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Behandlungsablauf bei Zahnimplantaten

Was sind zahnärztliche Implantate?

Zahnimplantate sind schrauben- oder zylinderförmige künstliche Zahnwurzeln, die in den Kieferknochen eingepflanzt werden. Sie wachsen dort fest ein verbleiben auf Dauer. Die Implantate aus Titan oder Keramik dienen seit einigen Jahrzehnten als Alternative zur natürlichen Befestigung von Zähnen durch Zahnwurzeln. Eine wichtige Voraussetzung für die Wiederherstellung der Kaufunktion und eine ansprechende Ästhetik ist der korrekte Sitz des Zahnersatzes.

Gründe, Voraussetzungen und Maßnahmen

Durch Unfälle, Erkrankungen oder durch das Alter kommt es häufig zu intensiven Problemen mit den Zähnen. Sprechen, Lachen und Essen können erheblich beeinträchtigt sein. Teilweise ist der Zustand sogar schmerzhaft. Bei einem Zahnverlust können einzelne oder mehrere verloren gegangene Zähne funktional ersetzt werden. Dabei werden zunächst als neue Zahnwurzeln Implantate operativ eingepflanzt. Nach einem Eingriff wird zunächst abgewartet, bis der betroffene Bereich wieder ausreichend verheilt ist. Danach erfolgt die Befestigung neuer Zähne auf den künstlichen Wurzeln. Neben der Funktionstüchtigkeit der neuen Zähne ist auch das Aussehen kaum von echten Zähnen zu unterscheiden. Der angenehme Tragekomfort sorgt außerdem für eine hohe Akzeptanz bei Betroffenen. Das Implantat wird nicht als störender Fremdkörper wahrgenommen. Die Nachfragetendenz bei Zahnimplantaten ist aus diesen Gründen steigend.

Der erste Schritt – Das ausführliche Beratungsgespräch

Ein detailliertes Beratungsgespräch ist eine unerlässliche Voraussetzung zum erwünschten Behandlungserfolg. Dabei sind einerseits die Befindlichkeit und der funktionelle und ästhetische Veränderungswunsch des Patienten klar herauszufinden. Andererseits muss dem Patienten auch auf dem Stand der Wissenschaft und unter Hinweis auf Erfahrungswerte der Rahmen der Möglichen aufgezeigt werden. Nur so lässt sich eine individuelle Empfehlung und Vorgehensweise zielführend absprechen. Die Erhebung der Krankengeschichte dient dazu, Unverträglichkeiten und Risiken optimal auszuschließen. Sie bildet aber auch die Grundlage für den Behandlungsablauf. Es muss vor allem geklärt werden, ob eine Vorbehandlung bereits aufgrund der Krankengeschichte notwendig ist. Zu klären ist auch sinnvollerweise die Kostenfrage unter Berücksichtigung der Leistungen von Krankenversicherungen.

Kiefer, Zähne und Zahnfleisch werden vor einer Behandlung gründlich untersucht

Wenn als Ergebnis des Beratungsgespräches der Behandlungswunsch bestehen bleibt, erfolgt zunächst einmal eine aktuelle Diagnostik. Hierbei erfolgt eine fachkundige Beurteilung der Mundhöhle, der Zähne, des Zahnfleischs sowie der Schleimhäute. Durch ein digitales, strahlungsarmes Röntgen wird die analytische Bewertung der Knochensubstanz ermöglicht. Sind die Informationen auf diesem Wege noch nicht ausreichend, kann eine genauere Untersuchung mittels Computertomografie durchgeführt werden. Dadurch ist auch die Feststellung der Knochenqualität möglich. Bei einer unzureichenden Knochensubstanz muss ein Knochenaufbau vor der Durchführung der Implantation erfolgen.

Behandlungsablauf bei Zahnimplantaten

Behandlungsablauf bei Zahnimplantaten @iStockphoto/chris sadowski

Der richtige Zeitpunkt für die Implantation

Es stellt sich die Frage, ob die Zahnimplantation in Kombination mit der Zahnentfernung oder nach der Weichteilhärtung jedoch noch vor der knöchernen Ausheilung des Zahnfachs vorgenommen werden soll. Die dritte Option ist die Spätimplantation in der Phase nach der knöchernen Ausheilung. Der bestmögliche Implantationszeitpunkt wird durch die individuellen anatomischen Voraussetzungen und konkret geplanten chirurgischen Maßnahmen ungefähr angezeigt. Ein Patentrezept zur genauen und sicheren Zeitangabe für den Behandlungsbeginn gibt es nicht. Ein Implantat kann nur bei einer ausgewachsenen Person durchgeführt werden, bei der keine Wachstumsveränderungen des Kiefers mehr vorkommen können.

Die Vorteile bei einer Sofortimplantation sind:

• Kurze Behandlungsdauer, geringerer Behandlungsstress für den Patienten
• Verringerte Beeinträchtigungen durch die Operation
• Gutes ästhetisches Ergebnis

Demgegenüber muss auch mit Nachteilen gerechnet werden:

• Höheres Risiko des Implantatverlustes, falls noch eine Entzündung besteht
• Erschwerte Arbeitsverrichtung
• Schwierigerer Knochenaufbau durch geringeres Gewebeangebot

Auch bei einer geplanten Frühimplantation sollten die grundsätzlichen Vor- und Nachteile beachtet werden. Die Vorteile bei dieser Methode sind:

• Geringeres Risiko einer Restentzündung
• Verbesserung der Knochenaufbaumöglichkeit durch geschlossene Zahnfleischdecke
• Eingriff kann genauer geplant werden

Als Nachteil kommt in Betracht:

• Die Behandlungsdauer ist im Verhältnis zur Sofortoperation länger

Die Vor- und Nachteile der Spätimplantation fallen ähnlich aus wie bei der Frühimplantation. Abweichend dazu hat bei der Spätimplantation der Umbauprozess des Knochens bereits begonnen. Dies gilt als zusätzlicher Nachteil.

Anwendungsmöglichkeiten

Fehlender Einzelzahn:

Ein Zahn und seine Wurzel fehlen. Durch ein Zahnimplantat und eine Keramikkrone kann die Lücke ästhetisch anspruchsvoll geschlossen und die frühere Funktionalität wieder hergestellt werden.

Mehrere fehlende Zähne:

Zur Kompensation dieses Defizits dient eine Brücke, die eine feste Verankerung in Zahnimplantaten findet und dadurch für einen optimalen Halt sorgt. Die Lösung überzeugt auch aus ästhetischer Sicht.

Zahnlosigkeit des gesamten Kiefers:

Bei der Erforderlichkeit einer Prothese aufgrund der vollständigen Zahnlosigkeit im Ober- und Unterkiefer gewährleisten Implantate als Verankerungsbasis die nötige Stabilität.

Die konkrete Behandlungsplanung: Bestimmung von Anzahl und Position der Implantate

Die Einschätzung der Knochenmasse und Knochendichte bildet die maßgebliche Grundlage zur Bestimmung der Anzahl und Position der geplanten Implantate. Dabei wird auch festgelegt, ob hierfür noch ein vorheriger Knochenaufbau erforderlich ist. Unter Berücksichtigung der Erkenntnisse und Ergebnisse des Patientengespräches und der Diagnostik, vor allem aber durch die Informationen durch eine Computer Tomografie gestaltet sich die konkrete weitere Planung. Durch die Computer Tomographie und das Panoramaröntgenbild können alle anatomischen Details erkannt werden. Danach werden Position, Länge und Neigungsgrad des Bohrlochs sowie die optimale Position der Implantate bestimmt. Eine intensive Planung soll auch das Risiko möglicher Verletzungen von Blut- und Nervenbahnen minimieren. Eine Orientierungshilfe für den Patienten bietet ein Modell, das die spätere Lösung anschaulich darstellt.

Die Auswahl und Behandlung von Form und Oberfläche

Die verwendeten Implantate haben meistens ein schraubenförmiges Aussehen. In den selteneren Fällen kommen auch zylinderförmige Implantate zum Einsatz. Die Art und der Umfang des geplanten Zahnersatzes sowie die Qualität der Knochensubstanz bestimmen die Größe und Form der Implantate. Damit muss zum einen eine sichere Verankerung gewährleistet sein. Unterschiedliche Längen und Durchmesser von Implantaten dienen zum anderen einer ausgewogenen Lastenverteilung. Die Bearbeitung der Implantatoberfläche stellt ein bedeutendes Kriterium für die notwendige Knochen- und Weichgewebsanlagerung dar. Die richtige Oberflächenstruktur soll dem Implantat dazu verhelfen, beim Knochenkontakt nicht abgestoßen, sondern mit den Knochenzellen verbunden zu werden. Durch aktive Oberflächentechnologien kann die Implantatstabilität deutlich erhöht werden.

Vor allem für die erhöhte Anfälligkeit in der ersten Behandlungsphase kann ein gründlicher Schutz durch eine passende Oberflächenbehandlung geschaffen werden.

Die Planung des Zahnersatzes

Die Planung und Rekonstruktion der Zähne und deren zahntechnische Umsetzung kann ebenfalls mithilfe der gewonnenen Daten erfolgen. Bei der Auswahl wird auch im Rahmen des Möglichen der Designwunsch des Patienten berücksichtigt. Vorrangig ist die Herstellung der optimalen Bissstellung, um den störungsfreien Ablauf der Unterkieferbewegungen zu gewährleisten.

Nochmalige Beratung und Aufklärung vor dem Hintergrund aller gewonnenen Erkenntnisse

Im Rahmen einer aktuellen Information des Patienten weist der Implantologe vor der Implantatbehandlung auf mögliche Risiken durch den chirurgischen Eingriff, Behandlungsalternativen und eventuelle kostenmäßige Auswirkungen hin. Wenn alle Details geklärt und Fragen beantwortet sind, kann die Umsetzung der geplanten Maßnahme erfolgen. Dem Planungsergebnis entsprechend erfolgt die Durchführung im Zuge der Zahnentfernung oder zeitversetzt in der konkret bestimmten Ausheilungsphase.

Die Implantation

Zur Sicherstellung der notwendigen Schmerzfreiheit reicht bereits eine örtliche Betäubung aus. Die Implantation kann alternativ auch unter Vollnarkose vorgenommen werden. Dafür kann der Wunsch des Patienten sprechen oder aber auch der Behandlungsumfang sowie erschwerende Umstände. Vorteile einer lokalen Betäubung sind:

• Niedrigerer Kostenaufwand
• Geringerer Zeitaufwand
• Vermindertes medizinisches Risiko
• Mithilfemöglichkeit des Patienten

Im Zuge des Eingriffs wird zunächst das Zahnfleisch an der für das Implantat vorgesehenen Stelle geöffnet. Mit einem speziellen wassergekühlten Bohrer wird der Knochen in der erforderlichen Größe und Form präzise aufbereitet. Dabei ist nicht mehr als das Vibrieren des Bohrers durch den Patienten spürbar. Eine kontinuierliche Röntgenkontrolle bietet die Gewissheit, dass die gewählte Position in Ordnung ist und das Einbringen des Implantates wie geplant erfolgt. Die Verankerung findet je nach gewähltem Implantat durch Schrauben oder Einklopfen statt. Nach dem Einbringen des Implantates wird das Zahnfleisch entweder an der Implantatstelle vernäht oder die Stelle wird offengelassen, weil bereits ein Zahnfleischformer im Implantat vorhanden ist. Die geschlossene Variante bietet den Vorteil einer geschützten Einheilung. Zur späteren Befestigung der Zähne muss das Zahnfleisch dann allerdings an dieser Stelle nochmals geöffnet werden. Dies ist bei der offenen Methode dann nicht mehr erforderlich. Nach der Einheilung kann bei dieser Variante ohne Weiteres ein Abdruck genommen werden. Aufgrund der Wirkung der örtlichen Narkose ist es ratsam, mit einer zweiten Person zum geplanten Eingriff zu erscheinen. Beim Nachlassen der Betäubung können sich noch Schmerzen bemerkbar machen, die mit Schmerztabletten behandelt werden können. In der Regel lassen diese durch den Eingriff verursachten Schmerzen spätestens am nächsten Tag nach. Bis zum Fortgang der Behandlung erhält der Patient durch den Implantologen ein Provisorium aus funktionalen und ästhetischen Gründen.

Die Heilphasen und Folgemaßnahmen

Eine zu starke Belastung des Implantats in der Einheilphase sollte unbedingt vermieden werden, um den Behandlungserfolg nicht zu gefährden. Wenn keine zusätzliche Knochenmasse erforderlich war und eine unkomplizierte Implantation erfolgt ist, dann reicht eine Einheilphase von ungefähr sechs bis zwölf Wochen aus. Danach ist in der Regel die erforderliche Implantatstabilität für das Tragen von Zahnersatz erreicht. Eine diagnostische Sicherheit wird dabei durch Röntgenaufnahmen gewährleistet. Einfluss auf die Einheilzeit können auch Implantatoberflächen und Implantatdesign haben. Nach der Heilphase wird nach dem Abdruck die Verbindung der Implantate mit Aufbauteilen und Zähnen geschaffen. Röntgenkontrollen, Festigkeitstests und die Überprüfung des Zahnfleisches dienen in der Folge dazu, die Verträglichkeit und Funktionstüchtigkeit festzustellen. Zweckmäßig ist neben der Stabilitätsbewertung auch die Überprüfung der Kontaktstellen der Zähne bezogen auf die Bissstellung sowie bei Schiebebewegungen. Bei herausnehmbarem Zahnersatz ist bei der Nachsorge vor allem festzustellen, ob sich eine Kieferveränderung ergeben hat. In diesem Fall wäre eine Korrekturmaßnahme durch Unterfütterung der Prothese angezeigt.

Der Patient erhält außerdem eine gründliche Anleitung zur passenden Mundhygiene. Es werden regelmäßige Kontrollen vereinbart. Zur Ergänzung der häuslichen Mundhygiene sind zur Entfernung festsitzender bakterieller Beläge professionelle Zahnreinigungen empfehlenswert. Die Lebensdauer der Implantate und der neuen Zähne wird wesentlich durch die Gründlichkeit der eigenen Zahnpflege bestimmt. Die Benutzung einer speziellen Zahnbürste und die Verwendung von Zahnseide sind dabei hilfreich. Sinnvoll ist auch das Erlernen einer neuen, angepassten Putztechnik. Bei einer zu seltenen, unzureichenden Pflege kann es zu ähnlichen Entzündungen wie bei einem natürlichen Zahn kommen. Nachteilig könnte auch ein zu heftiges Putzen mit einer Beeinträchtigung des Zahnfleisches sein. Entzündungen jeder Art im Mundbereich könnten eine Gefahr für die Implantate darstellen. Eine gründliche Mundhygiene bietet die Voraussetzung für die Haltbarkeit der Implantate von circa zehn bis fünfzehn Jahre.

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