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Der One Night Stand – Abenteuerliches Gastspiel?

Es ist eine Mär, dass ein andauerndes Singleleben die Lust auf Sex reduziert. Im Gegenteil, bei den meisten Menschen nimmt die Sehnsucht nach einer Partnerschaft zu und die Sehnsucht nach Sex nicht minder. Natürlich ist das Bedürfnis individuell unterschiedlich. Sex und Partnerschaft gehören jedoch für die meisten Menschen zusammen.

Die Suche nach dem Partner fürs Leben muss nicht zwangsläufig Sexabstinenz bedeuten. Die Möglichkeit hängt jedoch stark von den eigenen moralischen Vorstellungen ab und natürlich auch von denen potenzieller One-Night-Stand-Partner, denn nichts ist unangenehmer, als sich auf dieser Ebene misszuverstehen.

Auch den Partner für eine Nacht sollte man sich natürlich mit Bedacht auswählen. Es sollte zum Beispiel niemand aus dem eigenen engeren Freundeskreis sein. Warum? Die Gefahr ein emotionales Chaos auszulösen ist einfach zu groß. Wenn von der anderen Seite Gefühle im Spiel sind, die nicht erwidert werden können, sprengt man im Zweifelsfall den gesamten Freundeskreis.

Ein One-Night-Stand bedeutet ein großes Stück Eigenliebe, bedeutet sich selbst etwas zu nehmen, ohne den Preis der Partnerschaft zu bezahlen. Dessen braucht sich niemand zu schämen, das kann durchaus einvernehmlich vonstatten gehen. Stattdessen sollte man das eigene Lebensumfeld zu schützen versuchen und die Nacht wie eine Wellnessbehandlung genießen. Ein One-Night-Stand lebt einfach von einer gewissen Selbstsucht. Genau das macht ihn so attraktiv.

Zum Genuss gehört ein gewisser Grad an Selbstdisziplin. Wie immer im Leben läuft der größte Spaß am besten, wenn man ihn mit einiger Mühe vorbereitet hat. Spontaner Sex ist also im Idealfall nicht ganz so spontan, wie man vermuten könnte, sondern wurde gedanklich vorbereitet. Wer auf der Suche nach einem Abenteuer ist, sollte sich über das Thema Verhütung in jedem Fall Gedanken gemacht haben. Ohne Kondome oder Dental Dam läuft kein spontaner Sex, nicht zwischen Männern, nicht zwischen Mann und Frau und auch nicht zwischen Frauen. HIV ist die drastischste, aber nicht die einzige Gefahr, der man sich aussetzt. One-Night-Stands passieren viel zu häufig unter dem Einfluss von Alkohol oder anderer Rauschmittel und damit bar jeder Kontrolle. Man sollte sich genau überlegen, ob man die Konsequenzen eines öffentlichen Kontrollverlustes tatsächlich tragen kann und will.

One Night Stand

One Night Stand @iStockphoto/Georgii Dolgykh

Es ist ein weit verbreitetes Klischee und oft genug die Wahrheit, man erwacht des Morgens orientierungslos und mit einem Kater im fremden Bett oder findet neben sich, im eigenen Bett, ein schnarchendes Etwas. Die Erinnerungen an die Nacht enden leider am Vorabend. Man wirft sich Aspirin ein, verabschiedet sich und fragt sich, was das nun eigentlich war. Mit großem Pech findet man sich einige Tage später in der urologischen oder gynäkologischen Abteilung wieder, um einen Tripper oder etwas in der Art behandeln zu lassen. Mit sehr großem Pech bangt man Wochen später in Erwartung auf das Ergebnis des HIV-Tests.

Auf jede Nacht folgt ein Morgen. Die Leidenschaft ist befriedigt, meist folgt ein Gefühl der Fremdheit. Ob man es also bis zum nächsten Morgen im fremden Bett aushält, ist Geschmackssache. Man sollte aber einen unkomplizierten Abgang finden, der dem Verlauf der Nacht würdig ist, sonst bleibt ein fader Nachgeschmack. Gehen, wenn es noch schön ist – das gilt auch in dieser nicht ganz alltäglichen Situation.

Liebesgeständnisse und Vertraulichkeiten gehören nicht zu einem One-Night-Stand, dafür aber ein gehöriges Stück Tabulosigkeit und Leidenschaften. Selten kann man so unbefangen und abseits des Alltages sein, wie in diesem Augenblick mit einem Fremden – wenn man die Grundregeln eingehalten hat.

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