfügt, bestätigen zahlreiche weltweit erhobene Studien. Und so ist es kein Wunder, dass die „Therapie ohne Medikamente“ schnell an Beliebtheit und Verbreitung gewann. Heute kommt Akupunktur in so gut wie jedem Krankheitsgebiet zum Einsatz wobei zu erwähnen ist, dass die unterschiedlichen Arten der Akupunktur auch in unterschiedlichen Anwendungsgebieten zum Einsatz kommen.

Als sehr wirksam gilt die Akupunktur generell bei der Behandlung chronischer Schmerzen wie sie etwa bei Rückenschmerzen oder Migräne auftreten oder bei der Linderung allergischer Reaktionen. Aber wussten Sie schon, dass Akupunktur auch zur Geburtsvorbereitung genutzt wird? Diese Praxis ist in Deutschland noch nicht allzu stark verbreitet, erfreut sich aber im Ausland, beispielsweise in den USA oder Australien, sehr großer Beliebtheit. Der Vorteil: Angst und Schmerzen können reduziert werden ohne dass große Mengen an Medikamenten zum Einsatz kommen müssen – die Geburt wird als viel schöner erlebt als unter Einsatz von Medikamenten.

Aber nicht nur in der Schwangerschaft wird die Akupunktur angewendet: Sie hilft generell bei gynäkologischen oder urologischen Erkrankungen, aber auch bei Erkrankungen der Haut, des Stütz- und Bewegungsapparates, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Augenerkrankungen oder bei bronchopulmonalen Erkrankungen wie etwa Bronchitis oder Asthma. Ebenfalls eingesetzt wird die Akupunktur häufig nach Operationen: Sie soll die Wundheilung fördern oder verhindern, dass der Körper nach der Implantation beispielsweise eines Gelenks Abstoßungsreaktionen zeigt. Häufig findet die Akupunktur auch bei neurologischen Erkrankungen, Suchterkrankungen und zur Therapie von psychischen und psychosomatischen Störungen Einsatz.

Wer genau erfahren möchte, welche Krankheiten nachweislich und durch Studien belegt durch Akupunktur therapiert werden können, sollte Ausschau nach der Indikationsliste für Akupunktur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) halten: Sie enthält eine Aufstellung aller Erkrankungen, die mittels der Akupunktur gelindert oder ganz geheilt werden können.

Die Akupunktursitzung

Viele Menschen, die bisher noch nicht mit Akupunktur in Berührung gekommen sind, haben Vorbehalte oder Ängste in Bezug auf die Akupunktur – was durchaus verständlich ist, schließlich ist es in unserer Schulmedizin relativ unüblich, sich mit Nadeln spicken zu lassen. Wobei spicken überhaupt nicht der richtige Begriff ist: In der Regel kommen nicht mehr als 16 Nadeln zum Einsatz, der Akupunkteur ist immer bestrebt, so wenig Nadeln wie möglich zu verwenden. Die Nadeln selbst sind je nach Größe und Anwendungsgebiet etwa 0,20 bis 0,35 mm dick, also etwa halb so dick wie eine normale Injektionsnadel. Aufgrund der geringen Nadeldicke ist ein Einstich in der Regel nicht zu spüren.

Bevor eine Akupunkturbehandlung beginnt gilt es zunächst einmal, einen passenden Akupunkteur zu finden. Hilfreich hierbei sind die Krankenkassen, aber auch Verbände und Vereinigungen wie etwa die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V. Den Anfang der Behandlung bildet zunächst immer ein Gespräch mit dem Akupunkteur in einem ruhigen Behandlungsraum, in dem der Gesundheitszustand, also auch die Erkrankung und ihre Symptome, abgeklärt werden. Danach wird ein Therapieplan erstellt und die zu nadelnden Punkte bestimmt. In bequemer Haltung, entweder im Sitzen oder Liegen, beginnt dann die eigentliche Akupunktur.

Die Punkte, an denen gestochen werden soll, bereitet der Akupunkteur durch eine leichte Druckmassage vor. Die Nadeln werden meist nur oberflächlich in die Haut eingebracht, in der Regel lediglich wenige Millimeter. Dabei werden sie auch nicht nur einfach an einem Punkt eingestochen, sie werden vielmehr eingedreht, wobei die Drehrichtung darüber entscheidet, ob ein Akupunkturpunkt aktiviert oder blockiert wird. Je nach Art der Anwendung und je nach Erkrankung verbleiben die Nadeln für etwa 20 bis 30 Minuten in der Haut. Nachdem die Nadeln entfernt wurden, sollte der Patient noch für einige Minuten in ruhiger Position verharren.

Je nach Erkrankung und ihrer Schwere umfasst eine vollständige Therapie 10 bis 15 Sitzungen. Eine Verbesserung des Wohlbefindens ist meist schon nach der ersten Sitzung spürbar, die Behandlung sollte dann aber noch nicht abgebrochen werden. Der Erfolg der Behandlung kann dauerhaft anhalten, in manchen Fällen ist aber eine erneute Therapie nach 6 oder 12 Monaten notwendig. In diesen Fällen reichen allerdings schon wenige Sitzungen, um wieder gewohnt schmerzfrei zu sein.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Die Akupunktur ist dafür bekannt, dass Nebenwirkungen wenn überhaupt nur sehr selten auftreten und auch kaum Gegenanzeigen gegeben sind. Allgemein lässt sich sagen: Je mehr Erfahrung der Akupunkteur besitzt, desto weniger Nebenwirkungen treten auf. Trotzdem erscheint es sinnvoll, auf mögliche Begleiterscheinungen hinzuweisen. Akupunktur soll den Energiefluss aktivieren was dazu führen kann, dass es in Ausnahmefällen zu einer Überstimulation kommt. Dazu zählt beispielsweise eine tiefe Entspannung in Verbindung mit Müdigkeit nach der Behandlung, die zwar durchaus angenehm ist, aber die Verkehrstüchtigkeit des Patienten beeinflussen kann. Auch eine temporäre Verstärkung der Symptome oder eine vorübergehende gesteigerte Sensibilität sind mögliche Folgeerscheinungen.

Bei unsachgemäßer Behandlung können vor allem Hämatome an den Einstichstellen oder auch Kreislaufprobleme auftreten. Sehr selten kommt es zu einer Übertragung von Krankheiten aufgrund unsteriler Nadeln – vor allem deshalb, weil in der Regel Einmalnadeln zum Einsatz kommen. Ebenso selten sind allergische Reaktionen auf Silbernadeln oder Verletzungen der Blutgefäße.

Auch in Bezug auf Gegenanzeigen ist die Akupunktur sehr empfehlenswert: Sie kann sogar bei Kindern, Schwangeren und älteren Patienten problemlos zum Einsatz kommen. Nur in akuten Notfällen sollte lieber schnell der Notarzt eingreifen statt der Akupunkteur. Eine Akupunktur unter Einsatz elektrischer Ströme sollte nicht bei Patienten mit Herzschrittmacher bzw. Herzproblemen oder Epilepsie angewendet werden. Bei der Behandlung ist darauf zu achten, dass die Akupunktur nicht auf einer mit Salbe, Creme o.ä. behandelten oder erkrankten Haut durchgeführt wird. Zudem ist zu bedenken, dass nicht alle Formen der Akupunktur bei psychischen oder psychosomatischen Leiden Anwendungen finden können. Beachtet der Akupunkteur diese Vorgaben, ist mit keinerlei Neben- oder Nachwirkungen zu rechnen.

Kosten und Kostenübernahme

Die Kosten einer Therapie mittels Akupunktur können nicht pauschal beziffert werden, sie sind abhängig von Dauer und Umfang der Behandlung, aber beispielsweise auch von der Art der Akupunktur und der Art der Therapie. So liegen die Kosten für eine Akupunkturbehandlung in einer Kurklinik naturgemäß höher als wenn die Akupunktur ambulant am Wohnort durchführt wird. Genauso nachvollziehbar ist, dass die Kosten für die Akupunktur bei einem komplexen Krankheitsbild höher sind als wenn nur ein einziges Symptom behandelt werden muss. Dementsprechend schwierig ist es, einen pauschalen Satz zu nennen, was eine Akupunkturbehandlung kosten darf und was als zu teuer gewertet werden muss. Als Richtwert kann aber eine Auskunft der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V. gelten: Sie geht von Kosten in Höhe von 30 bis 70 Euro pro Sitzung aus. Bei einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von 10 Sitzungen können also Kosten bis zu 700 Euro und mehr entstehen.

Diese Kosten werden von privaten Krankenversicherungen in der Regel anstandslos übernommen, lediglich bei einigen privaten Kassen kann die Gewährung der Leistung an eine Höchstsumme, an einen bestimmten Tarif oder sonstige Absprachen gebunden sein. Diese Einschränkungen sind jedoch stets spätestens bei Vertragsabschluss bekannt. Anders sieht es da schon bei den gesetzlichen Krankenkassen aus: Nach einer langen Textphase einzelner gesetzlicher Krankenkassen steht seit dem 01.01.2007 fest, dass die Kosten für eine Akupunkturbehandlung in lediglich zwei Fällen übernommen werden. Nur im Fall von Gonarthrose und einem chronischen Verschleiß der Lendenwirbelsäule kommen die gesetzlichen Kassen eingeschränkt für die Behandlung auf. Eingeschränkt bedeutet u.a.: Maximal zehn Sitzungen pro Jahr werden bezahlt (in Einzelfällen auch 15), die innerhalb von sechs Wochen durchzuführen sind. Die Behandlung darf mit maximal 12-15 Nadeln nach der TCM in maximal 20 Minuten pro Sitzung erfolgen. Die Behandlung darf nur durch einen von der Ärztekammer anerkannten Akupunkteur durchgeführt werden, der dafür die Praxisgebühr einziehen muss.

Noch bis zum Jahr 2006 wurden bei einigen gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen einer Testphase auch Akupunkturbehandlungen bei anderen Krankheitsbildern wie etwa Migräne übernommen. Die Testphase ergab nach Angaben der Kassen jedoch, dass die Wirksamkeit der Akupunkturbehandlung hier nicht in ausreichendem Maße nachgewiesen werden kann, sodass Kosten für die Akupunktur – beispielsweise aufgrund von Migräne – nun aus eigener Tasche gezahlt werden müssen.

Akupunktur oder Schulmedizin?

Immer wieder suchen chronisch Kranke, denen die Schulmedizin nicht oder nur in beschränktem Maße helfen kann nach Alternativen, die ihnen den Leidensdruck nimmt oder zumindest lindert. Haben sie eine Therapie gefunden, auf die sie tatsächlich ansprechen, neigen viele der Betroffenen dazu, der westlichen Schulmedizin abzuschwören und stattdessen nur noch der Akupunktur, Homöopathie usw. zu vertrauen.

Die Frage ob das eine besser oder schlechter ist als das andere sollte so aber nicht gestellt werden, da darauf keine allgemeingültige und endgültige Antwort gegeben werden kann. Vielmehr sollte man einen Fokus auf den wirklich wichtigen Aspekt dabei legen: Schulmedizin und alternative Heilmethoden, zu denen auch die Akupunktur zählt, können und sollten sich ergänzen. Beide Ansätze möchten im Prinzip eines erreichen: Das Wohlbefinden und die Gesundheit von Patienten zu verbessern, zu stärken oder zu bewahren. Im Sinne dieses Gedankens sollte eher darüber nachgedacht werden, wie Schulmedizin und Akupunktur sinnvoll miteinander kombiniert werden können, damit eine Erkrankung so schnell und schonend wie möglich bekämpft und einer weiteren vorgebeugt werden kann.

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