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Geschwister – Partner zwischen Lieben und Hieben

Zwei wie Pech und Schwefel – das wünschen sich viele Eltern für ihre Kinder. Füreinander da sein sollen sie, zueinander stehen, sich helfen, nicht allein durchs Leben gehen müssen – besonders dann, wenn die Eltern einmal nicht mehr da sein werden. Leider sind die lieben Kleinen (und Großen) keinesfalls unentwegt ein Herz und eine Seele – ganz im Gegenteil! Da wird erbittert um eine Wäscheklammer gestritten, fliegen Türen und manchmal Fäuste, fließen Tränen, wird gepetzt und intrigiert… und Vater und Mutter fragen sich verzweifelt, warum sie ausgerechnet das unbedingt haben wollten.

Schafft mir diesen Bruder vom Hals!

Im Gegensatz zu ihren Eltern, die sich ja aus freien Stücken füreinander entscheiden konnten, leben Geschwister in einer Art Zwangsgemeinschaft. Sie konnten sich weder aussuchen, ob sie den „Eindringling“ wollten, noch mit welchem Naturell er wohl ausgestattet ist. Kein Kind ist wie das andere, und das ist natürlich gut so. Zwischen Brüdern und Schwestern führt dies allerdings zu reichlich Konfrontation. Selten kann man sich aus dem Weg gehen, immer muss man um Rücksicht, Anteilnahme, Vorsicht oder einfach nur Platz kämpfen – innige Zuneigung sowie tiefe Freundschaft vom ersten Moment an sind da wirklich ein bisschen viel verlangt. Glücklicherweise ist Geschwisterliebe ein robustes Pflänzchen, das auch unter Ausreißen und Niedertrampeln langsam, aber stetig wächst. Spätestens nach der ersten gemeinsamen Revolte gegen die Eltern ist den kleinen Rebellen nämlich klar, dass auch der lauteste Bruder oder die zickigste Schwester manchmal gar nicht so schlecht ist.

Raufen, bis die Fetzen fliegen

Streitkultur ist wichtig, klar… aber sollte man nicht irgendwann einmal doch dazwischen gehen? Oder klären Kinder tatsächlich alles unter sich und brauchen die Hilfe von „oben“ gar nicht? Es ist gar nicht so einfach, zwischen bedenkenlosen Kabbeleien und ernsthaften Auseinandersetzungen zu unterscheiden. Vermeidbar sind Streitigkeiten durch die Eltern sowieso nicht, und man kann dem Nachwuchs auch schwerlich verbieten, seine Konflikte auszutragen. Kritisch wird es wohl, wenn mehr gestritten als friedlich miteinander umgegangen wird. Auch sollte man Streit und Zank nicht einfach ignorieren – sonst wird daraus schnell ein Mittel, um sich Beachtung zu verschaffen. Sobald harte Gegenstände oder bösartige Beleidigungen durch die Luft fliegen oder ein offensichtliches Ungleichgewicht der Kräfte besteht, ist es Zeit für ein Einschreiten. Auch kleine Streithammel können lernen, dass körperliche oder seelische Verletzungen nicht dazu gehören, Fairness aber wohl. Natürlich können gestresste und ruhebedürftige Eltern zugunsten des eigenen Nervenkostüms auch jederzeit albernen, provakanten Streitereien Einhalt gebieten.

Geschwister

Geschwister @iStockphoto/Keith Spaulding

Wir halten zusammen!

In mehr oder minder friedlicher Koexistenz lernen Geschwister, dass man auch mit verschiedenen Ansichten, Essgewohnheiten, Kleidungsstilen und Lieblingsliedern gut miteinander auskommen kann. Tägliche Lektionen im Kompromisse-Schließen, Respekt und Akzeptanz prägen das spätere Sozialverhalten ganz maßgeblich. Sich durchzusetzen trainiert das Selbstbewusstsein, zurückstecken übt Toleranz und Verständnis. Auch wenn das Geschwisterdasein kein Zuckerschlecken ist, profitieren die Kinder später von den hier gesammelten Erfahrungen. Sich gemeinsam den elterlichen Weisungen ausgesetzt zu sehen, schweißt viel eher zusammen als erzwungene Harmonie. („Spiel doch mal mit Deiner kleinen Schwester, es macht doch nichts, wenn sie in dein Heft malt!“) Doch – es macht was, aber das bring ich ihr selber bei! Und nachher malen wir beide in dein Haushaltsbuch!

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