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Die Geschichte der Videospiele

Videospiele oder Computerspiele gehören zu einer der beleibtesten Freizeitbeschäftigungen vieler Menschen. Und das, obwohl die Geschichte dieser Spiele noch recht jung ist: Gerade einmal rund drei Jahrzehnte ist es her, dass die ersten kommerziellen Videospiele das Licht der Welt erblickten. Im Jahr 1977 brachte die Computerfirma Atari das erste Computerspielgerät auf den Markt. Der Atari 2600 VCS (Video Computer System) wurde bis zum Jahr 1990 hergestellt und weltweit 30 Millionen Mal verkauft. Ab 1982 machte ihm der Commodore 64 (auch C64 genannt) erste Konkurrenz. Dieser wurde in einer vergleichbaren Produktionszeit nur 20 Millionen Mal verkauft, bot jedoch bereits damals mit 2000 verschiedenen Spielen ein umfangreiches Softwareangebot.

Die Ansprüche der Konsumenten stiegen jedoch auch zu dieser Zeit bereits, was zu immer aufwendigeren Produktionen sorgte und das Flop-Risiko einer Neuerscheinung drastisch erhöhte. Entsprechend setzten die Spielemacher immer häufiger auf etablierte Inhalte aus den Medien, beispielsweise aus erfolgreichen Filmen, Comics und Literatur. Nur ein Jahr nach dem C64, im Jahr 1983, betrat der Japanische Spieleautomatenhersteller Sega den Markt mit seiner ersten Heimkonsole: Der SG-100 folgten SC-3000, SG-1000 II und Mark III. Bis 1995 konnte Sega eine Verkaufszahl von 13 Millionen Geräten verbuchen, für die rund 300 verschiedene Spiele entwickelt wurden.

Zusammenbruch des Videospielemarktes

1984 kam es zu einem Zusammenbruch des Videospielemarktes in Europa und Amerika, der vorrangig durch eine zu große Zahl minderwertiger Software herbeigeführt wurde. Was sich seit 1981 jährlich mehr als verdoppelte (1981 500 Millionen Umsatz in USA, 1982 1 Milliarde, 1983 über 3 Milliarden) brach bis zum Jahr 1985 auf ein Viertel des bisherigen Umsatzes ein.

In dieser Zeit ging eine neue Firma in das Rennen. Nintendos Family Computer, kurz Famicom, später Nintendo Entertainment System (NES) eroberte binnen kürzester Zeit die Märkte in Europa, den USA und in Japan. Die ersten beiden Monate nach Veröffentlichung wiesen eine Verkaufszahl von rund 500.000 Stück allein in Japan auf, zwei Jahre später können bereits 10 Millionen verkaufte Geräte verbucht werden. Gleichzeitig übernahm Nintendo das Produktionsmonopol: Als erste Firma konnte Nintendo Lizenzgebühren von Drittherstellern (3rd Partys) einfordern, um ihnen die Veröffentlichung ihrer Spiele auf dem System zu verkaufen. Dies ermöglichte Nintendo eine Marktregulierung sowie die Einflussnahme auf Spielinhalte, um eine Schwemme minderwertiger Titel zu verhindern und gleichzeitig jugendgefährdenden Inhalten Einhalt zu bieten.

Atari

Atari @Atari

„Software sells Hardware“

Nintendo verdeutlichte diese Marktregel, dass eine Spieleplattform nur dann erfolgreich sein konnte, wenn ansprechende Spiele in großer Zahl zur Verfügung stehen. Zahlreiche Klassiker der C64 und Atari-Generation wurden für die Nintendo-Plattformen umgesetzt. Einfache Jump-and-Run-Spiele wie Donkey Kong wurden verfeinert und personalisiert – Super Mario war geboren und sollte von nun an als italienischer Klempner eine Prinzessin befreien.

Die Weiterentwicklungen von Atari und Commodore brachten den beiden noch einmal einen kleinen Schwung, konnten jedoch im Bereich der Spielekonsolen nicht mehr gegenüber Nintendo bestehen, das mit dem Sega Mega Drive seit 1983 bereits noch ein As im Ärmel hatte. Stattdessen nutzte eine andere Allianz den sich zu dieser Zeit verbreitenden Trend der Heimcomputer. Aus IBM, Microsoft und Intel entstand eine Kooperation, die nicht nur den Markt der Bürocomputer, sondern auch den der Computerspiele im Visier hatte.

Wichtige Games zwischen 1986 und 1991

Zu den wichtigsten Spielen, die sich in der Anfangszeit des Videospiels einen Platz in der Geschichte eroberten, gehören beispielsweise das japanische Ballerspiel R-Type, das Aufbaustrategiespiel "Die Siedler" (aus Deutschland), das Rennspiel Outrun von SEGA, das englische Lemmings von Psygnosis und Pirates von Sid Meiers. Von Atari stammt das in dieser Zeit als bahnbrechend bezeichnete Spielautomatensystem, dass später den Namen Arcade als Spielegenre prägen sollte: Ein Kugel-Roll- und Geduld-Spiel namens „Marble Madness“ kam im Jahr 1984 in die Spielhallen, 1988 folgte „Hard Drivin“. Abgeleitet wurde die Bezeichnung Arcade von den Automatenparks in den USA, die zumeist in Arkaden ansässig waren. Hier wurden Münzautomaten aufgestellt, die später als Coin-Operated oder Coin-Ops für jedermann leicht zugänglich waren und dort in der Atmosphäre der Spielhalle gemeinsamen Spielspaß mit anderen Gamern ermöglichten.

Darüber hinaus gilt „Hard Drivin“ als das erste Spiel, welches eine Grafik aus unzähligen 3D-Vielecken (Polygonen) besaß und als solches eine vollkommen neue Art der 3D-Darstellung möglich machte. Der dazugehörige Automat besaß zusätzlich eine Rüttel- und Fliehkraftsimulation im Bereich des Lenkrads. Hierdurch konnte das Spielerlebnis deutlich realistischer ermöglicht werden.

Zum Jahreswechsel 1988/89 kam der Sega Mega Drive nun unter dem Namen „Genesis“ auf den Markt, in Europa folgte die Markteinführung zum folgenden Jahresende. Rund 30 Millionen verkaufte Exemplare konnte Sega bis 1997 verbuchen. Dieser Hersteller blieb lange Zeit der Produzent der besten Spiele, da sich ein großer Teil der Entwickler dem Erfolg des Marktführers Nintendo anschließen wollten. Bekannte Spiele dieser Zeit waren Phantasy Star (Rollenspiel), Virtual Fighter (Beat’em Up; Prügelspiel) sowie das Jump’n’Run-Spiel Sonic the Hedgehog.

Ab 1991 bot Sega zusätzlich ein andockbares CD-ROM-Laufwerk an, welches unter dem Namen Mega CD bekannt wurde. Hierdurch erhielt die Konsole einen zweiten Prozessor, der den Spielspaß deutlich erhöhte. Das 1994 erfolgte Upgrade „32X“ floppte hingegen aufgrund schlechter Vermarktung, was jedoch bis zum Ende der Herstellung des Mega-Drive-Systems die Erweiterung auf beachtliche 850 Softwarevarianten nicht beeinträchtigt.

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