Skip to main content

Brot – mehr als Mehl und Wasser

Deutschland ist ein Brotland! Kaum ein anderes Land weist so viele unterschiedliche Brotsorten auf wie die Bundesrepublik. Das klassische Butterbrot – liebevoll auch Stulle, Knierfte, Bütterkes genannt – gehört dabei in vielen Haushalten immer noch zu den täglich verzehrten Speisen. Bestrichen mit Butter oder Margarine und mit Aufschnitt belegt ist es das ideale Frühstück, Abendbrot und Pausensnack in einem. Dabei wird es entweder lediglich von einer Seite mit Käse und Wurst belegt und gleich so verspeist oder aber durchgeschnitten und zusammengeklappt – äußerst praktisch, da somit nichts verrutscht und alles an seinem Bestimmungsort bleibt. Das so zusammengelegte Butterbrot wird auch als Dubbel bezeichnet, ein Ausdruck, der wohl auf eine alte niederrheinische Variante des Wortes „doppelt“ zurückgeht. Das Butterbrot gab es dabei schon im Mittelalter – es ließ sich optimal als Proviant auf Reisen und auf Ausritte mitnehmen.

Dennoch büßt das klassische Butterbrot in unseren modernen Zeiten immer mehr an Bedeutung ein. Grund genug für Fans des einfachen Genusses, eine Kampagne mit dem Titel „Rettet das Butterbrot“ zu starten, die versucht, dem angestaubten Image des klassischen Snacks wieder neuen Glanz zu verleihen. Überdies gibt es sogar wirklich einen Tag des Butterbrots, der jährlich am letzten Freitag des Monats September stattfindet. Zwar aus werbetechnischen Gründen von der Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) ins Leben gerufen gibt er dennoch Anlass genug, einmal wieder auf das gute und gesunde Butterbrot zurückzugreifen.

Aber warum gibt es so viele unterschiedliche Arten von Brot? Dies hängt natürlich mit den vielen unterschiedlichen Traditionen zusammen, nach denen man in Deutschland, aber auch in der ganzen Welt Brot backt. Eine grundsätzliche Unterscheidung lässt sich hinsichtlich ungesäuertem und gesäuertem Brot vollziehen: Das ungesäuerte Brot wird aus einem Teig gebacken, dem keine Zeit zur Gärung gegeben wird. Das Resultat sind zumeist Fladenbrote wie man sie beispielsweise aus dem östlichen Teil der Welt kennt. Gesäuertes Brot hingegen wird zum Beispiel mithilfe von Hefe zum Gären gebracht, der Teig wird dadurch lockerer. Die meisten Brote, die in Deutschland verkauft werden, gehören zu den gesäuerten Brotsorten. Dabei ist das gesäuerte Brot natürlich keine deutsche Erfindung, es wird schon seit Jahrhunderten hergestellt und war auch schon bei den Ägyptern bekannt. Der Variation sind dabei kaum Grenzen gesetzt: Durch Beigabe von Gewürzen und Saaten, aber auch durch unterschiedliche Backarten werden heute die unterschiedlichsten Brote hergestellt.

Brot

Brot @iStockphoto/RynioProductions

Brot ist und war aufgrund der wichtigen Position, die es in unserer Ernährung einnahm und einnimmt, äußerst symbolträchtig. Gerade in religiöse Sitten und Gebräuche hat es als Symbolträger Eingang gefunden: Es findet in dem wichtigsten Gebet der Christen – dem Vater Unser – und beim Abendmahl Verwendung, aber auch in der jüdischen Kultur. Hier erinnert die Gabe von ungesäuertem Brot zum Passach an den schweren Auszug der Juden aus Ägypten. Brot symbolisiert in beiden Religionen zudem die Gnade Gottes als auch die Demut des Gläubigen, der sich von dem einfachen aber nahrhaften Nahrungsmittel ernährt.

Ein Brauch, in dem uns das Brot wiederum als Symbol begegnet, stellt folgender dar: Wenn jemand umgezogen ist, bekommt er entweder von seinen neuen Nachbarn oder von Freunden, Brot und Salz geschenkt. Hierbei symbolisiert das Salz, welches früher ein kostbares Gut war, Wohlstand und das Brot wiederum den Grundstein der Ernährung. Man wünscht den Beschenkten also Wohlstand und dass niemals Hunger in ihrem neuen Leben herrschen soll. Alleine aufgrund seiner Symbolträchtigkeit, aber natürlich auch, weil Brot einfach lecker schmeckt, wird es wohl nie gänzlich von unserem Speiseplan verschwinden – Gott sei Dank!

Top Artikel in Ernährung