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Hyaluronsäure – Wirkung, Anwendung und Produkte

Aus der Sicht des Chemikers ist Hyaluronsäure ein Polysaccharid, ein natürlicher Mehrfachzucker oder noch genauer ein Glykosaminoglykan. Es handelt sich dabei um eine durchsichtige, gelartige Flüssigkeit, die unser Körper mittels Enzyme selbst synthetisiert. Hyaluronsäure kommt beim Menschen fast überall im Körper vor, zum Beispiel in der Haut, in den Bandscheiben und Knochen, im Glaskörper des Auges und in der Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit).

Als medizinischer Wirkstoff wird Hyaluronsäure zur Behandlung von Gelenkverschleiß (Arthrose) eingesetzt. Aufgrund seiner chemischen Struktur kann Hyaluronsäure relativ viele Wassermoleküle einbinden und so eine reibungsfreie Mechanik der Gelenke ermöglichen. Gerade diese Fähigkeit, viel Wasser zu binden, prädestiniert die Hyaluronsäure für einen weit gefächerten Einsatz in der Kosmetik. So eignet sie sich zum Beispiel zur Faltenunterspritzung. In der Konsequenz enthalten viele Anti-Aging Produkte Hyaluronsäure, unter anderem sogar auch Feuchtigkeitscremes.

Die körpereigene Produktion der Hyaluronsäure nimmt mit zunehmendem Alter ab. In der Folge verliert das Bindegewebe an Spannkraft und Elastizität. Dadurch entstehen die ersten Falten, die sich bald weiter sichtbar vertiefen. So gesehen gehört die Hyaluronsäure zu den wichtigsten, Feuchtigkeit spendenden Stoffen in der Haut. Vereinfacht ausgedrückt könnte man sagen, dass Hyaluronsäure fast wie ein Schwamm fungiert. Sie ist in der Lage, das Tausendfache ihres Eigengewichts an Wasser zu binden, um auf diese Weise als wässriges Gel die Haut (wie aufgeblasen) glatt zu spannen.

Da, wie oben schon erwähnt, mit zunehmendem Alter der Hyaluronsäureanteil in der Haut kontinuierlich abnimmt, hat dies ganz erhebliche Konsequenzen für das Aussehen unserer Haut, die meisten bezeichnen das als „alt“. So entwickeln sich ab circa 40 Jahren vermehrt Fältchen, wobei die Haut auch an Elastizität verliert. Aus diesem Grunde sollten Sie bei der Auswahl Ihrer Hautpflegeprodukte darauf achten, dass diese mit „fragmentierter Hyaluronsäure“ angereichert sind.

Hyaluronsäure

Hyaluronsäure ©iStockphoto/Zerbor

Die verschiedenen Darreichungsformen der Hyaluronsäure sind:
– Hyaluronsäure-Spritzen
– Hyaluronsäure-Ampullen
– Hyaluronsäure-Cremes
– Hyaluronsäure-Gel
– Hyaluronsäure-Augentropfen
– Hyaluronsäure-Kapseln

Die Cremes und Spritzen werden unter anderem auch in der ästhetischen Medizin eingesetzt. Hierbei steht die Faltenunterspritzung mit Hyaluronsäure in einem besonderen Fokus. Die verschiedenen Gel-Präparate unterscheiden sich vor allem im Hinblick auf das Molekulargewicht. Die damit erzielten Effekte können ungefähr sechs bis zwölf Monate anhalten, danach wird der Arzt eine erneute Faltenunterspritzung empfehlen. Mit derartigen Injektionen können auch das Gesäß, die Lippen oder die Brüste temporär „wohlgeformt“ werden.

Hyaluronsäure gegen Falten

Mehrere durchaus unterschiedliche Anti-Aging Produkte sind mit Hyaluronsäure angereichert. Diese Pflegeprodukte werden direkt auf die Gesichtshaut aufgetragen, um sie über Nacht einwirken zu lassen. Am nächsten Morgen erleben Sie eine schöne Überraschung im Spiegel, denn Ihre Haut sieht dann straff und prall aus, der Unterschied zu gestern macht Jahre aus. Es gibt auch Kapseln, die oral eingenommen von innen her wirken.

Die Kosmetikindustrie stellt den Verbrauchern Hautcremes mit Hyaluronsäure zur Verfügung. Diese basieren auf der Eigenschaft der Säure, Wassermoleküle einzubauen. Auf die Haut aufgetragen wirkt das im Ergebnis glättend und verjüngend. Die tieferen Hautschichten können so aber nicht mit Hyaluronsäure versorgt werden, das heißt, wir erreichen damit kurzfristig einen oberflächlich durchaus beeindruckenden Effekt. Eine wirklich nachhaltige Glättung der Falten ist so nicht möglich.

Beim Unterspritzen von Substanzen, die Hyaluronsäure enthalten, ist das anders, allerdings handelt es sich hierbei um eine echte Therapie, die man in einer dermatologischen Praxis durchführen lassen sollte. Die positiven Ergebnisse halten dann sogar einige Monate an. Richtig gemacht ist die Faltenunterspritzung absolut ungefährlich. Der Vorgang kann sogar in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.

Hyaluronsäure kommt auch bei Gelenkbeschwerden und Arthrose zum Einsatz

Von Arthrose, das ist der übermäßige Verschleiß des Gelenkknorpels, sind nicht nur alte Menschen betroffen. Bei körperlichen Fehlstellungen, auch ausgelöst durch einen Unfall oder exzessiv betriebenem Sport wie Laufen, können Knorpelbereiche so weit beschädigt sein, dass die Knochen im Gelenk sehr schmerzhaft direkt auf der empfindlichen Knochenhaut reiben. Besonders betroffen sind die Knie (zum Beispiel bei defektem Innenmeniskus), die Hüften, Bandscheiben, aber auch das Schultergelenk. Rechtshänder, die täglich stundenlang auf der Computer-Mouse herumklicken (müssen), klagen bei den Orthopäden zunehmend über massive Schmerzen im rechten Schultergelenk. Die Veränderung unserer Arbeitswelt trägt nicht unwesentlich zu bestimmten Krankheitsbildern bei.

Im Zuge der sogenannten Viscosupplementation spritzt der Arzt Hyaluronsäure direkt in die Gelenktzwischenräume. Hier finden dann eine Vermischung und Anreicherung mit der in der Gelenkkapsel natürlicherweise vorhandenen Hyaluronsäure statt, die Gelenkschmiere (Synovia) wird so effektiviert und das Gelenk wird beweglicher und schmerzfrei. Es gibt dazu auf dem Markt verschiedene Präparate, die je nach Anamnese zum Einsatz kommen, auch die Anzahl und Wiederholungsrate der Injektionen passt der Orthopäde an das vorliegende Krankheitsbild an. Zusätzlich können auch noch Hyaluronsäure-Kapseln verabreicht werden, um die Gelenkschmiere von innen weiter aufzubauen. Derartige Medikamente werden auch rezeptfrei angeboten und sind in aller Regel ohne Nebenwirkungen.

Selbstschmierende Gelenke

Eine wirklich sehr wichtige Unterstützung für die Gelenke ist ihre ständige, lastfreie Bewegung. Sobald die Hyaluronsäure zu wirken beginnt und das Gelenk fast schmerzfrei bewegt werden kann, sollte der Patient genau dies auch tun, zum Beispiel mit Radfahren, Schwimmen, Spazierengehen, Kniebeugen, Rücken- und Krankengymnastik. Das Ziel dabei ist, die Hyaluronsäure in jeden beliebigen Winkel des Gelenks einzupressen, denn sie ist das „Futter“ für den Aufbau neuen Knorpelmaterials. Wir möchten dies an einem Beispiel aus dem Blickwinkel der Krankengymnastik verdeutlichen:

Erinnern Sie sich noch an Ihre Kindheit, als Sie auf dem Boden auf den Knien sitzend noch mit Legosteinen spielten? Wie lange haben Sie so schon nicht mehr gekniet? Aber genau dies ist eine Extremstellung, die die Hyaluronsäure mit Druck in entlegene Bereiche des Gelenks pumpt, wo sie sonst kaum vorhanden ist. Wer es also noch kann, sollte diese Stellung täglich einmal einnehmen. Wer bereits (leichte) Knieprobleme hat, wird nach wenigen Wochen eine Verbesserung bemerken, und zwar auch ganz ohne Medikamente.

Hyaluronsäure für die Schleimhäute

Gerade in der kalten Jahreszeit leiden viele Menschen an ausgetrockneten Nasenschleimhäuten, die dann zugleich der Nährboden für die Entwicklung von Erkältungen und Nebenhöhlenentzündungen ist. Zur Vorbeugung empfehlen wir die regelmäßige Anwendung eines Nasensprays mit Hyaluronsäure. Der Wirkstoff legt sich dann wie ein schützender Film auf die Schleimhäute, sodass das Eindringen von Bakterien deutlich behindert wird.

Trockene Augen sind eine Volkskrankheit

Auch in diesem Fall sind Augentropfen mit Hyaluronsäure zu empfehlen. Gerade wer täglich viele Stunden vor dem Bildschirm verbringt, ist prädestiniert für trockene Schleimhäute im Bereich der Augen. Die Hyaluronsäure in den Augentropfen sorgt dafür, dass sich über den Augen ein dünner, Wasser bindender Film ausbildet, der die Augen wie unsere natürliche Tränenflüssigkeit lange feucht hält. Diese wirklich schnell helfenden Augentropfen kann jeder rezeptfrei in der Apotheke kaufen. Kontaktlinsenträger sollten darauf achten, ihre Kontaktlinsen erst circa 20 Minuten nach Anwendung der Augentropfen wieder einzusetzen.