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Christian Rach – vom Starkoch zum Fernsehstar

„Kochen findet im Kopf statt. Jemand, der das nicht begreift, wird kein guter Koch.“ Diese Maxime passt auffallend genau zu Christian Rach. Und dass er „ein guter Koch ist“, gilt landauf und landab als gesetzt. Omnipräsent ist er sowieso, der Saarländer. Im Fernsehen steht er regelmäßig vor der Kamera, startete seine kochende, planende und beratende Karriere 2005 mit der RTL-Sendung „Teufels Küche“. Rach, auch daran gibt es keine Zweifel, ist ein Sympathieträger. Einer, der sagt, was er denkt und dem man das Gesagte auch abnimmt. Christian Rach gilt in der breiten Öffentlichkeit als Starkoch, aber Starallüren sind nicht seine Sache. Und doch hat er das gewisse Etwas, dass ihn als Teamleader und starke Persönlichkeit auszeichnet. Seine charismatische Art würzt er mit selbstbewusster Sachlichkeit und einer immer durchblitzenden Portion Humor. Und doch ist er mehr, als nur „Rach, der Restauranttester“. Als ehrenamtlicher Botschafter des Kinderhospizes Mitteldeutschland beweist der umtriebige und erfolgreiche Koch nämlich auch seine hohe Sozialkompetenz mit dem persönlichen Engagement für todkranke Kinder und deren Familien.

Auf Umwegen an die Kochtöpfe

Geburtstag feiert Christian Rach jährlich am 6. Juni, er ist Jahrgang 1957 und stammt aus dem saarländischen Städtchen St. Ingbert an der Achse zwischen Saarbrücken und Homburg, die das Pariser Becken mit dem Rhein-Main-Gebiet verbindet. Aufgewachsen ist er gutbürgerlich unter den Fittichen der den Haushalt führenden Mutter und seinem Vater, der die Familienbrötchen als Elektroingenieur verdiente. Die Schulkarriere des Sohnes endete mit dem Abitur und dem Ortswechsel nach Hamburg. Das erste Mal hat er die Stadt 1977 besucht, saß hinter dem Steuer eines alten Fiat 850, dem die Auspuffanlage abgefallen war, leistet seinen Zivildient ab. 1978 begann für Christian Rach der Ernst des Lebens mit dem Beginn des Studiums an der hanseatischen Uni. Philosophie und Mathematik entsprachen seinen Vorstellungen vom Studentendasein, das er bis 1983 auch führte, bevor er die Entscheidung traf, es kurz vor dem Examen und ohne Abschluss „zu schmeißen“.

Christian Rach

Christian Rach ©Steven Haberland

Allerdings war Christian Rach bereits auf den kulinarischen Geschmack gekommen, finanzierte sein Studium anfänglich als kellnernde Servicekraft, entdeckte seine Leidenschaft zum Kochen und wechselte die Seite 1982/1983 von der schwarzen zur weißen Brigade des Strandhofes von Uwe Witzke. Im gleichen Jahr zog es Rach ins edle Grenoble zu Philippe Bouissou, folgte ein Jahr später dem Ruf nach Wien ins bekannte Restaurant Korso, wo er als Souschef lernte, was die kreative und klassische Küche für ihn bereithielt.

Die Philosophie der eigenen Gastronomie

Der Weg zum ersten Michelin-Stern führte über das erste eigene Restaurant „Leopold“ im Hamburger Stadtteil Altona bis zum „Tafelhaus“ in Ottensen, das Christian Rach mit seinem Freund und Partner Robert Wullkopf 1989 eröffnete. Bereits ab 1991 schien Rach ein Sterne-Abonnement beim Michelin inne zu haben, weitere Auszeichnungen machten deutlich, dass hier ein Koch dabei war, die berufliche Karriereleiter zu erobern. Die erste Auszeichnung habe ihn damals „förmlich umgehauen“, gibt er eher bescheiden zu.

Der Gastronom Rach war nicht mehr aufzuhalten, führte jetzt nicht nur die dem Tafelhaus angeschlossene „Cantina Milano“ zu höheren Weihen, sondern auch bis 2007 die Hamburger Institution „Restaurant Engel“ samt dessen Imbiss „Luzifer“. Nur eine kurze Zwischenstation war das „Darling Harbour“ von 2001 bis 2004, der Kaufmann Rach erkannte schnell, dass die Zeit für sein modernes Konzept des Restaurants noch nicht reif genug war.
Zeit allerdings war für den erfolgreichen Koch der endgültige Wechsel in die Gourmetszene und nach Hamburg-Bahrenfeld, wo er das „Das kleine Rote“ in ein Steakhouse de Luxe verwandelte und dem Kind einen neuen Namen gab: Rach & Ritchy. Den Pachtvertrag fürs Tafelhaus wollte Rach jedoch nicht mehr verlängern, am 30. November 2011 gehört dieser Betrieb der Vergangenheit an, und Rach genießt seine gewonnene Zeit und „die neue Lebensfreiheit“, wie er gerne betont.

Die kulinarischen Seiten des Christian Rach

Seine Mutter kochte gut und gerne, schon als Kind bezeichnet er die heimische Küche als seinen Lieblingsplatz, was die Liebe und das Verständnis für gutes Essen nachhaltig fördert. Noch heute beantwortet er die Frage nach seinem Lieblingsessen kurz und knapp mit: „Dibbelabbes!“ Die saarländischen Kartoffelrösti sind Kult, die Hauptzutaten bestehen aus Lauch, Räucherspeck oder Schinken sowie Ei und etlichen Gewürzen.
Christian Rach ist stets nahe dran an seinen Produkten, „ frischen und regionalen Produkten“, betont er. Seine Kochkunst ist kreativ, aber auch geradlinig, sein Essen kommuniziert mit dem Gast, wird somit zelebriert und bleibt doch in allen Facetten transparent. Gesunde Ernährung liegt ihm am Herzen, „am liebsten schon für alle Kinder der Welt!“ Die Rezepte dazu fasst er in seinem Buch „Besser: besser essen!“ zuammen, wird zum Autor und spendet sein Honorar der „Stiftung RTL – Wir helfen Kindern e.V.“ Die Fortsetzung dieser Thematik gelingt ihm mit seinem Werk „Rach kocht“, später folgen „Das Kochgesetzbuch“, „Das Gästebuch“ und der Titel „Große Köche kochen für kleine Genießer“.

Der Starkoch wird zum Fernehstar

„Kamera läuft“, heißt es 2005 zum ersten Mal und schon die Pilotsendung der Show „Teufelsküche“ ist ein voller Erfolg. Das nächste Highlight aber wird mit Auszeichnungen förmlich überschüttet: Rach, der Restauranttester. Mit Stolz, aber auch hanseatischer Zurückhaltung, verweist Rach unter anderem auf den Deutschen Fernsehpreis, die Goldene Kamera, den Bayerischen Filmpreis oder den Ernst-Schneider-Preis, eine journalistische Ehrung der deutschen Wirtschaft. Der zweite Deutsche Fernsehpreis adelt die Sendung „Rachs Restaurantschule“ und wird sicher nicht die letzte Auszeichnung bleiben.
Christian Rach ist angekommen bei seinen Lesern und Zuschauern, ein beliebter Moderator mit überwältigender Fachkompetenz geworden. Aber der Erfolg ist ihm nicht etwa zu Kopf gestiegen, Rach gilt als bodenständig, will sich nicht verbiegen lassen. Er zaubert auch weiterhin seine Sterneküche, behauptet mit geschmacklicher Überzeugung: „Entscheidend ist der abgeleckte Teller“, und wendet sich aktuell gegen „die Chemiebaukästen der Lebensmittelindustrie“. Die vollmundigen Werbeslogans sind ihm zuwider, „die Nachrichten von geklebtem Schinken, Kunstkäse auf Pizza und Sägespänen im Joghurt fürs Aroma haben die Menschen verunsichert!“ Zu Recht, meint Christian Rach und betätigt sich als fernsehaffiner Lebensmittelberater, dem nicht nur das Bio-Gütesiegel am Herzen liegt. Was er zusammen mit dem renommierten Fresenius Institut testet, „muss vor allem gut schmecken und qualitativ gut sein.“ Was ihm dabei besonders positiv auffällt, erhält von ihm das persönliche Gütesiegel „Rach getestet“. Er kann sich sicher sein, dass die Zuschauer ihm wieder in Scharen durch die Supermärkte folgen werden: „Der Rach wird schon wissen, was gut ist!“ Er weiß es und das ist auch gut so.

Rach tischt auf

Wie könnte es anders sein? In der ZDF-Sendung „Rach tischt auf“, wird der kochende und aufklärende Tausendsassa wieder zum Vorreiter für gesunde Ernährung. Kompromisslos deckt er Schwindel beim Parmaschinken auf, erklärt die Marketing-Tricks der Profiwerber bei Olivenöl, stellt Kaffesorten auf den Prüfstand und bringt den Zuschauern die 50 wichtigsten Fakten über das Essen näher.

Er weiß, dass 39 Prozent aller Deutschen sich frischere Gerichte in der Kantine wünschen, dass jeder Deutsche jährlich 15,2 Kilogramm Fisch verspeist oder „das schon der Fötus im Mutterleib positiv auf Zucker im Fruchtwasser reagiert.“ Rach bringt die Dinge gerne auf den Punkt, kennt Fakten, Falsches und Vorurteile. Dieser Mann sprüht vor Ideen und Energie, kennt keine Kompromisse, wenn es um gutes und leckeres Essen geht. Und dann wird der Koch doch zum Philosophen: „Warum ich dieses Fach studiert habe“, stellt er sich selbst die Frage und hat auch gleich die passende Antwort parat, „weil da die Undendlichkeit auf dem Teller liegt!“

Für ihn ist es eine persönliche Herausforderung, „immer auf der Suche nach neuen Ideen zu sein, damit nichts einschläft oder gar zur Gewohnheit wird.“ Das Fazit ist eigentlich einfach und kurz: „Typisch Rach!“ Gäbe es da nicht noch ein PS hinzuzufügen, denn in seinem neuen Kochbuch warten leckere Gerichte fürs Frühstück, Leichtes für den Tag und Knisterndes für den Abend darauf, entdeckt und probiert zu werden. In diesem Sinne kommt der Appetit und das Essvergnügen wohl kaum zu kurz. Die „Rach`sche Philosophie“ in Töpfen und Pfannen kennt nun einmal keine Grenzen. In Zukunft wird Christian Rach sich also treu bleiben, hit- und sterneverdächtig sein. Nur im Fernsehen will er partout nicht kochen, „kein Showfuzzie werden!“ Der Mann ist wirklich sympathisch und zu beneiden. Und er wird bleiben, was er ist – ein Meisterkoch ohne Starallüren.

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