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Die neuen Rollen der Kinder

Noch vor wenigen Jahren durften Kinder nur dann reden und handeln, wenn die Erwachsenen es ihnen erlaubten. Kinder sollten „gehorchen“ oder „spuren“, höflich gegenüber Älteren sein und Widerworte stets unterlassen. Boten Kinder nicht die erwünschten Eigenschaften, galten sie als ungezogen und frech, während den Eltern ein Versagen im Rahmen der Erziehung unterstellt wurde.

Heute sieht das etwas anders aus: Das gesellschaftliche Rollengefüge hat sich nicht nur in Bezug auf die Emanzipation der Frau verändert. Wenngleich es auch heute noch gilt, Kindern Grenzen aufzuzeigen, damit sie das Einhalten von Regeln lernen und sich nicht selbst in Gefahren begeben, so geht man heute doch ganz anders damit um.

Kinder im Wandel der Zeit

Moderne Kinder gelten als offen, vertreten ihre Meinung und argumentieren gegenüber Erwachsenen als gleichberechtigtes Gegenüber. Der Wandel erfolgte dabei innerhalb eines recht kurzen Zeitrahmens. Entsprechend schwer fällt es Eltern häufig, mit dem veränderten Rollen von Kindern umzugehen, wurden doch auch sie noch nach dem Grundsatz erzogen, dass Kindern weniger Rechte zugestanden werden und sie entsprechend zurückhaltend und respektvoll zu sein hätten. Die Kinder von heute fordern jedoch ihr Recht auf Individualität – was von den Eltern eine völlig neue Art der Erziehung erfordert.
Als positive Aspekte dieses Wandels wird dabei die Abschaffung der früher verbreiteten Disziplinierungsmaßnahmen gesehen. Körperliche und seelische Gewalt von Schlägen bis hin zu Hausarrest und in der Ecke-Stehen sind heute nicht nur verpönt, sondern zum Wohle des Kindes gesetzlich festgelegt. Als Alternativen stehen den Eltern kaum Hilfestellungen zur Verfügung. Doch ein maßgebliches Stichwort dürfte die so genannte „liebevolle Konsequenz“ darstellen, welche dem Kind über den strikten Lernprozess einer Kausalitätenkette das richtige Verhalten im Rahmen seines Umfeldes lehrt. Die Disziplin hierfür wird heute von den Eltern verlangt.

Grenzen setzen und ernst nehmen

Der Volksmund sagt nicht umsonst, man könne Kindern beibringen, was man möchte, da sie sowieso alles nachmachen. Die neue Art der Kindererziehung soll entsprechend nicht als antiautoritäre „Freilassung“ der Kinder gelten, sondern Kindern nach dem eigenen Vorbild Rechte und Pflichten einräumen, damit sie ein faires Miteinander und Verantwortungsbewusstsein lernen. Dies kann nicht umgesetzt werden, wenn die Eltern alle Entscheidungen alleine treffen. Die Folge wäre stets Widerstand, da so die Kinder zu Objekten degradiert würden, über die man redet, statt sie zu heranwachsenden Menschen zu machen, die stark und selbstbewusst zu ihren Handlungen und Aussagen stehen – und auch die Konsequenzen übernehmen.

Kind macht Hausaufgaben

Kind macht Hausaufgaben @iStockphoto/Jacob Wackerhausen

Vom Kind selbst sollte dabei nicht zuletzt altersgerecht abhängig sein, wie diese Verantwortung aussieht. Kleine Kinder können bereits im Haushalt helfen (was sie im Rahmen der Nachahmung auch zumeist gerne tun), größere Kinder für den Wunsch nach einem Haustier deren Betreuung selbst übernehmen, gegebenenfalls mit leichter Unterstützung der Eltern.

Wichtig ist bei alledem jedoch auch, dass die Eltern oder Erzieher selbst nach den gewünschten Regeln des guten Miteinanders handeln. Dies gilt besonders bei der Betreuung von Kindergruppen, in denen sich der/die Leiter/in häufig mit einer ersten „Austest-Phase“ konfrontiert sehen. Spürt ein Kind, dass die gleichen Regeln für alle Beteiligten gelten sowie die eigene Meinung ernst genommen wird, so wird gleichzeitig bei dem Kind die Bereitschaft erhöht, sich der Gemeinschaft anzupassen. Die altersgerechte Erklärung, warum Grenzen und Regeln notwendig sind, beispielsweise um Gefahren für den Einzelnen, die Gruppe oder andere zu vermeiden, unterstützen zusätzlich

Wertschätzendes Miteinander

Werden alle Beteiligten in Entscheidungsfindungen und Problemlösungen einbezogen, so fühlen sich alle ernst genommen – auch die Kinder. Eine (erziehende) „Autorität“ stellt somit heute nicht mehr den strengen Regelaufsteller dar, welcher mit allen Mitteln seine Vorstellungen durchzieht. Stattdessen bietet man eine auf Respekt und Wertschätzung beruhende Kooperation, in der der/die Leiter/in für sein/ihr gutes Vorbild und Zuverlässigkeit in der Umsetzung von Regeln, Rechten und Pflichten aller die Anerkennung zuerkannt bekommt, die er/sie verdient. Dabei geht es sicherlich nicht um eine/n perfekte Persönlichkeit ohne Fehler, sondern um die Tatsache, dass sich jemand darum bemüht.

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