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Der Bandscheibenvorfall – Geißel der Bürotätigkeit

Die tägliche Arbeit an einem Schreibtisch hat nichts mit einer natürlichen Bewegung bzw. Haltung gemein. Wer seinen Rücken täglich dieser Tortur aussetzt, muss sich nicht wundern, wenn der irgendwann streikt. Viele Menschen sind gezwungen, am Schreibtisch zu arbeiten, mehr Menschen als heute noch körperlich tätig sind. So sind Rückenschmerzen zu einer Volkskrankheit geworden und der Bandscheibenvorfall zur fast zwangsläufigen Konsequenz.

Die Wirbelsäule des Menschen besteht aus vielen Wirbeln, die ineinandergreifen. Als Puffer bzw. Lager dienen die sogenannten Bandscheiben. Sie machen die Wirbelsäule flexibel und biegsam. Eine einzelne Bandscheibe besteht aus zwei Komponenten: Einem Ring aus Knorpel und einem gallertartigen Kern. Diese relativ weiche Verbindung der Wirbel dämpft Stöße wirksam ab und lässt sich bis zu einem gewissen Grad verbiegen.

Bandscheibenschäden

Wer seine Wirbelsäule dauerhaft einer Fehlbelastung aussetzt, riskiert einen Bandscheibenvorfall. Dabei verursacht eine durch Fehlbelastung geschädigte Bandscheibe meist sehr große Schmerzen, indem plötzlich Druck auf Nervenfasern oder das Rückenmark ausgeübt wird. Die folgenden Beschädigungen der Bandscheibe sind besonders häufig zu beobachten: Bei der Bandscheibenprotrusion ist der äußerliche Knorpelring zunächst noch vollkommen intakt, während der Kern der Bandscheibe deformiert ist. So verändern sich jedoch die Druckverhältnisse und der knorpelartige Außenring beginnt sich zu verformen.
Bandscheibenprolaps beschreibt die schwere Verletzung des Kerns der Bandscheibe, die gallertartige Masse tritt aus, so dass die Bandscheibe ihre abfedernde Eigenschaft verliert. Sequestration beschreibt eine Variante des Prolaps, bei der sich die austretende Masse vom Kern der Bandscheibe abspaltet und eine schmerzhafte Verkapselung bildet.

In allen drei Fällen führend die krankhaften Veränderungen der Bandscheibe zu meist schmerzhaften Symptomen. Im Falle eines akuten Vorfalls werden die Schäden an der Bandscheibe mittels Röntgen, CT oder Myelografie festgestellt. Wen ein Bandscheibenvorfall tatsächlich ereilt, der hat oft die unterschiedlichsten Symptome. Sie reichen von Arm- und Beinschmerzen über ein Gefühl von Taubheit, das sich bis hin zur Lähmung verschiedener Muskelbereiche steigern kann. Schlimmere Fälle führen zu Blasenlähmung oder zum kompletten Verlust der Beherrschung von Blase und Darmfunktionen, gegebenenfalls auch zur Lähmung der gesamten Beinmuskulatur.

Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfall @iStockphoto/Jeannot Olivet

Zuvor klagen die meisten Patienten jedoch über Rückenschmerzen und weniger starke Symptome. In diesem Fall sollte man nicht zu lange warten, sondern einen Arzt aufsuchen, um einem akuten Vorfall vorzubeugen.

Ursachen

Wer seinen Rücken über Jahre falsch belastet, setzt sich dem Risiko Bandscheibenvorfall fast zwangsläufig aus. Solche Fehlbelastungen oder auch Überlastungen betreffen viele Berufsgruppen, nicht nur „Schreibtischtäter“. Doch wer überdurchschnittlich häufig im Sitzen arbeitet, ist besonders gefährdet. Bei Familien, in denen Bandscheibenvorfälle gehäuft auftreten, kann man auch von einer erblichen Vorbelastung ausgehen. Zur Risikogruppe zählen Menschen in der Mitte ihres Lebens, also zwischen 30 und 50, übergewichtige Menschen und schwangere Frauen.

Therapie

Zwei Therapieformen haben sich im Fall eines Bandscheibenvorfalls durchgesetzt: Die konservative Therapie baut zunächst auf Ruhe. Der Patient soll das Bett in der ersten Zeit möglichst wenig verlassen, um die Wirbelsäule zu entlasten. Begleitet von einer medikamentösen Behandlung werden Verspannungen gelöst und der Schmerz gelindert. In der Folge beginnen physiotherapeutische Behandlungen, welche die Muskeln stärken und die Wirbelsäule entlasten sollen. Massagen oder die Therapie mit Reizstrom werden besonders häufig angewendet. Auch die peridurale Infiltration ist oft Teil der konservativen Therapie. Während eines CTs werden punktgenau an der schmerzenden Stelle Medikamente verabreicht, die den Schmerz lindern, Entzündungen vorbeugen oder das Gewebe veröden sollen. So wird die Entzündung gelindert und die Nerven beruhigen sich und schwellen ab. Führt die konservative Therapie nicht zum gewünschten Erfolg hilft nur eine Operation. Besonders wenn der Patient von akuten Vorfällen regelrecht bedroht ist und die Begleiterscheinungen zahlreich und besonders schwer sind, ist sie der einzige Ausweg.

Früher war diese Operation sehr risikoreich und hatte einen langen Aufenthalt im Krankenhaus zur Folge. Inzwischen wachsen die Behandlungserfolge jedoch mit dem Einsatz von minimalinvasiven Verfahren. So sind Operationen heute häufig ambulant durchführbar, was Zeit und Kosten spart, wenn der Patient nicht schon einen größeren Eingriff an den Bandscheiben hinter sich hat. Bei minimalinvasiven Operationen werden mittels Laser Teile der Bandscheibe abgetragen. Das führt jedoch nur zum Erfolg, wenn es sich um einen einfachen und frischen Bandscheibenvorfall handelt. Mikrochirurgische Eingriffe beseitigen den Vorfall nach alter Methode mit Mikroskop und einer Art Skalpell, jedoch ist auch hier nur ein kleiner Schnitt nötig, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Besser als jede Therapie ist die wirksame Vorbeugung eines Bandscheibenvorfalls. Dazu gehört es, viel zu trinken, denn die Bandscheiben sind stark wasserhaltig und nehmen wie Schwämme Flüssigkeit auf. Je voller sie sind, desto besser funktioniert die Pufferung der Wirbel und der Bandscheibenkern nimmt keinen Schaden. Ein gezieltes Training des Rückens schadet in keinem Fall, hilft jedoch vor allem auch dann noch, wenn der Vorfall schon passiert ist. Das Training entlastet die Wirbelsäule und so manche belastende Operation lässt sich verhindern.

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