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Imago Therapie – So klappt es wieder in der Liebe

In jeder Partnerschaft kommt irgendwann der Punkt, an dem man das Gefühl hat, der Alltag hat die Oberhand gewonnen und irgendwie ist im Umgang mit dem geliebten Partner der Wurm drin. Missverständnisse, verletzte Eitelkeiten und Empfindlichkeiten werden schleichend immer häufiger an die Stelle von liebevoller Aufmerksamkeit und Verständnis gesetzt.

Doch was kann man selbst dazu beitragen, wenn plötzlich die Gegensätze gegenüber den Gemeinsamkeiten überwiegen? Hat man sich etwa auseinander gelebt und bleibt nur noch aus Gewohnheit zusammen? Oder ist es nicht eher so, dass man im täglichen Stress vergessen hat, sich um das empfindliche Pflänzchen Liebe zu kümmern? Eine Variante, dem verhängnisvollen Kreislauf von Missverständnis und Konflikt zu entkommen und auch der Liebe eine neue Chance zu geben ist die Imago Therapie.

Sechs Schritte für die Partnerschaft

Die Ursprünge der Imago Therapie liegen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Der Therapeut Dr. Harville Hendrix soll zusammen mit seiner Frau Helen Hunt diese Art der Paartherapie erstmals unter diesem Namen vorgestellt haben. Sie gründet jedoch weit früher, so zum Beispiel in den Arbeiten von Siegmund Freud und C.G. Jung. Kernpunkt der Imago Therapie ist der Umstand, dass der Mensch in jeder Art der zwischenmenschlichen Beziehungen von Kindesbeinen an geprägt wird. Dabei kommen stets auch Enttäuschungen und Konflikte zum Tragen, die im späteren Leben das Verhalten von Personen maßgeblich beeinflussen. Die daraus resultierenden, seelischen Verletzungen können über die sechs Schritte der Imago Therapie gelindert oder gar geheilt werden.

Konflikte klären lernen

Die sechs Aspekte der Imagotherapie gliedern sich in verschiedene Bereiche, in denen der Mensch an sich selbst arbeiten muss, damit er innerhalb der Partnerschaft wieder glücklich werden kann. An erster Stelle steht dabei die Offenheit und Bereitschaft zur Klärung von Konfliktsituationen. Zumeist spürt man instinktiv, wenn etwas unausgesprochen zwischen zwei Menschen steht. Dieses Gefühl sollte man ernst nehmen und versuchen, über ein Gespräch eine erste Klärung mit dem Partner zu finden. Nur wer mit der betroffenen Person über einen Konflikt oder eine Unstimmigkeit redet, kann das Problem klären. Das Gespräch mit der besten Freundin oder dem besten Freund hilft dabei nur kurz die Symptome zu behandeln, nicht jedoch die Ursache zu beseitigen.

Glückliches Paar

Glückliches Paar @iStockphoto/Denis Raev

Verletzungen erkennen

Der zweite Aspekt der Imago Therapie umfasst das Erkennen eigener Verletzungen. Wer beispielsweise die Kritik am eigenen Äußeren („Die Farbe steht dir nicht, darin siehst du zu dick/dünn aus…“) oft persönlich nimmt und sich leicht verunsichern lässt, sollte die eigene Vergangenheit auf entsprechende Erlebnisse hin überdenken. Wurde man als Kind wegen eines Outfits bloßgestellt? War die Mutter sehr auf Äußerlichkeiten bedacht und hat entsprechend häufig kritisiert? Häufig können Parallelen zwischen dem Verhalten heute und Geschehnissen in der Vergangenheit gefunden werden. Ist ein solcher Zusammenhang gefunden, lässt sich meist schon eine größere Distanz zu solchen vermeintlichen Angriffen herstellen.

Den Kreis durchbrechen

Die in der Kindheit erlernten Verhaltensmuster sind häufig auch im Leben des Erwachsenen noch präsent. Die Eltern forderten dabei regelmäßig die Unterordnung der Kinder, den Respekt gegenüber Autoritätspersonen und zeigten Konsequenzen aus Einhaltung und Nicht-Einhaltung der Forderung. Dieser Verhaltenskreislauf ist insbesondere in Partnerschaften noch vorhanden und ihn gilt es zu durchbrechen.

Man ist heute gleichberechtigt in der Partnerschaft und jeder der Partner hat das Recht auf seine eigene Meinung. Diese klar und sachlich zu übermitteln ist häufig schwer – kann aber gelernt werden, was den dritten Aspekt der Imago Therapie ausmacht.

Kleine Freuden, große Wirkung

Der hektische Alltag macht häufig die schönste Beziehung mürbe, wenn nicht regelmäßig an ihr gearbeitet wird. Dies geht in vielen Partnerschaften unter – aus Stress, Vergesslichkeit, Selbstverständlichkeit und Bequemlichkeit. Dem anderen eine kleine Freude zu machen, die ihm sagt „Ich hab an dich gedacht“, lenkt die Aufmerksamkeit wieder auf die Partnerschaft. Die Wiederentdeckung des Partners kann dabei auch im Kleinen stattfinden: Der gemütliche Abend zu zweit (ohne Fernseher und Co.), ein Kino- oder Theaterbesuch, ein Konzert oder der Besuch im Lieblingsrestaurant. Kinder sollten an solchen Abenden jedoch bei Freunden oder der Familie untergebracht werden – einen Abend „Paar“ sein statt „Eltern“ kann viel verändern.

Träume, Wünsche und Visionen

Wenn man den Bezug zum Partner wieder neu herstellen will, kann die „kleine Freude“ den Anfang machen. Nachfolgend können weitere Aspekte wie Themen wie Träume für die Zukunft, Visionen von der „optimalen Beziehung“ und sexuelle Wünsche offenes Gesprächsthema werden: Nur wenn der Partner weiß, wovon sie träumen, kann er mit ihnen zusammen an der Umsetzung arbeiten. Treten Hemmungen insbesondere im Bereich der sexuellen Phantasien auf, kann ein gemeinsamer Besuch im Erotikshop helfen, diese abzubauen. Das gegenseitige Erzählen und Beschreiben von Träumen und Wünschen aller Lebensbereiche hilft, das Vertrauen und die Gemeinsamkeiten wieder aufzubauen.

Abschied von der Vergangenheit

Alte Verletzungen und Enttäuschungen liegen in der Vergangenheit. Dort sollte man sie auch belassen und möglichst von ihnen Abschied nehmen. Die ersten Schritte heraus aus dem Kreislauf der Verhaltensmuster sind schwierig – und umso schwieriger, je mehr Ballast man noch mit ihnen verbindet. Das kostet unnötig viel Kraft und Energie, die man im „Jetzt“ besser gebrauchen kann. Der Abschied kann dabei symbolisch geschehen, indem man das Erlebte aufschreibt oder Bilder sammelt, die man vergräbt oder wahlweise verbrennt. Somit schafft man sich einen bildhaften Abschied, der das Loslassen erleichtert.

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