Skip to main content

Zahnimplantate Pflege

Der Weg zu einem hochwertigen Zahnimplantat ist mit aufwendigen Behandlungen und hohen Kosten verbunden. Von einem professionellen Zahnarzt oder Implantologen eingesetzte künstliche Zahnwurzeln können jedoch unter guten Voraussetzungen das ganze Leben lang halten. Damit sich die Investition auf lange Sicht auszahlt, sollte der Patient großes Augenmerk auf eine sorgfältige Pflege der Zähne und des neuen Zahnersatzes legen, denn der Erhalt eines voll belastbaren und stabilen Zahnimplantats hängt maßgeblich von einer konsequenten und umfassenden Hygiene des gesamten Mundraums ab. Nur zweimal täglich die Zähne zu putzen reicht nicht aus, um die Gesundheit des Kieferknochens und Zahnfleisches zu erhalten. Eine konsequente, zweimal täglich durchgeführte Pflegeroutine ist jedoch schnell erlernt und macht sich auf lange Sicht bezahlt.

Das Entzündungsrisiko minimieren

Die größte Gefahr für die langfristige Stabilität eines Zahnimplantats stellen nach dem operativen Eingriff entstehende Entzündungen der Mundhöhle dar. Die künstliche Zahnwurzel muss fest im Kieferknochen und Zahnfleisch verankert sein, um eine feste Basis für den Zahnersatz zu bieten und eine ausreichende Stabilität während des Kauens zu gewährleisten. Durch die Implantation entsteht eine Wunde, die einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt ist, da im Mundraum Bakterien und Keime leben, die die Stelle besiedeln und eine Entzündung auslösen können. Mediziner sprechen hier von einer sogenannten Perimuscositis, die sich bei ausbleibender Behandlung in einer Rückbildung des Zahnfleisches äußert. Der Patient bemerkt dies meist durch Zahnfleischbluten, einen unangenehmen Geschmack im Mund, schlechten Atem oder ein geschwollenes, gerötetes Zahnfleisch. Nicht immer stellen sich deutlich feststellbare Symptome ein, die auf eine Mucositis oder Gingivitis hindeuten. Diese Entzündungen, die in der Fachsprache als Periimplantitis bezeichnet werden, können jedoch zum Abbau von Knochengewebe führen, wodurch die künstliche Zahnwurzel an Stabilität verliert. Die Periimplantitis gilt als die häufigste Ursache für den Verlust von Zahnimplantaten. Daher sind regelmäßige Besuche beim Zahnarzt und sorgfältige Mundhygiene Grundvoraussetzungen, um Keime rechtzeitig bekämpfen zu können, bevor sie für das Implantat gefährliche Infektionen auslösen. Der Zahnarzt wird im Zuge der regelmäßig durchgeführten Kontrollen genau feststellen oder messen können, ob das Zahnfleisch intakt oder krankheitsbedingt zurückgegangen ist. Röntgenuntersuchungen geben Aufschluss über einen möglichen Abbau von Knochensubstanz im Kiefer, der gegebenenfalls gezielt behandelt werden kann, bevor das Implantat an Stabilität einbüßt.

Die ersten Tage nach der Implantation

Besonders sensibel ist die erste Phase unmittelbar nach dem operativen Eingriff, im Zuge dessen die Einarbeitung des Implantats in den Kieferknochen erfolgte. Vorsichtige Pflege ist in den ersten Tagen nach der Operation äußerst wichtig, um die Wunde nicht zu schädigen und den Heilungsprozess nicht zu stören. Je eher die Wunde gut verheilt, desto geringer ist das Risiko, dass Bakterien eindringen und eine Entzündung bedingen. Für diese erste Phase der Pflege des Implantats stehen spezielle Zahnbürsten zur Verfügung, deren Verwendung der Zahnarzt dem Patienten nahelegen wird. Dabei handelt es sich um sogenannte chirurgische oder postoperative Bürsten, die wegen ihrer ultraweichen Borsten besonders sanft zum verletzten Zahnfleisch sind. Allerdings sollte nur die Stelle des Implantats mit einer solchen Zahnbürste gereinigt werden, während beim übrigen Gebiss mit der gewohnten Pflege fortgefahren wird. In der Zeit nach der Operation sollte zusätzlich regelmäßig eine Mundspülung zum Einsatz kommen, die antibakterielle Wirkstoffe enthält.

Implantat-Pflege

Implantat-Pflege @iStockphoto/Alexander Gatsenko

Grundregeln der Pflege

In den meisten Fällen ist die Wunde nach einigen Tagen soweit verheilt, dass das Implantat mit Zahnbüste, Zahnpasta und weiteren Pflegeprodukten gereinigt werden kann. Auch weiterhin empfiehlt sich zur gezielten Pflege die Verwendung einer weichen Zahnbüste, die in Verbindung mit antiseptischer Zahnpasta benutzt werden sollte, um eine mögliche Verbreitung von Keimen einzudämmen. Zur umfassenden Reinigung der Zähne nach einer Implantation hat sich vor allem Chlorhexidin bewährt, das in Form von Zahnpasta und Mundspülungen erhältlich ist und einen Großteil der Bakterien in der Mundhöhle beseitigt.

Die Pflege der Mundhöhle sollte täglich am Morgen und am Abend nach der letzten Mahlzeit durchgeführt werden. Zunächst werden dabei die Zwischenräume der Zähne mit antibakterieller Zahnseide gereinigt. Spezielle Interdentalbürsten, die in verschiedenen Größen erhältlich sind, erzielen in vielen Fällen ein noch besseres Ergebnis als Zahnseide. Die künstlichen einzelnen Zähne oder festsitzenden Brücken sollten anschließend mit Zahnbüste und Zahnpasta zusammen mit den anderen Zähnen sorgfältig geputzt werden, um die Beläge zu beseitigen. Um die gesamte Mundhöhle zu desinfizieren, kann zusätzlich eine antiseptische Mundspülung verwendet werden, dies ist allerdings bei sorgfältigem Putzen mit Bürste und Zahnseide beziehungsweise Interdentalbüste nicht unbedingt notwendig.

Sorgfältige Reinigung von Zahnimplantat und Gebiss

Ausschlaggebend für eine umfassende Reinigung von Zahnimplantaten ist die korrekte Putztechnik, die sich von der herkömmlichen Pflege gesunder Zähne stark unterscheidet. Wie für gesundes Zahnmaterial gilt auch bei Zahnimplantaten eine optimale Putzdauer von etwa drei Minuten. Eine weiche Zahnbürste, idealerweise mit abgerundeten Borsten, sollte immer in einem Winkel von 45 Grad zur zu reinigenden Fläche gehalten werden, um sämtliche Stellen gut zu erreichen. Allerdings können auch durch sorgfältiges Putzen in einem Winkel von 45 Grad die Zwischenräume nicht ausreichend gesäubert werden, was die Verwendung von Zahnseide, Zahnstochern oder Interdentalbüsten notwendig macht. Die von Bakterien verursachten Beläge, die sich zwischen den Zähnen und Implantaten bilden, können ebenfalls zur Entstehung einer Periimplantitis führen und sollten daher konsequent beseitigt werden. Interdentalbüsten sind dafür besonders gut geeignet. Sie sind in verschiedenen Größen und mit zylindrisch oder konisch an einem biegsamen Drahtstück angeordneten Kunststoffborsten erhältlich und sehen aus wie winzige Flaschenputzer. Sie werden ohne Zahnpasta eingesetzt, können aber effizienter reinigen, wenn sie vorher mit etwas antibakteriellem Mundwasser benetzt werden. Um eine Verbreitung der aufgenommenen Keime zu verhindern, werden Interdentalbüsten oft gewechselt. Sie sollten nur an Stellen zum Einsatz kommen, wo die Abstände zwischen den Zähnen und Implantaten ausreichend Platz bieten. Enge Zahnzwischenräume sollten nicht mit Interdentalbüsten gereinigt werden, da die sensiblen Zahnfleischzipfel zwischen den Zähnen durch aggressives Scheuern Schaden nehmen können. Eine aggressive Putztechnik bewirkt auf Dauer nämlich eher das Gegenteil und führt zu Entzündungen in kleinen Wunden, die sich ausbreiten und zu einer Gingivitis führen können. Für solch enge Stellen empfiehlt sich daher die Verwendung von Zahnseide. Diese ist je nach individuellen Vorlieben in vielen Geschmacksrichtungen und Stärken erhältlich. Sie besteht aus dünnen Fäden aus Baumwolle oder synthetischen Fasern, die ungewachst oder mit spezieller Beschichtung versehen sind. Nicht beschichtete und flauschige Zahnseide nimmt mehr Essensreste und Beläge auf, allerdings können sich einzelne Fasern zwischen den Zähnen verhängen. Gewachste Produkte können nicht so leicht ausfasern, sind jedoch auch rutschiger und können bei hektischer Handhabung kleine Wunden im Zahnfleisch verursachen. Für die Pflege der Zwischenräume zwischen künstlicher Zahnwurzel, Halsstück und Zahnersatz sollte spezielle Zahnseide wie beispielsweise „Superfloss“ zur Anwendung kommen, die für die gezielte Reinigung von Implantaten, Zahnspangen und Brücken entwickelt wurde. Sie besteht aus drei Komponenten, einer Einfädelhilfe, einem flauschigen und dickeren Mittelteil und einer herkömmlichen Zahnseide. Für die richtige Anwendung solcher Spezialprodukte sollte der Zahnarzt zu Rate gezogen werden. Wer den altbewährten Zahnstocher vorzieht, kann zu Produkten aus Kunststoff mit Flaumbürsten greifen, die als „Brushsticks“ bezeichnet werden und wesentlich bessere Reinigungsergebnisse erzielen als herkömmliche Holzzahnstocher.

Grundsätzlich gilt beim Zähneputzen und Reinigen der Zwischenräume ebenso wie bei der Pflege des Implantats: Wird über längere Zeit zu starker Druck ausgeübt, kann dies nicht nur dazu führen, dass sich das Zahnfleisch allmählich zurückzieht, sondern auch Zahnsubstanz abgetragen wird und die Zähne anfälliger für schädliche, von Bakterien gebildete Säuren werden. Die Zähne und der künstliche Zahnersatz sind dann sauber, wenn sie frei von Belägen sind und sich die Oberflächen bei Berührung mit der Zunge glatt anfühlen. Gesundes, richtig gepflegtes Zahnfleisch lässt sich daran erkennen, dass es auf Berührung nicht blutet, straff am Zahn anliegt und eine blassrosa Farbe aufweist.

Herausnehmbare Teile des Zahnersatzes sollten keinesfalls mit Zahnpasta gereinigt werden, da sie die Oberfläche des Materials zerkratzen kann. Zur täglichen Säuberung von künstlichen Zähnen eignen sich eine spezielle Prothesenbüste und sanfte, idealerweise pH-neutrale Flüssigseife.

Kontrolle und Reinigung durch den Profi

Eine sorgfältige Pflege zuhause ist eine der Grundvoraussetzungen für die Haltbarkeit eines Zahnimplantats, kann jedoch eine professionelle Reinigung, die mindestens zweimal im Jahr durchgeführt werden sollte, nicht ersetzen. Eine professionelle Zahnreinigung erreicht nämlich auch die Stellen problemlos, wo Zahnbüste, Interdentalbüste und Zahnseide versagen. Daher ist sie als ergänzende Pflegemaßnahme ideal und trägt zu einer umfassenden Mundhygiene bei. Diese regelmäßigen Besuche beim Zahnarzt sind auch deshalb wichtig, weil im Zuge der Sitzungen die Ergebnisse der Zahnpflege zuhause überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden können. In umfassenden Beratungsgesprächen wird der Profi dem Patienten genaue Anweisungen geben, wie sich die häusliche Pflege verbessern lässt. Optimale Techniken der Handhabung von Zahnbürste und anderen Utensilien werden verständlich erklärt und mit übersichtlichen Graphiken veranschaulicht.

Ein gesunder Lebensstil für ein haltbares Implantat

Neben einer umfassenden häuslichen Pflege der Zähne und der regelmäßigen Inanspruchnahme professioneller Betreuung durch den Zahnarzt können Patienten auch durch ihre Ernährungsgewohnheiten einiges zur Langlebigkeit ihres Zahnimplantats beitragen.

Vor allem inhalativer Tabakkonsum sollte dem künstlichen Zahnersatz und der Mundgesundheit zuliebe aufgegeben werden. Zahlreiche Studien belegen, dass Raucher einem drastisch erhöhten Risiko ausgesetzt sind, ihr Zahnimplantat frühzeitig zu verlieren. Einerseits beeinflusst der Tabakkonsum den Prozess der Osseointegration negativ, andererseits entzieht er dem Körper wichtiges Vitamin C. Eine ausreichende Versorgung mit diesem Vitamin ist jedoch äußerst wichtig für eine gesunde Beschaffenheit des Zahnfleisches. Ein Mangel an Vitamin C ist häufig an einem Rückgang von Zahnfleisch und einer Schädigung der Mundschleimhaut erkennbar. Wissenschaftler konnten in zahlreichen Studien einen Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und einer Vielzahl von chronisch-entzündlichen und degenerativen Erkrankungen nachweisen. Zu diesen zählen auch Parondontitis und Periimplantitis. Ein frühzeitiger Verlust des Zahnimplantats als Folge von Rauchen kann auftreten, da eine schlechte Durchblutung und eine reduzierte Konzentration von Mineralstoffen im Kieferknochen das Zellenwachstum beeinträchtigen und die Osseointegration nicht vollständig erfolgen kann. Viele professionelle und verantwortungsbewusste Zahnärzte setzen Zahnimplantate ausschließlich Patienten, die Nichtraucher sind.

Ebenso wichtig für den langfristigen Erfolg eines Zahnimplantats ist eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung, die zum überwiegendem Teil aus pflanzlicher Kost, Fleisch und Fisch aus biologischer Haltung, kalziumreichen Milchprodukten und hochwertigen Kohlenhydraten und Vollkornprodukten besteht. Auf Lebensmittel aus weißem Mehl und mit hohem Zuckergehalt sollte ebenso verzichtet werden wie auf Alkohol, denn sie beeinträchtigen die Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen aus der Nahrung, die der Organismus benötigt, um Kieferknochen und Zähne gesund zu halten. Eine ausgewogene Ernährung ist daher nicht nur für die Langlebigkeit eines Zahnimplantats ausschlaggebend, sondern auch für den Erhalt der gesunden natürlichen Zahnsubstanz.

Top Artikel in Zahnimplantate