Skip to main content

Das Dorian Gray-Syndrom – Altern ohne Würde?

Wohin das Auge blickt: Im Fernsehen, auf Werbeplakaten und in Magazinen sind die abgebildeten Menschen jung, hübsch, dynamisch, fehlerlos. Der Jugendwahn unserer Gesellschaft bedient eine ganze Industrie der Schönheit und Fitness, lässt ältere Erwerbsfähige nicht uneingeschränkt auf den Bildungsmarkt und steckt immer mehr an. Schon etwa drei Prozent der Bevölkerung leiden an dem sogenannten „Dorian-Gray-Syndrom“: Sie wollen für immer jung aussehen, koste es auch die Gesundheit.

Charakterisierung des Syndroms

Dorian Gray ist eine Romanfigur des irischen Schriftstellers Oscar Wilde (1854 – 1900). Dorian besitzt ein Gemälde mit seinem Selbstportrait. Der Mann im Portrait altert, hingegen bleibt der lebendige Dorian unverändert. Diese Romanfigur verwendete Dr. Burkhard Brosig, Dozent der Analytischen Psychosomatik, um der krankhaften Bestrebung, für immer perfekt und jugendlich auszusehen, seinen Namen zu geben. Die Betroffenen sind, wie die Romanfigur, nicht dazu in der Lage, seelische Reife zu erlangen, um zufrieden und würdig zu altern. Sie beklagen sich über ihren Körper und arbeiten krankhaft an der Verhinderung oder Verminderung von altersbedingten Veränderungen.

Faltenfreie Haut, volles Haar und unvergängliche Potenz bestimmen das Denken und Handeln. Sie nehmen ungebremst Haarwuchsmittel, Hormone, Potenzpillen, Appetitszügler und andere Lifestyle-Medikamente ein. Oft bezahlen sie teure Behandlungen durch Spezialisten wie Dermatologen oder Schönheitschirurgen. Der Druck, den sie sich selbst aufbauen, führt oft auch zur Einnahme von Antidepressiva.

Verbreitung des Dorian-Gray-Syndroms

Das natürliche Altern mit seinen körperlichen Auswirkungen können beide Geschlechter zum Problem erklären. Bei Frauen beginnt es gewöhnlich im Alter von 35 bis 50 Jahren, Männer können sogar schon in jüngeren Jahren betroffen sein. Makel im Gesicht, lichtes Kopfhaar, vermehrte Blässe oder Röte im Gesicht, zunehmende Behaarung im weiblichen Gesicht, schiefe Zähne oder die angebliche Unproportionalität von Augen, Nase und Ohren werden zum Mittelpunkt des Lebens. Ein normales Leben zu führen wird für die Betroffenen immer schwieriger möglich, da sie mit ihrer Umgebung nicht mehr normal interagieren können. Besonders Prominente leiden an der körperdysmorphen Störung, denn sie stehen im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Starker Druck baut sich auf, die Schönheitsideale zu verwirklichen.

Dorian Gray Syndrom

Dorian Gray Syndrom @iStockphoto/Jacob Wackerhausen

Mögliche Auswirklungen des Krankheitsbildes

Die Betroffenen haben keine organischen Krankheiten. Doch nehmen sie Lifestyle-Medikamente ein, welche Arzneimittel mit möglichen Nebenwirkungen sind und setzten sich operativen Eingriffen aus, die immer auch Gefahren mit sich bringen. Diese Behandlungen können ihre Störung jedoch noch intensivieren. Das verfolgte Ziel ist immer, dem aktuellen Schönheitsideal näher zu kommen. Die Zufriedenheit und das Glück über künstliche Körperveränderungen hält nur für kurze Zeit an, dann schlägt die alte Unzufriedenheit wieder durch und die latente Depressivität kann sich sogar noch verstärken.

Bisher gibt es noch keine gezielte Behandlungsmethode für körperdysmorphe Störungen wie das Dorian-Gray-Syndrom. Bei leichterem, nicht wahnhaftem Verlauf kann eine Psychotherapie den Patienten helfen. Ist die Sucht nach körperlichen Veränderungen in eine wahnhafte Form übergegangen, wird laut Deutschem Ärzteblatt eine medikamentöse Behandlung mit Psychopharmaka eingesetzt.

Fazit

Menschen, die vom Schönheits- und Jugendwahn krankhaft befallen sind, setzen viel Zeit und Geld in ihre Eigenbehandlung ein. Auf ihre Umwelt wirken sie leider oft lächerlich, ihre Körper unnatürlich. Schöne Menschen strahlen von innen heraus, auch wenn ihre Haut altert und das Haar ergraut. Die Erkenntnis, dass Weisheit durch Lebenserfahrung, Wissen, Können und eine gereifte Persönlichkeit einen tieferen Wert besitzt als das Vergängliche an unseren Körpern ist im Endeffekt wichtiger als zählbare oder messbare Körpermerkmale.

Top Artikel in Gesundheit