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Frühlingsgefühle – Einbildung oder Realität?

Die langen, dunklen Monate neigen sich dem Ende zu. Die Temperatur steigt, die Tage werden länger und heller, die Lebensgeister erhalten neuen Antrieb. Nicht nur die Natur erwacht zu neuem Leben und verwöhnt uns mit frischem Blattgrün und zart aufknospenden Pflanzen, sondern auch die Lust erhält neuen Auftrieb. Viele Menschen berichten von den so genannten Frühlingsgefühlen, die angesichts der milden Temperaturen aufblühen. Doch gibt es diese Frühlingsgefühle überhaupt? Noch immer herrscht darüber Uneinigkeit. Laut eines Endokrinologen dürften diese Frühlingsgefühle nämlich gar nicht existieren, sind sie doch ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten.

Das behauptet zumindest Martin Reinecke, ein Hormonexperte aus Freiburg. Er vertritt die Meinung, dass es diese hormonell gesteuerten Frühlingsgefühle bei uns nicht mehr gibt – werden wir doch von vielen Faktoren beeinflusst, die den menschlichen Körper aus dem Takt bringen können. Fernreisen zu jeder Jahreszeit lassen die Jahreszeit bedingten Temperaturumschwünge kaum ins Gewicht fallen. Künstliches Licht zu jeder Tageszeit und die Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln beeinflussen den Biorhythmus und den Hormonhaushalt. Unser zivilisiertes Leben hat demnach dazu beigetragen, dass wir gar nicht mehr in der Lage dazu sind, die Natur und ihren Einfluss auf uns so wahrzunehmen, wie es unsere Vorfahren konnten.

Ein wenig anders sieht das Günter Stalla vom Münchener Max-Planck-Institut. Natürlich gebe es diese Frühlingsgefühle beim Menschen, so Günter Stalla. Auch für ihn sind die Frühlingsgefühle eine Hinterlassenschaft unserer Vorfahren. Gesteuert werden sollte anhand der Hormone, dass die Neugeborenen zu einem Zeitpunkt auf die Welt kommen würden, an dem ihr Überleben nicht zusätzlich durch eine unwirtliche Witterung erschwert werden würde. Im Gegensatz zu seinem Kollegen geht er jedoch davon aus, dass wir die Wirkung dieser saisonal bedingten hormonellen Veränderung immer noch spüren – eben in besagten Frühlingsgefühlen

Frühlingsgefühle

Frühlingsgefühle @iStockphoto/mabe123

Wenn die Flirtlust erwacht

Frühlingsgefühle hin oder her – es ist unumstritten, dass im Frühling und Sommer ein ganz anderes Lebensgefühl vorherrscht als im Herbst oder Winter. In den dunkleren Monaten produziert der Körper verstärkt das Schlafhormon Melatonin. So dienen die kälteren Monate mehr dem Rückzug und werden gerne auf dem heimischen Sofa verbracht. Werden die Tage wieder länger und heller, wird die Produktion des Melatonins zurückgefahren. Nun gewinnen Hormone die Oberhand, die Körper und Geist zu neuem Leben erwecken und mit Glücksgefühlen überschütten. Vergessen ist die Schläfrigkeit der vergangenen Wochen. Sobald die ersten warmen Sonnenstrahlen durchs Fenster scheinen, zieht es selbst den größten Stubenhocker aus der Wohnung und jeder ist bestrebt, den Winter abzuschütteln. Die Bekleidung wird den Temperaturen angepasst und die dicke Daunenjacke, unter der eine Figur bestenfalls zu erahnen war, bleibt endlich im Schrank. Ein wenig Sport an der frischen Luft tut sein übriges, um das Glücksgefühl ins Unermessliche zu steigern. Das überschäumende Lebensgefühl bleibt auch den Mitmenschen nicht verborgen und während im Winter jeder mit gesenktem Haupt durch die kalten Straßen lief und bestrebt war, schnell ins Warme zu kommen, liegt jetzt an scheinbar jeder Ecke ein kleiner Flirt in der Luft. Wer also das dringende Bedürfnis verspürt, sein Single-Dasein zu beenden, hat im Frühling gute Chancen, diesen Plan in die Tat umzusetzen. So muss die heimische Couch im Herbst hoffentlich nicht mehr nur mit einem Buch, einer Decke und der Lieblingsknabberei geteilt werden.

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