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Gleichgeschlechtliche Paare zufriedener als Heteros

Männer und Frauen scheinen einfach nicht zusammenzupassen. Nicht ohne Grund führen Bücher wie „Männer sind anders. Frauen auch: Männer sind vom Mars. Frauen von der Venus“ oder „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ die Bestsellerlisten an. Comedians wie Mario Barth, die eben die kleinen Unterschiede zwischen den Geschlechtern abendfüllend thematisieren, gelingt es große Hallen zu füllen. Männer und Frauen scheinen tatsächlich von einem anderen Stern zu kommen und eine völlig andere Sprache zu sprechen. Warum wohl fällt in fast jeder Konfliktsituation der Satz: „Ich verstehe einfach nicht, was du von mir willst“?

Es liegt nicht einmal böse Absicht dahinter, dass sich Männer und Frauen auf unterschiedlichen Ebenen zu bewegen scheinen. Sie sind einfach zu verschieden. Ist der erste Liebesrausch, in dem sich beide dem Partner gegenüber sehr nachsichtig und verständnisvoll zeigen verflogen, erfordert der Alltag von beiden Partnern eine Menge Kompromissbereitschaft. Während Männer meist das meinen, was sie sagen, interpretieren Frauen in das Gesagte viel mehr hinein, als tatsächlich darin enthalten ist. Im Gegenzug tendieren Frauen oft dazu zu denken, dass der Mann mehr zwischen den Zeilen lesen und ihre unausgesprochenen Erwartungen erfüllen sollte. Verständlich, dass sich angesichts derart unterschiedlicher Kommunikation schnell der eine oder andere Streit entzündet. Eigentlich müsste es doch in einer Partnerschaft, in der beide Partner dem gleichen Geschlecht angehören, wesentlich reibungsloser zugehen.

Gleichgeschlechtliche Paare zufriedener als Heteros

Genau das scheinen sich auch die Forscher der University of Washington, der San Diego State University und der University of Vermont gedacht zu haben. Sie haben gemeinsam eine Studie durchgeführt, in der sie der Frage auf den Grund gehen wollten, ob gleichgeschlechtliche Paare glücklicher miteinander leben als heterosexuelle Paare. Im Rahmen dieser dreijährigen Studie haben die Forscher sowohl gleichgeschlechtliche als auch heterosexuelle Paare begleitet und die Qualität der jeweiligen Beziehungen genauestens unter die Lupe genommen. Die Ausgangsbedingungen der Paare waren sehr ähnlich, da homosexuelle Paare im Bundesstaat Vermont mit den gleichen Rechten ausgestattet sind wie heterosexuelle Paare und die homosexuellen Paare somit eine legalisierte Lebensgemeinschaft führen können, die sich nicht von der Lebensgemeinschaft der Heterosexuellen unterscheidet.

Gleichgeschlechtliches Paar

Gleichgeschlechtliches Paar @iStockphoto/Rikke Breiting

Die Forscher fanden tatsächlich heraus, dass die Beziehungsqualität der homosexuellen Paare wesentlich höher war als die der gleichgeschlechtlichen Paare. Die Intimität im Beziehungsalltag war bei den homosexuellen Paaren höher, Konflikte wurden seltener ausgetragen. Wenn es zu Konflikten kam, wurden diese in der homosexuellen Partnerschaft mit deutlich mehr Humor gemeistert, als bei den heterosexuellen Pärchen. Auch tendierten die Partner einer gleichgeschlechtlichen Beziehung nicht so sehr dazu, jeden Kritikpunkt als persönlichen Angriff zu werten, wie es in heterosexuellen Partnerschaften der Fall ist.

Es ist nachzuvollziehen, dass sich gleichgeschlechtliche Paare auf einer anderen Beziehungsebene bewegen. Streitpunkte, die den heterosexuellen Paaren das Leben schwer machen, entfallen bei ihnen einfach. In wie weit die heterosexuellen Paare von diesen Studienerkenntnissen profitieren können, bleibt ihnen selbst überlassen, dennoch sind Verständnis und Toleranz keine geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen, sondern etwas, was jeder erlernen kann.

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