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Das Rezept für die ewige Liebe

Die Schauspielerin Margaret Rutherford und ihr Kollege Stringer Davis – vielen bekannt als Hauptakteure der „Miss Marple“-Verfilmungen von Agatha Christie – scheinen es damals gefunden zu haben: „Miss Marple“ und „Mr. Stringer“ waren außerhalb des Filmsets ein Paar und ihre Liebe hielt bis zum Tod von Margaret Rutherford im Jahr 1972 an. Mehr als vierzig Jahre, von denen sie 27 Jahre verheiratet waren, gingen diese beiden Schauspieler gemeinsam durchs Leben. Angesichts der heutigen Scheidungsrate klingt das wie ein schönes Märchen. Ist die lebenslange Beziehung eine Illusion?

Ist „bis das der Tod euch scheidet“ nicht längst eine unglaubwürdige Floskel geworden? Wie ist es zu erklären, dass die Scheidungsquote heute so sehr nach oben schnellt, während sich noch unsere Eltern und Großeltern lebenslange Treue geschworen haben? Haben all jene, die sich heute füreinander entscheiden, eine ganz andere Vorstellung von der Liebe, als es noch vor ein paar Jahren der Fall war?

Lieber nur die guten Zeiten

Fast scheint es, als würden viele Beziehungen genau dann zerbrechen, wenn aus den guten Zeiten vorübergehend auch einmal schlechte Zeiten geworden sind. Während im ersten Liebesrausch alles wunderbar ist und die Unstimmigkeiten einfach ausgeblendet werden, kommt es nach dem Abflauen der ersten Verliebtheit zum bösen Erwachen. Plötzlich wird festgestellt, dass die Schmetterlinge im Bauch nachgelassen haben. Ein Kribbeln gibt es auch nicht mehr und überhaupt war früher alles viel romantischer. Wer mit der utopischen Vorstellung in einer Beziehung geht, dass das Kribbeln lebenslang hält und die Schmetterlinge ewig fliegen, der kann nur enttäuscht werden. Spätestens nach anderthalb Jahren ist die Phase der ersten Verliebtheit vorbei und plötzlich sind die kleinen Macken, die den Partner anfangs so liebenswert machten, nicht mehr liebenswert – sondern nur noch störend. Das anfängliche Kribbeln kehrt zwar hin und wieder zurück, doch weitaus nicht mehr so stark, wie in den ersten Monaten. Diese Verliebtheit weicht nun einem Zugehörigkeitsgefühl, das ebenso schön ist wie das anfängliche Kribbeln. Nur raubt einem dieses Zugehörigkeitsgefühl nicht mehr den Verstand und fühlt sich nicht mehr so spektakulär an. Die Beziehung scheint ein wenig eingefahrener zu sein und treibt in ruhigen Gewässern dahin. Für alle, die den besonderen Kick brauchen, ist das nur schwer zu ertragen. Kommen dann noch diverse Streitigkeiten hinzu, wie sie im Alltag leider unvermeidlich sind, wird die Beziehung oft beendet.

Liebe

Liebe ©iStockphoto/Cagri Özgür

Die schlechten Zeiten gemeinsam meistern

In einer Beziehung gibt es Streit, das ist normal und das ist sogar wünschenswert. So merkwürdig es nämlich klingt: Ein Paar, das zu wenig streitet und aus falsch verstandenem Harmoniebedürfnis alle Unstimmigkeiten unter den Tisch kehrt, tut sich keinen Gefallen. Hat ein Partner ständig das Gefühl, zu kurz zu kommen, wird die Beziehung merklich abkühlen. Wer hingegen für seine eigenen Interessen eintritt, bleibt nicht nur sich selbst treu, sondern auch für den Partner interessanter. Die Eigenständigkeit sollte trotz Partnerschaft nicht aufgegeben werden und nur, weil Tisch und Bett miteinander geteilt werden heißt das nicht, dass beide fortan nur noch die gleichen Hobbys und den gleichen Freundeskreis haben dürfen. Die unterschiedlichen Interessen des Partners bereichern eine Beziehung enorm und wer glaubt, nur noch mit dem Partner im Doppelpack auftreten oder sich zu einem Abziehbild des geliebten Menschen entwickeln zu müssen, erweist sich einen Bärendienst. Ein Rezept für die ewige Liebe gibt es wohl nicht. Sehr wohl aber die verschiedenen Zutaten wie Feingefühl, Kompromissbereitschaft, Verständnis und Respekt. All diese Zutaten sind im Rezept für die ewige Liebe enthalten. In welchem Verhältnis sie dosiert werden, muss jedes Paar für sich alleine herausfinden, aber wer weiß, was er am Partner hat, wird sich nicht scheuen, lebenslang mit diesen Zutaten herumzuexperimentieren.

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