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ETFs – Exchange Traded Funds

In der heutigen Zeit nimmt das Interesse institutioneller Anleger an Fonds immer mehr zu.

Doch was versteht man eigentlich unter einem Fond?

Unter einem Fonds (offener Investmentfonds) versteht man eine Form der Geldanlage. Bei dem Fond wird das Geld der Anleger von einer Investmentgesellschaft gesammelt und in einen Investmentfonds gebündelt. Mit dieser Bündelung wird in verschiedene Anlagenbereiche investiert. Nach festen Anlageprinzipien wird das Geld dabei in festverzinsliche Wertpapiere, Aktien, am Geldmarkt oder in Immobilien angelegt. Anders als bei Aktien können jedoch die Anteilscheine an jedem Börsentag gehandelt werden, bei Aktien kann dies normalerweise nur bei mehreren Tagen Zeitverstrich geschehen. Diese Streuung vermindert ein Anlagerisiko.

Beim Kauf von Investmentfondsanteilen wird der Anleger automatisch Miteigentümer am Fondsvermögen. Er hat somit Anspruch auf Anteilsrückgabe zum aktuell gültigen Rücknahmepreis sowie auf Gewinnbeteiligung. Der Anteil wird dabei bemessen am Gesamtwert des Fonds geteilt durch die Anzahl der ausgegebenen Anteile. Das Fondsvermögen muss fachmännisch verwaltet werden und gilt nach deutschem Recht als Sondervermögen. Dies bedeutet eine strikte Trennung des Fondsvermögens am Vermögen der Gesellschaft, um zum Beispiel bei einer Insolvenz der Anlagengesellschaft das Fondsvermögen zu erhalten. Das Fondsvermögen bzw. Sondervermögen steigt durch Kurs,- Dividenden- oder Zinsgewinne, sowie durch Einlagen von Anlegern. Im Gegenzug fällt es jedoch bei Rückerstattungen von Anteilen oder Verlusten. Der Gegensatz zum offenen Fonds stellt der geschlossene Fonds dar, bei dem die Möglichkeit zum ständigen Handeln von Anteilen eingeschränkt ist und Beschränkungen unterliegt. Eine Investition ist im geschlossenen Fonds nur innerhalb des Platzierungszeitraums möglich und auch die Rückgabe von Anteilen ist nicht beziehungsweise beschränkt möglich. Eine Möglichkeit zur Unterscheidung von Investmentfonds ist eine Sortierung nach der Anlagedauer. So gibt es Investmentfonds mit kurzfristiger, mittelfristiger oder langfristiger Anlagedauer.

ETF – Exchange Traded Funds

ETF – Exchange Traded Funds ©iStockphoto/Yong Hian Lim

Außerdem kann man Investmentfonds nach dem Ausgabeaufschlag unterscheiden. Dabei gibt es Fonds ohne Ausgabeaufschlag (Agio) und Fonds mit Ausgabeaufschlag (Classicfonds CF oder Anteilsklasse A). Fonds ohne Ausgabeaufschlag werden oft als Tradingfonds geführt, sie haben oft höhere jährliche Verwaltungskosten. Jeder dieser Fonds wird in eine bestimmte Region, in ein bestimmtes Land oder weltweit investiert. Diese Investition birgt jedoch zusätzliche Währungsrisiken. Eine weitere Unterscheidungsmöglichkeit bietet die Art und Weise wie der Fonds gemangt wird. Wird der Fonds gemanagt hängt der Wertzuwachs an der Einschätzung von Fondsmanagern oder Anlageberatern (Advisor) ab. Indexfonds dagegen werden passiv verwaltet, um die Kosten möglichst gering zu halten. Hat ein Fonds eine Börsenzulassung – Exchange Traded Fund kann er an der Börse gehandelt werden. Die Fondsanteile besitzen somit eine größere Fungibilität, man kann sie leichter kaufen oder verkaufen. Privat platzierte Fonds dagegen lassen einen Kauf oder Verkauf von Anteilen nur durch Investmentgesellschaften zu. Der direkte Verkauf von Anteilen an Privatpersonen ist meist nicht möglich. Beim deutschen Auslandsinvestmentgesetzt wird des Weiteren in Weiße Fonds (volle Entsprechung), Graue Fonds (teilweise Entsprechung) und Schwarzen Fonds (keine Entsprechung) unterschieden. Eine letzte Unterscheidungsmöglichkeit bietet außerdem die Einteilung der Anleger. So werden Spezialfonds für einen oder wenige Anleger aufgelegt. Bei Publikumsfonds wird der Anteil der Fonds an Kleinanleger angeboten.
Fonds mit Börsenzulassung (Exchange Traded Funds) sind Investmentfonds die an der Börse gehandelt und passiv gemanagt werden. Sie bilden einen zugrundeliegenden Index 1:1 ab. Entwickelt wurden sie mit der Zielsetzung, die Handelbarkeit von Aktien mit den Diversifikationsvorteilen von Investmentfonds in einem Produkt zu verbinden. Das Interesse institutioneller und privater Anleger an den Exchange Traded Funds hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Doch ursprünglich waren Indexfonds die einzigen notierten Fonds, die an der Börse gehandelt wurden. Mittlerweile werden auch viele aktiv gemanagten Fonds an der Börse gehandelt, diese fallen jedoch nicht unter die Bezeichnung Exchange Traded Fund. 1970 wurde zum ersten Mal die Idee erfunden, Fonds an der Börse zu notieren. Asset Management-Riese State Street Global Advisors brachte die ersten Fonds an den Markt. Der 1993 platzierte Fonds Standard & Poor’s Depositary Receipt (SPDR) hat aktuell ein Volumen von 50 Milliarden USD. Seit diesem Durchbruch 1993 verzeichnet der weltweite Markt für börsennotierte Indexfonds jährlich hohe zweistellige Wachstumsraten des Anlagevermögens.

Die Wachstumsraten liegen dabei deutlich über der Kursentwicklung des MSCI World Index der vergangenen Jahre. 2007 lag die Wachstumsrate bei 7,1 Prozent, 2006 bei 18 Prozent und 2005 bei etwa 7,6 Prozent. Aktuell entfallen über 50 Prozent aller Mittelzuflüsse von Aktienfonds in den USA auf börsennotierte Indexfonds. Die eigentliche Idee der Platzierung von Fonds und der Nachbildung von Indizes, stammt von der American Stock Exchange (AMEX). Hier wurden bis vor etwa zwei Jahren die meisten Exchange Traded Funds in den USA gelistet. Jedoch hat die AMEX durch das massive Festhalten am Parketthandel ziemlich an Handelsvolumen verloren. Exchange Traded Funds Anbieter außer State Street sind nun zu anderen Börsen gewechselt. Die New York Stock Exchange ist hier die attraktivste Börse für die Anbieter geworden. Der Exchange Traded Fund Markt hat vor wenigen Jahren einen kräftigen Schlag bekommen, der den Markt deutlich veränderte. Die anfangs von anderen Anbietern belächelten iShares wurden von dem passiven Anbieter Barclays Global Investors an den Markt gebracht. Mittlerweile haben sich die iShares als größter Anbieter von Exchange Traded Funds entwickelt.

In Europa verwaltet iShares über 37 Milliarden Euro und hat sich so zum Marktführer etabliert. IShares setzt dabei auf Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit. Db x-trackers, aktuell die Nummer drei am Markt, verwaltet etwa 14 Milliarden Euro. Der Gesamtmarkt für Exchange Traded Funds beläuft sich weltweit etwa auf 440 Milliarden USD. Die größten europäischen Anbieter waren im ersten Vierteljahr 2008 BGI, die einen Marktanteil von etwa 38 Prozent hielten, gefolgt von Lyxor die etwa 25 Prozent Marktanteil hielten. Credit Suisse mit 16 Prozent und db x-trackers mit etwa 12 Prozent sind weitere wichtige Anbieter in Europa. Am weltweiten Markt dominiert Barclays Global Investors mit einem Marktanteil von 55,9 Prozent, erst weit dahinter mit einem Marktanteil von 24,6 Prozent folgt State Street Global Advisors. Die hohe Produkttransparenz, die große Flexibilität als Instrument im Portfoliomanagement und die geringe Gesamtkostenquote werden dabei sehr von Anlegern an Exchange Traded Funds geschätzt.

In Europa hat ihre Bedeutung erst in den vergangen Jahren deutlich zugenommen, während in den USA die börsennotierten Indexfonds bereits seit Jahren als viel genutzte Anlageinstrumente genutzt werden. Dabei ist insbesondere der deutsche Markt für Exchange Traded Funds in der letzten Zeit gewaltig gewachsen. Exchange Traded Funds starteten in Deutschland, in Großbritannien, in Israel, in der Schweiz und in Schweden im April 2000. 2004 wurden dann die ersten Gold- und Immobilien Exchange Traded Funds initiiert. Gleichzeitig wurden in den Schwellenländern ETFs eingeführt. In den neuen Märkten wie Osteuropa oder Südafrika wurden ETFs 2005 eingeführt. Acht Jahre nach ihrem Start in Europa beläuft sich das verwaltete Vermögen in Europa nun auf etwa 78 Milliarden Euro. In Deutschland gibt es etwa 284 Exchange Traded Funds zu kaufen. Davon sind circa 52 Exchange Traded Funds auf Länderindizes, 58 auf Regionen, 76 auf Branchen, 11 auf Rohstoffindizes, 44 auf Rentenindizes und circa 23 auf Strategieindizes verteilt. Aber die Geschichte der passiven Investmentstrategie begann schon viel früher. 1900 untersuchte der französische Mathematiker Louis Bachelier zum ersten Mal die Bewegung von Aktienkursen und konnte beweisen, dass es möglich war besser als der Markt zu sein. Erst über fünfzig Jahre Später wurde dieser Ansatz von Harry Markowitz durch seinen Aufsatz „Portfolio Selection“ wieder aufgegriffen. Dieser Aufsatz wurde zu einem wichtigen Fortschritt in der Portfoliotheorie. Harry Markowitz gelang es nachzuweisen, dass durch Diversifikation Risiken vermieden werden können, ohne dass Anleger auf eine Rendite verzichten müssen. Im Jahre 1990 erhielt er neben zwei weiteren US-Finanzökonomen für seine mittlerweile 40 Jahre andauernde Bemühung um die moderne Portfoliotheorie den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.

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