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Haarausfall

Haarausfall ist für viele Menschen ein Reizthema. Darüber wird in unserer Gesellschaft nicht gern gesprochen, weil sich einerseits viele Betroffenen schämen, diese aber wiederum von nicht betroffenen Menschen wegen ihres Leidens belächelt werden. Besonders Männer haben Angst, schon in jungen Jahren von Haarausfall ereilt zu werden. Daher reagieren einige Menschen panisch, wenn sie plötzlich mehr Haare als üblich verlieren. Doch das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass sie an Haarausfall leiden, denn das Haar unterliegt einem biologischen Rhythmus, innerhalb dessen die Phase des Ausfalls natürlicherweise dazu gehört.

Tatsächlich spricht man erst von Haarausfall, wenn täglich mehr als 100 Haare verloren gehen. Der Verlust des Haares äußert sich in unterschiedlichen Ursachen und Formen. Von erblich bedingtem Haarausfall bis hin zu Stress als Auslöser sind die Ausprägungen mannigfaltig.

Haarausfall

Haarausfall @iStockphoto/huseyin turgut erkisi

Liegt einmal krankhafter Haarausfall vor, so stehen dem Arzt viele Möglichkeiten der Diagnose zur Verfügung, um die jeweilige Art des Haarverlusts zu erkennen. Die Therapie richtet sich dann nach der Ursache. Mögliche Therapieformen sind Nahrungsumstellung, äußerliche oder innerliche Medikamentöse Behandlungen und die Transplantation von Eigenhaar. Zukünftig könnte auch eine Gentherapie möglich sein.

Es gibt einige Geschäftemacher, die mit der Angst der Leidtragenden auf unseriöse Weise Geld verdienen wollen und wirkungslose Präparate anbieten. In diesem Fall ist es von Vorteil, wenn man über Ursachen und Formen des Haarausfalls genau Bescheid weiß.

Aufbau und Funktion des Haares

Das Haar entsteht und wächst in der Lederhaut. Innerhalb des Haarfollikels bilden sich Hornzellen zu einem Haarschaft, der sich dann immer weiter nach oben schiebt bis er schräg aus der Oberhaut heraus ragt. Zum Schutz der Haut und des Haares ist jedes Haar mit einer Talgdrüse verbunden, die das Austrocknen verhindern soll. Zusätzlich verfügt es über Maßnahmen gegen Kälte, indem es durch einen kleinen Muskel aufgerichtet werden kann und somit die so genannte Gänsehaut erzeugt, mit Hilfe derer die Hautoberfläche vor dem Auskühlen bewahrt wird.

Das Haar unterliegt einem bestimmten Zyklus. In regelmäßiger Abfolge finden Phasen des Wachstums, des Übergangs und des Ausfalls statt. Das bedeutet, dass zu einem gesunden Haarzyklus auch das Ausfallen der Haare gehört. Dabei befinden sich nicht alle Haare zur gleichen Zeit innerhalb derselben Phase des Zyklus, sondern jedes Haar unterliegt einem anderen Verlauf als das benachbarte. So wird verhindert, dass sich viele bzw. alle Haare zur selben Zeit in der Phase des Ausfalls befinden.

Die Wachstumsphase dauert mit zwei bis zehn Jahren am längsten. In dieser Zeit wächst das Haar etwa einen Zentimeter pro Monat. Darauf folgt die Phase des Übergangs. Hier finden innerhalb von etwa zwei Wochen Umbauvorgänge in der Haarwurzel statt, da das Haar nicht mehr mit Nährstoffen versorgt wird. Anschließend folgt die Ausfallphase während zwei bis sechs Monaten. Durch mechanische Einflüsse wie Kämmen oder Waschen löst sich das nur noch locker sitzende Haar aus der Wurzel oder wird vom nachwachsenden Haar heraus geschoben.

Haarausfall Ursachen

Wenn am Tag mehr als 100 Haare ausfallen, dann kann das vielfältige Gründe haben. Häufig haben äußerliche Ursachen Schuld am Ausfall der Haare, wie eine falsche Pflege, Ernährungsstörungen z.B. aufgrund von Diäten, Stress oder andere negative Umwelteinflüsse. In den meisten Fällen kann der Haarausfall dann aufgehalten werden, wenn diese äußerlichen Einflüsse beseitigt werden.

Andere Gründe für Haarausfall sind meist schwerwiegenderer Natur. Erblich bedingter Ausfall der Haare erfordert umfassendere Maßnahmen. Hier gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Häufig beginnt bei Männern der erblich bedingte Haarausfall schon ab den Zwanzigern, während Frauen erst mit etwa 50 Jahren die ersten Symptome an sich feststellen. Diese fallen dann meist auch nicht so markant aus wie bei Männern. In der Fachsprache nennt sich diese Form Androgenetische Alopezie. Die anlagebedingte Menge an Testosteron, das vom Körper ausgeschüttet wird, behindert dabei das Wachstum des Haares. Ausprägung und Verlauf sind geschlechtsspezifisch.

Anders sieht es bei hormonell bedingtem Haarsausfall aus. Daran leiden vermehrt die Frauen. Durch hormonelle Umstellung des Körpers kann es zum Verlust der Haare kommen. Vor allem Schwangerschaften, die Anti-Baby-Pille und die Wechseljahre sind verstärkt für Haarausfall bei Frauen verantwortlich. Aber auch Männer können von hormonell bedingtem Haarausfall betroffen sein, wenn sie z.B. an Schilddrüsenfunktionsstörungen leiden.

Haarausfall – Äußerliche Ursachen

Das Leben in unserer modernen Gesellschaft bringt nicht nur Vorteile. Häufig leidet der Mensch an Krankheiten, die auf bestimmte Umweltgifte, Stress oder eine falsche Lebensweise zurückzuführen sind. Dasselbe gilt für das Kopfhaar. Gewisse Einflüsse von Außen kann es nicht verkraften und es kommt zu Haarausfall.

Häufig ist eine Unterversorgung die Ursache. Wenn z.B. durch übertriebene Diäten oder gar Magersucht die Aufnahme von wichtigen Nährstoffen wie Eisen, Zink oder auch Vitamin A verhindert wird, fehlen dem Haar entscheidende Stoffe, die für sein Wachstum und Erhalt notwendig sind.

Stress kann ein weiterer Grund für Haarausfall sein. Durch die Anspannung aufgrund von Stress spannt sich auch die Kopfhaut stark an. Der Blutfluss der Haut wird eingeschränkt und kann die Haarwurzel somit nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Des Weiteren hat Stress einen negativen Einfluss auf die Wachstumsphase des Haares.

Haarausfall kann auch durch bestimmte Umweltschadstoffe verursacht werden. Als Beispiel sind hier die umstrittenen Amalgam-Füllungen der Zähne zu nennen, die aufgrund ihres Quecksilbergehaltes nicht nur die Haare schädigen können. Schadstoffe in vermeintlich positiv wirkenden Kosmetika leisten ebenfalls einen Beitrag zur Haarschädigung.

Die Verletzung durch äußerliche Faktoren geht meist mit einem diffusen Haarausfall einher, wobei dann der gesamte Kopfbereich ohne erkennbares Muster betroffen ist.

Erblich bedingter Haarausfall

Beim erblich bedingten Haarausfall bzw. bei der Androgenetischen Alopezie lichten sich die Kopfhaare an typischen Stellen. Männer bekommen häufig schon in jungen Jahren so genannte Geheimratsecken, die sich dann später auch am Hinterkopf ausbreiten (Tonsur). Letztendlich bleibt nur noch ein Haarkranz im Nacken zurück. Im schwersten Fall kommt es zu einer Glatzenbildung. Bei Frauen erfolgt der Verlauf in anderer Weise. Bei ihnen dünnt das Haar besonders im Scheitelbereich aus.

Wenn männliche Sexualhormone, wie z.B. Testosteron, in zu großen Mengen im Blut vorhanden sind oder die Haarfollikel darauf überempfindlich reagieren, verkümmern die Haarwurzeln stetig und die Wachstumsphase der Haare wird daraufhin verkürzt. Folglich werden die Haare im Gegensatz zum normalen Zyklusverlauf dünner und fallen früher aus. Die Menge der männlichen Sexualhormone und die Empfindlichkeit des Follikels darauf ist hier erblich vorherbestimmt. Im Endstadium des erblich bedingten Haarausfalls sind die Haarfollikel nicht mehr in der Lage, neues Haar herzustellen und sterben unwiederbringlich ab.

Tempo und Verlauf der Androgenetischen Alopezie können sehr unterschiedlich sein. Die einzelnen Phasen werden von Fall zu Fall mal langsamer und mal schneller durchlaufen. Der erblich bedingte Haarausfall erreicht auch nicht in jedem Fall die letzten Stadien, so dass nicht von vornherein die Entstehung einer Glatze befürchtet werden muss.

Hormonell bedingter Haarausfall (Haarausfall bei Frauen)

Eine Störung im Hormonhaushalt kann Ursache für den Ausfall der Haare sein. Vor allem Frauen leiden häufig an solchen Störungen, da sie vermehrt in ihrem Leben von Hormonschwankungen betroffen sind, die den Haarzyklus beeinflussen.

Während einer Schwangerschaft produziert die Frau verstärkt das Hormon Östrogen, welches das Haarwachstum positiv beeinflusst. Nach der Entbindung sinkt der Östrogenspiegel aber wieder auf ein normales Maß. Daraufhin gehen die Haare vom Wachstumsstadium in das Ausfallstadium über und innerhalb der nächsten zwei bis vier Monate nach der Geburt kommt es zu einem stärkeren Haarausfall. In der Regel pegelt sich diese Hormonschwankung von selbst wieder ein.

Das gleiche Prinzip liegt in den Wechseljahren vor. Als Folge der Umstellung des Hormonhaushaltes werden weniger weibliche aber mehr männliche Sexualhormone produziert. Leider ist in den Wechseljahren der Haarausfall dauerhaft. Der Hormonhaushalt kann sich nicht mehr von selbst ausgleichen, wie es nach einer Schwangerschaft der Fall ist.

Ein verstärkter Haarverlust nach Absetzen der Anti-Baby-Pille steht ebenso im Zusammenhang mit dem Absinken des Östrogenspiegels. Aber auch hier normalisiert sich wieder der Ausfall der Haare nach einer gewissen Zeit der Umstellung.

Der hormonell bedingte Haarausfall äußert sich in den meisten Fällen in Form des diffusen Haarausfalls, bei dem kein eindeutiger Verlaufstyp erkennbar ist.

Formen Haarausfall

Haarausfall kann unterschiedliche Formen annehmen. Die Ausprägung, der Verlauf und das Tempo können variieren. Die Formen, welche neben der Androgenetischen Alopezie (also dem erblich bedingtem Haarausfall) am häufigsten diagnostiziert werden, sind der kreisrunde und der diffuse Haarausfall. Beide Formen können sowohl bei Frauen als auch bei Männern auftreten.

Beim kreisrunden Haarausfall sind oft immunologische Faktoren der Grund für Erkrankungen und Wachstumsstörungen der Haare. Einer oder mehrere kahle Flecken erscheinen dabei in kreisrunder oder ovaler Form auf dem Kopf und breiten sich dann weiter aus. So plötzlich wie der Ausfall der Haare begonnen hat, kann er sich auch wieder einstellen. Der Krankheitsverlauf ist meist sehr unterschiedlich. Im Gegensatz zum erblich bedingten Verlust der Kopfhaare tritt der kreisrunde Haarausfall jedoch seltener auf und muss nicht zwangsläufig auf das Kopfhaar beschränkt sein.

Bei diffusem Haarausfall dünnt das Kopfhaar insgesamt aus. Der Haarverlust ist weitläufig zu beobachten und nicht auf klar erkennbare Stellen wie beim kreisrunden Haarausfall begrenzt. Ursächlich dafür sind in der Regel konkrete Faktoren, die aber nicht unbedingt leicht zu diagnostizieren sind. Meistens ist der diffuse Haarausfall mit dem Beseitigen der Ursache geheilt. Sind z.B. Mangelerscheinungen der Grund für den Haarverlust, so kann mit der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln der Ausfall der Haare gestoppt werden.

Kreisrunder Haarausfall

Der örtliche Verlust des Haares beim kreisrunden Haarausfall – in der Fachsprache auch Alopecia Areata genannt – ist vermutlich auf eine Autoimmunkrankheit zurückzuführen. Häufig fallen binnen kurzer Zeit und ohne Vorwarnung viele Haare auf einmal aus. Das muss sich nicht nur auf das Haupthaar beschränken. Beim kreisrunden Haarausfall greifen aus noch nicht geklärten Gründen die Zellen des körpereigenen Immunsystems die Haarfollikel an. Aufgrund der daraus resultierenden Entzündung wird das Haarwachstum beeinträchtigt, und das Haar fällt an dieser Stelle aus. Wissenschaftler vermuten zusätzlich einen erblichen Zusammenhang, da sich der Ausbruch von Alopecia Areata in manchen Familien häuft.

Die kahlen Stellen können in der Größe variieren. Schreitet der kreisrunde Haarausfall weiter fort, wachsen die betroffenen Stellen zusammen und bilden so eine größere Fläche ohne Haarwuchs. Die Ränder der kahlen Stellen sind klar abgegrenzt. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass die Haarfollikel nicht zerstört werden. Das Nachwachsen der Haare an den betroffenen Stellen ist also sehr wahrscheinlich.

Der Verlauf der Krankheit ist in unterschiedlicher Weise möglich. Die Alopecia Areata kann nach ein paar Monaten ohne äußere Einflussnahme spontan wieder abklingen. In anderen Fällen tritt sie chronisch immer wieder auf. Im ungünstigsten Fall führt sie zum totalen Verlust des Haares am Kopf oder sogar am ganzen Körper.

Diffuser Haarausfall

Der diffuse Haarausfall kann nicht auf eine Ursache beschränkt werden wie es bei der Alopecia Areata der Fall ist. Die Gründe sind vielfältig. Hormonschwankungen, Infektionen, falsche Ernährung, bestimmte Medikamente und auch Stress tragen zum Verlust des Haupthaares bei. Die Haare fallen bei dieser Form großflächig aus, so dass das Kopfhaar insgesamt ausgedünnt ist und die Kopfhaut durchscheint.

Im Gegensatz zum kreisrunden Haarausfall können hier einfache Gegenmaßnahmen sehr effektiv wirken. Sind bestimmte Stoffe der Auslöser (z.B. Medikamente), so sollten diese abgesetzt werden. Sind Mangelerscheinungen die Ursache (z.B. durch Magersucht, Bulimie, aber auch durch eine falsche Art der Ernährung wie Veganismus), müssen die fehlenden Stoffe dem Körper zugeführt werden (z.B. Eisen oder Vitamine). Hormonell bedingtem diffusen Haarausfall, der vor allem bei Frauen nach Schwangerschaften oder in den Wechseljahren auftritt, kann mit Östrogenpräparaten entgegengewirkt werden. Wenn Stress den Haarausfall verursacht, sollten Maßnahmen zur Bewältigung ergriffen werden (z.B. autogenes Training). Ist eine Infektion die Ursache für den diffusen Ausfall der Haare, so wird voraussichtlich nach dem Abklingen der Krankheit das Haarwachstum wieder einsetzen.

Nach Beseitigen des Auslösers des Haarverlusts wachsen beim diffusen Haarausfall die Haare in der Regel wieder nach. Ist jedoch das Alter der Grund für das eingeschränkte Wachstum der Haare, wird eine Therapie wenig erfolgreich sein.

Haarausfall Diagnose

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie mehr Haare verlieren als im Normalfall, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, um einen eventuellen krankhaften Haarausfall zu diagnostizieren. In der Regel spricht man von Haarausfall, wenn Sie mehr als 100 Haare pro Tag verlieren.

Bevor Sie sich beim Arzt vorstellen, können Sie zu Hause die ersten Schritte einer Diagnostizierung selbst tun. Mit Hilfe einer Selbstdiagnose werden Sie schnell Klarheit haben, ob Ihr Haarverlust ernst zu nehmen ist und ob Sie ärztlichen Rat einholen sollten.

Wenn Sie dann unsicher sind und zum Entschluss kommen sollten, dass der Besuch beim Arzt unvermeidlich ist, kann dieser vielfältige Methoden anwenden, um den Grund Ihres Haarverlusts ausfindig zu machen. Der Arzt beginnt mit eher einfachen Untersuchungen der Haare bzw. der Kopfhaut, bei denen er durch Tasten, Reiben oder mechanischen Einfluss wie sanftes Zupfen die Haardichte und -festigkeit ermitteln kann. Um Genaueres über die Ursache erfahren zu können, wird der Arzt an Ihnen eine Blutuntersuchung durchführen.

Für weitere Untersuchungen kommen dann effizientere Techniken zum Einsatz. Dank moderner computergestützter Verfahren ist die Analyse des Haarausfalls immer exakter geworden. Mit Hilfe von Trichogramm, Trichoscan und einer Biopsie der Kopfhaut wird das Haar genau unter die Lupe genommen. Leider sind nicht alle diese Methoden schmerzfrei.

Haarausfall Selbstdiagnose

Das Haar unterliegt einem natürlichen Zyklus des Wachsens, des Übergangs und des Ausfallens. Dass Sie ab und zu ein paar ausgefallene Haare von sich finden, bedeutet nicht, dass Sie von einer krankhaften Form des Haarverlusts betroffen sind. Das erste und auch einfachste Diagnoseverfahren ist das Zählen der täglich ausgefallenen Haare. Von Haarausfall wird erst dann gesprochen, wenn am Tag mehr als 100 Haare verloren gehen. Das bedeutet, dass im ersten Schritt alle Haare gezählt werden, die nach dem Kämmen oder Bürsten in Kamm und Bürste zu finden sind. Vergewissern Sie sich dabei, dass nicht schon vor dem Kämmen einige Haare im Kamm vorhanden sind, damit das Ergebnis nicht verfälscht wird.

Bei dieser Methode sollten Sie versuchen, möglichst alle ausgefallenen Haare am Tag zu erfassen. Das bedeutet nicht nur, dass Sie die ausgefallenen Haare beim Waschen auffangen und zählen müssen. Ebenso sollten Sie darauf Acht geben, auch die Haare auf Ihrer Kleidung oder auf dem Kopfkissen wahrzunehmen. An Tagen, an denen die Haare gewaschen werden, kann es schon einmal vorkommen, dass Sie bis zu 200 ausgefallene Haare zählen. Darüber sollten Sie sich keine Sorgen machen, denn durch das mechanische Einwirken beim Waschen lösen sich üblicherweise mehr Haare, was vollkommen normal ist.

Haarausfall – Diagnose durch den Arzt

Wenn Sie glauben, an Haarausfall zu leiden, sollten Sie sich einem Arzt anvertrauen. Dieser wird sich zuerst das Haar und die Kopfhaut ansehen. Der Arzt scheitelt das Haar und untersucht mit bloßem Auge Dichte und Struktur sowie krankhafte Veränderungen der Kopfhaut.

Um den Schweregrad des Haarverlusts herauszufinden, zupft und zieht der Arzt an verschiedenen Stellen im Haar. Auch das Durchfahren des Haares mit der Hand dient dem selben Zweck. Gibt es Störungen in der Struktur, bringt dies der Arzt mittels Aneinanderreiben der Haare in Erfahrung. Dabei kann er feststellen, ob sie verstärkt brechen. Etwas genauer ist der Einblick bei Trichogramm, Trichoscan und bei einer Biopsie. Mit dem Trichogramm untersucht der Arzt die Haarwurzeln. Dafür wird eine Strähne von einer betroffenen Stelle ausgerissen sowie eine Strähne von einem gesunden Bereich. Unter dem Lichtmikroskop wird dann sichtbar, in welchem Verhältnis die im Wachstum und die in der Ausfallphase befindlichen Haare stehen. Außerdem wird bei dieser Methode gleichsam die Befindlichkeit der Haarwurzel erfasst.

Das Trichoscan ermittelt die Haardichte und den Haarwurzelstatus. Dazu werden auf einer etwa zwei Zentimeter großen Fläche Haare abrasiert, die Fläche wird eingefärbt und schließlich mit einem digitalen mikroskopischen Fotoapparat aufgenommen. Nun kann die Haardichte ermittelt werden. Bei der Biopsie wird unter örtlicher Betäubung ein etwa vier Millimeter großes Gewebestück aus der Kopfhaut entnommen. Nach der Untersuchung unter dem Mikroskop kann die Menge der aktiven Haarfollikel ermittelt werden.

Mit diesen Methoden kann der Arzt zwar feststellen, ob ein ungesunder Haarverlust vorliegt, aber nicht, welche Ursache dieser hat. Das kann nur durch eine Blutuntersuchung aufgeklärt werden.

Haarausfall Therapiemöglichkeiten

Bei übermäßigem Haarausfall ist immer zuerst wichtig, die Ursache dafür herauszufinden. Ohne dieses Wissen ist eine gezielte und erfolgreiche Therapie nicht möglich. Je nach Auslöser des Haarverlusts ist die Art der Therapie zu wählen.

Dazu bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Grundlegend wird durch eine Umstellung der Ernährung dafür gesorgt, dass das Haar alle notwendigen Nährstoffe erhält. Liegen andere Ursachen vor, die nicht allein durch eine geänderte Ernährung beseitigt werden können, besteht die Möglichkeit der Medikamenteneinnahme. Als letzte Mittel sind die Haartransplantation und die Gentherapie zu nennen, welche sehr kostenintensiv sind.

In unserer Gesellschaft gehört Haarausfall nicht zum Schönheitsideal. Dass ein Mann schon in frühen Jahren kahle Stellen am Kopf bekommt ist nicht unbedingt wünschenswert, aber immerhin haben sich mittlerweile die meisten Menschen an dieses Bild gewöhnt. Besonders schwer ist es für Frauen, die an Haarausfall erkrankt sind. Eine Frau entspricht dem allgemeinen Verständnis von Schönheit, wenn sie gesundes und kräftiges Haar hat. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass vor allem betroffene Frauen psychisch sehr stark leiden.

Bevor jedoch eine Therapie anschlägt und die Haare wieder nachwachsen, können einige Monate vergehen. Bis dahin gibt es natürlich die Möglichkeit, den Haarausfall zu kaschieren. Durch kosmetische Hilfsmittel kann sich dem Schönheitsideal wieder angenähert werden.

Haarausfall – Kosmetische Hilfsmittel

Schütterem Haar oder gar einer Glatze kann neben der medizinischen Therapie auch anderweitig entgegen gewirkt werden. Mit Hilfe von Hüten und Tüchern können kleinere Stellen gekonnt verdeckt werden. Ist der Haarausfall deutlich erkennbar, können auch Haarteile oder Perücken zum Einsatz kommen.

Perücken haben heutzutage einen eher schlechten Ruf. Dabei ist das wenig verständlich, denn schon ein Blick in die Geschichte macht deutlich, dass sie vor allen Dingen als Modeaccessoir getragen wurden – man denke nur an die prachtvollen Perücken zu Zeiten von Ludwig XIV. Auch heute werden Perücken aus modischen Gründen immer noch gern getragen.

Wenn Sie sich für eine Perücke entscheiden, sollten Sie in eine hochwertige vom Fachmann investieren. Tragekomfort und Haltbarkeit sind Ihnen in den Händen eines Spezialisten garantiert. Dieser passt das Zweithaar an Ihren Kopf an, so dass andere dieses nicht von echtem Haar unterscheiden können.

Wenn sich der Ausfall der Haare z.B. auch auf die Augenbrauen ausbreitet, kann hier mit Make-up nachgeholfen werden. Problematisch ist die geringe Haltbarkeit der Schminke. Es besteht die Möglichkeit, mit Tätowierungen bzw. Permanent Make-up die Augenbrauen dauerhaft nachzuzeichnen. Dabei sollte Ihnen aber bewusst sein, dass Tätowierungen nur mittels einer Operation entfernt werden können bzw. Permanent Make-up erst nach ein paar Jahren wieder verblasst.

Haarausfall Ernährungsumstellung

Vor allem der diffuse Haarausfall – also der Verlust des Haares über den gesamten Kopf ohne erkennbares Muster – gründet sich in vielen Fällen auf die Nährstoffunterversorgung des Haares und der Kopfhaut. Hier gilt: zuerst muss die genaue Ursache des Haarausfalls bekannt sein, dann kann gezielt therapiert werden. Wenn also das Verlieren der Haare auf falsche Ernährung zurückzuführen ist, wird eine Ernährungsumstellung den Haarausfall eindämmen. Mit dem Wachstum neuer Haare kann aber erst in etwa zwei bis sechs Monaten gerechnet werden, da so lange die Ausfallphase innerhalb des normalen Haarzyklus währt.

Grundlegend sind folgende Stoffe für gesundes Haar von großer Bedeutung: Eisen, Zink, Biotin, Folsäure und B-Vitamine. Bei diffusem Haarausfall gehen zwar vermehrt Haare verloren, aber die Haarwurzeln sind noch intakt. Deshalb kann durch die Einnahme dieser Stoffe das Haarwachstum wieder angeregt werden. Bei einigen Patienten ist die Ursache aber nicht feststellbar. Hier wird meist eine symptomatische Behandlung mit schwefelhaltigen Aminosäuren und B-Vitaminen durchgeführt.

Zusätzlich kann der Aufbau des Haares dadurch unterstützt werden, indem weitere leicht anzuwendende Maßnahmen getroffen werden. Zum Beispiel wirken nicht nur viel Schlaf und Bewegung positiv auf das Haarwachstum. Mit einer ausgewogenen Ernährung mit Vollkorn, Milchprodukten sowie Obst und Gemüse kann das Wohlbefinden gesteigert werden. Dann geht es auch dem Haar besser.

Haarausfall Medikamente

Vor allem Betroffene des erblich bedingten Haarausfalls, bei der sich das Kopfhaar an typischen Stellen lichtet, kommen bei der Therapie nicht um die Anwendung von Medikamenten herum. Des Weiteren ist bei dieser Form zu beachten, dass die Wirkung nur so lange anhält, wie das Medikament auch zum Einsatz kommt. Bei Abbruch der Anwendung werden wieder vermehrt Haare ausfallen.

Da die Androgenetische Alopezie aufgrund einer Überempfindlichkeitsreaktion des Haarfollikels auf männliche Sexualhormone entsteht, kommen bei ihrer Therapie Medikamente zum Einsatz, die die Bildung des Stoffes Dihydrotestosteron hemmen, welcher in der Haarwurzel als Abbauprodukt des männlichen Hormons Testosteron entsteht und für die Überreaktion verantwortlich ist. Diese Medikamente können sowohl als Tinktur als auch in Tablettenform angewendet werden.

Bei der Androgenetischen Alopezie bei Frauen wird mitunter auch die Anti-Baby-Pille eingesetzt. Einige dieser Medikamente enthalten Antiandrogene, die das Wirken der männlichen Sexualhormone hemmen, welche die Überempfindlichkeitsreaktion beim erblich bedingten Haarausfall auslösen.

Für den kreisrunden Haarausfall (Alopecia Areata) gibt es nur wenige Therapiemöglichkeiten. Mit Hilfe von kortisonhaltigen Haartinkturen wird versucht, das Immunsystem zu unterdrücken, welches fälschlicherweise die Haarfollikel angreift.

Auch hier ist wieder von großer Wichtigkeit, dass die Therapie mindestens zwei bis sechs Monate durchgehalten wird, da sich aufgrund des natürlichen Haarzyklus erst nach diesem Zeitraum ein Effekt bemerkbar macht.

Haartransplantation

Eine Haartransplantation ist besonders attraktiv bei Androgenetischer Alopezie. Hierbei werden vom beharrten Hinterkopf unter örtlicher Betäubung die intakten Haarwurzeln entnommen. Dann werden die Haarwurzeln selektiert und präpariert. Nachdem auf den kahlen Stellen Implantationskanäle vorbereitet wurden, wird das Eigenhaar dorthin transplantiert. Nach dem üblichen Zeitraum von zwei bis sechs Monaten entwickeln sich neue gesunde Haare, die ein ganzes Leben lang erhalten bleiben.

Es gibt zwei Methoden der Haartransplantation. Einerseits kann ein schmaler Hautstreifen entnommen werden, bei dem eine kleine linienförmige Narbe zurückbleibt. Bei der zweiten Methode werden die Haarfollikel einzeln oder in einer Gruppe transplantiert. Bei der früheren Methode der Hautinsel-Verpflanzung wurden noch ganze Hautinseln entnommen und in dieser Form auf eine kahle Stelle verpflanzt. Das Ergebnis sah im Gegensatz zu heutigen Methoden sehr unnatürlich aus.

Die Haartransplantation ist nur mit eigenem Haar möglich. Fremdhaar erkennt das Immunsystem als Fremdkörper an und stößt es ab. Es ist also ratsam, die Transplantation bereits vorzunehmen, wenn die haarlosen Stellen noch überschaubar sind. Wenn noch genügend Eigenhaar vorhanden ist, können logischerweise auch mehr Haare transplantiert werden. Die Haartransplantation mit anderen Körperhaaren ist aufgrund der andersartigen Beschaffenheit nicht möglich.

Aufgrund des wechselhaften und spontanen Befalls ist eine Haartransplantation bei diffusem und kreisrundem Haarausfall nicht effektiv.

Haarausfall Gentherapie

Bei einer genetischen Veranlagung zu Haarausfall, wie es bei der Androgenetischen Alopezie der Fall ist, ist der Verlust des Haares schon vorprogrammiert. Betroffene Menschen können in diesem Fall nur noch retten, was noch zu retten ist. Der Umfang der zur Verfügung stehenden Medikamente ist dabei sehr gering. Außerdem muss mit unerwünschten Nebenwirkungen gerechnet werden. Ein Neuwuchs der Haare wird nur in wenigen Fällen erreicht. Bei einer lebenslangen Einnahme dieser Arzneimittel überrascht der hohe Kostenaufwand nicht mehr. Problematisch wird die Therapie besonders für Frauen, da eine Schädigung des ungeborenen Kindes befürchtet werden muss.

Noch ist es Zukunftsvision, aber Forscher arbeiten bereits daran, die Gene in den Haarwurzeln zu ersetzen, die für den Haarausfall verantwortlich sind. Grundsätzlich könnte man mit dieser Praxis alle Arten von Krankheiten heilen. Der Vorteil der Gentherapie liegt darin, dass sie praktisch nebenwirkungsfrei arbeitet, denn es werden nur die betroffenen Gene entfernt und die gesunden bleiben erhalten.

Einerseits wird versucht die Gene herauszuarbeiten, die am Verlust der Haare Schuld haben bzw. die, welche für die Reaktivierung nicht mehr funktionierender Haarfollikel verantwortlich sind, so dass wieder Haare auf bereits kahlen Stellen wachsen könnten. Andererseits wird der Einsatz bestimmter Stoffe getestet, mit dessen Hilfe vollkommen neue Haarwurzeln auf haarlosen Flächen wachsen sollen.

Wie kann ich Haarausfall vorbeugen?

Grundlegend ist zu sagen, dass auch das Haar den Stoffwechselprozessen des Körpers unterliegt, das heißt, dass Mangelerscheinungen auch am Haar sichtbar werden. Deshalb gilt hier wie auch für den Rest des Körpers: eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung ist das A und O für einen funktionierenden Stoffwechsel, denn dann arbeitet die Nährstoffaufnahme in der Haarwurzel ohne Komplikationen. Die Durchblutung der Kopfhaut und damit eine verbesserte Sauerstoff- und Nährstoffaufnahme wird durch regelmäßiges Bürsten der Haare bzw. der Kopfhaut erzielt. In gleicher Weise wirkt eine Kopfhautmassage.

Äußerliche Anwendungen wie häufiges Färben der Haare oder vielfaches Dauerwellen können schon gesundes Haar schädigen. Diese Behandlungen sollten erst recht bei Haarausfall unterlassen werden. Um die Festigkeit nicht zu beeinträchtigen, sollten die Haare beim Frisieren nicht zu straff gebunden werden.

Trockene Kopfhaut und spröde Haare können durch zu häufiges Waschen bewirkt werden. In diesem Fall sollten die Haare nur einmal in der Woche gereinigt werden. Um weiteres Austrocknen zu vermeiden, darf die Temperatur des Föns nicht zu hoch sein. Die beste Methode ist dabei immer noch das Lufttrocknen.

Intensive Sonnenbestrahlung sowie Chlor- und Salzwasser greifen das Haar an. Es wird trocken und spröde. Die beste Methode wäre, den Kontakt zu vermeiden, doch oft ist das nicht möglich. Dann hilft die Anwendung eines Haaröls.