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Anwendungsgebiete und Chancen von Zahnimplantaten

Die Verwendung von Zahnimplantaten

Zahnimplantate sind künstliche schrauben- oder zylinderförmige Zahnwurzeln, die operativ in den Kieferknochen eingebracht werden. Sie wachsen dort in der Einheilphase fest und verbleiben dauerhaft. Dabei finden Implantate aus Titan oder Keramik zur Befestigung eines Zahnersatzes Verwendung. Seit einigen Jahrzehnten wird mit zunehmender Tendenz von dieser alternativen Zahnersatzmethode Gebrauch gemacht. Dadurch wird eine hervorragende Wiederherstellung der Kaufunktion in Verbindung mit einer überzeugenden Ästhetik gewährleistet. Vorteilhaft bei dieser Behandlungstechnik ist auch der dauerhaft korrekte Sitz des Zahnersatzes. In Deutschland werden derzeit jährlich circa eine Million Zahnimplantationen durchgeführt. Der angenehme Tragekomfort führt zu einer beeindruckenden Akzeptanz bei Patienten. Das Implantat wird dabei nicht als Fremdkörper empfunden.

Welche Ausführungen gibt es?

Die neueren Keramikimplantate bestehen aus Zirkoniumoxid-Keramik, die biologisch hervorragend verträglich sind. Es gibt zwei Herstellungsverfahren. Zum einen das Yttrium-verstärkte Zirkonoxid, das eine hohe Bruchstabilität aufweist sowie das Zlrkonoxid mit geringerer Stabilität. Zirkonimplantate kommen optisch der natürlichen Zahnfarbe am nächsten. Dies ist vor allem bei einem schwach ausgeprägten Zahnfleisch von Bedeutung. Vor allem kommt es materialbedingt zu keinerlei Unverträglichkeiten und Allergierisiken.

Zahnimplantate aus reinem Titan sind ebenfalls gewebefreundlich. Fremdkörperreaktionen sind bislang nicht bekannt. Es bestehen bereits jahrzehntelange Erfahrungen mit dem Einsatz von Titan in Knochen. Im Jahre 1965 führte Branemark, der als Anatomieprofessor an der Göteborger Universität tätig war, die erste Zahnimplantation mit einem Schraubenimplantat aus Titan durch. Bei sogenannten Mini-Implantaten werden zur Verstärkung der Bruchstabilität auch Titanlegierungen mit Aluminium und Vanadium verwendet. Ein bedeutsamer Vorteil der Titanimplantate ist die Langlebigkeit.

Anwendungsgebiete

Durch einen Unfall, eine Erkrankung oder andere Gründe kann es zu einem Zahnverlust kommen. Bei einem Verlust eines Zahnes oder mehrere Zähne stellt sich die Frage des geeigneten Ersatzes. Zum einen ist die Funktionalität des Gebisses beim Essen oder auch Sprechen beeinträchtigt. Ein Zahnverlust stört das Gleichgewicht des Kiefers und führt zu Belastungsumverteilungen, die sich langfristig als Fehlbildungen und Schmerzen darstellen können. Zum anderen fordert auch der ästhetische Eindruck eine Korrektur. Von daher sollte eine Behandlung baldmöglichst erfolgen, um insbesondere Verschlechterungen des bestehenden Zustandes zu verhindern. Das Problem einer schlecht sitzenden oder drückenden Prothese kann ebenfalls durch Implantate gelöst werden. Vor jeder Behandlung sind die individuellen Voraussetzungen gründlich zu prüfen, um ein möglichst erfolgreiches Ergebnis erzielen zu können.

Vor der Anwendung erfolgt eine gründliche Prüfung

Ein ausführliches Beratungsgespräch ist eine unbedingte Voraussetzung für ein optimales Behandlungsergebnis. Dabei sind die Befindlichkeiten im Kiefer- und Mundbereich sowie der funktionelle und ästhetische Gestaltungswunsch des Patienten zu klären. Dabei muss dem Patienten auch der aktuelle wissenschaftliche Stand mit den damit verbundenen Behandlungsmöglichkeiten dargelegt werden. Bisher bekannte Erfahrungswerte sind ebenfalls im Rahmen der Beratung zu erläutern. Auf der Grundlage dieser Informationen kann eine individuelle Empfehlung ausgesprochen und der konkrete Behandlungsablauf gemeinsam festgelegt werden. Eine detaillierte Erhebung der Krankengeschichte soll Risiken und Unverträglichkeiten möglichst verhindern. Dabei soll vor allem darüber Klarheit entstehen, ob noch eine Vorbehandlung notwendig ist. Gegenstand des Gespräches sollte auch die Kostenfrage sein.

Anwendungsgebiete und Chancen von Zahnimplantaten

Anwendungsgebiete und Chancen von Zahnimplantaten @iStockphoto/Günay Mutlu

Nach dem Beratungsgespräch mit dem Ergebnis einer beabsichtigten Behandlung erfolgt zunächst einmal die Diagnostik. Dabei werden Mundhöhle, vorhandene Zähne, Zahnfleisch und Schleimhäute untersucht und fachkundig bewertet. Durch digitales Röntgen wird die Bewertung der Knochensubstanz ermöglicht. Falls erforderlich, wird eine ergänzende analytische Untersuchung per Computertomografie durchgeführt. Stellt sich ein Defizit in der Knochensubstanz heraus, erfolgt vor der Implantationsmaßnahme ein Knochenaufbau. Art und Umfang des vorgesehenen Zahnersatzes sowie die Beschaffenheit der Knochensubstanz bestimmen die Größe und Form der Implantate. Dadurch soll zum einen eine zuverlässige Verankerung gewährleistet werden. Zum anderen bewirken angemessene Längen und unterschiedliche Durchmesser der Implantate eine ausgewogene Verteilung der auftretenden Belastungen. Für die erforderliche Anlagerung von Knochen- und Weichgewebe ist die bearbeitete Oberflächenstruktur des Implantats bedeutsam für die Verbindung mit den Knochenzellen.

Verschiedene Versorgungsmöglichkeiten durch Zahnimplantate

Beim Verlust eines einzelnen Zahnes kann die entstandene Zahnlücke durch ein Implantat mit einer Einzelzahnkrone geschlossen werden. Beim Verlust der hinteren Backenzähne ist in jedem Fall eine Lösung per Implantat angezeigt, da keine optionale Abstützungsmethode vorhanden ist. Es besteht allerdings die Auswahlmöglichkeit bezogen auf die Anzahl der Implantate. Der Zahnersatz kann entweder vollständig durch Einzelimplantate oder durch Brückenkonstruktionen durchgeführt werden. Bei einer durch Implantat getragenen Brücke werden mehrere Implantate als stützende Pfeiler eingesetzt. Die Anzahl der verwendeten Implantate richtet sich dabei nach der Größe der zu versorgenden Zahnlücke und der individuellen Kieferbeschaffenheit. Von Bedeutung ist auch, ob es sich um einen festen oder herausnehmbaren Zahnersatz mit Blick auf die Anzahl der stützenden Implantate handeln soll. Bietet die Behandlungssituation die Möglichkeit einer Verbindung mit einem gesunden Zahn an, kann dieser zusammen mit einem Implantat ebenfalls eine Stützfunktion übernehmen (Hybrid-Brücke).

Ein völlig zahnloser Kiefer bedeutet meistens eine starke Beeinträchtigung der alltäglichen Lebensqualität. Neben dem Funktionsverlust beim Essen und Sprechen stellt sich regelmäßig auch ein erheblicher Verlust des Wohlbefindens und Selbstbewusstseins ein. Hierbei kann ebenfalls eine hilfreiche Versorgung mit Zahnimplantaten stattfinden. Sie bieten einen sicheren Halt. Im Ober- und Unterkiefer werden jeweils mehrere Implantate eingesetzt, die über eine Stegverbindung miteinander verbunden werden und die stabile Grundlage für den darauf anzubringenden Zahnersatz liefern. Der Geschmack wird dadurch nicht verändert. Diese Alternative zur möglichen Einzelversorgung durch Implantate wird überwiegend aus Kostengründen favorisiert. Aufgrund der hohen Stabilität ist im Hinblick auf den Einheilungsprozess eine frühe Belastung möglich. Welche konkrete Implantatlösung angebracht erscheint, ergibt die individuelle Prüfung der Voraussetzungen beim Patienten.

Sofortimplantation oder Spätimplantation

Es muss außerdem vorher geprüft werden, ob die Zahnimplantation in Kombination mit der Zahnentfernung erfolgen soll. Sie kann auch in der Phase nach der Weichteilhärtung und noch vor der knöchernen Ausheilung des Zahnfachs durchgeführt werden. Die dritte Möglichkeit besteht mit der Spätimplantation nach der knöchernen Ausheilung. Der bestmögliche Zeitpunkt für die Implantation wird durch die konkreten anatomischen Voraussetzungen und die geplante chirurgischen Maßnahme indiziert. Eine Zahnimplantation kann nur bei Erwachsenen durchgeführt werden, da keine Wachstumsveränderungen des Kiefers mehr auftreten dürfen. Die Vorteile bei einer Sofortimplantation sind eine kurze Behandlungsdauer mit geringerer Beeinträchtigung des Betroffenen sowie ein überzeugendes ästhetisches Ergebnis.

Die Implantation

Um die gewünschte Schmerzfreiheit für den Patienten zu gewährleisten, ist eine örtliche Betäubung bereits ausreichend. Optional kann die Implantation auch unter Vollnarkose durchgeführt werden. Diese Entscheidung orientiert sich stark an dem Patientenwunsch. Im Einzelfall können hierfür auch besondere Umstände zu berücksichtigen sein. Vorteilhaft bei einer lokalen Betäubung ist der geringerer Zeit- und Kostenaufwand sowie das verringerte medizinische Risiko. Außerdem besteht in diesem Fall während der Behandlung eine Möglichkeit zur Mitwirkung des Patienten. Beim Eingriff wird zuerst das Zahnfleisch punktuell geöffnet. Mit einem wassergekühlten Spezialbohrer wird der Kieferknochen in der berechneten Form aufbereitet. Außer dem Vibrieren des Bohrers verspürt der Patient davon sonst nichts. Bei kontinuierlicher Röntgenüberwachung erfolgt die Einbringung und Verankerung des Implantates. Danach wird das Zahnfleisch wieder vernäht. Bei einem Implantat mit integriertem Zahnfleischformer bleibt die Wundstelle offen.

Eine übermäßige Belastung des Implantats sollte in der Einheilphase vermieden werden. Ansonsten könnte der Erfolg der Behandlung gefährdet werden. In der Regel wird die erforderliche Implantatstabilität für das Tragen von Zahnersatz nach sechs bis zwölf Wochen erreicht. Zur Sicherheit erfolgen nochmals Röntgenaufnahmen. Ebenso wird das Zahnfleisch überprüft. Außerdem erfolgt eine Bewertung der Funktionstüchtigkeit bezogen auf Bissstellung, Schiebebewegungen und die Zahnkontakte von Ober- und Unterkiefer.

Chancen der Implantation

Vorteilhaft im Abgleich zu herkömmlichen Behandlungsmethoden ist beim Einsatz eines Zahnimplantates die Problemlösung ohne die Einbeziehung angrenzender Zähne. Vor allem die Beeinträchtigung durch das Abschleifen von Zähnen als Voraussetzung wie bei Brücken und Kronen entfällt. Außerdem ist das Zahnimplantat wie der verloren gegangene Zahn im Kiefer verwurzelt. Im Gegensatz zu anderen Ersatzversionen bewirkt dies eine Reduzierung oder sogar eine Verhinderung des bei einem Zahnverlust üblichen Knochenabbaus. Durch die Gewährleistung dieser Balance verbessern sich die Chancen für eine dauerhaft natürliche Gesundheit im Zahn- und Kieferbereich.

Die Lebensdauer eines Zahnimplantates ist auch deutlich höher als bei anderen Ersatzalternativen. Prothesen und Brücken müssen aufgrund von Kieferveränderungen neu angepasst oder sogar neu angefertigt werden. Zahnimplantate sind auch hygienischer und praktischer als herausnehmbare Voll- oder Teilprothesen und führen zu keiner Beeinträchtigung der Mundschleimhaut. Zahnimplantate können wie natürliche Zähne mittels Zahnbürste gereinigt werden. In jedem Fall empfehlenswert sind zum Schutz der Implantate und noch vorhandener Zähne in regelmäßigen Abständen professionelle Zahnreinigungen und zahnärztliche Kontrolluntersuchungen. Der Patient erhält außerdem eine detaillierte Anleitung zu einer speziellen Mundhygiene, da Entzündungen im Mundbereich eine Gefahr für die Implantate darstellen könnten.

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