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Kinderkriegen – das letzte Abenteuer?

Die Welt und die Möglichkeiten des Menschen sind heute so bunt und vielfältig wie nie. Hier ein wenig Spannung, dort ein wenig Aufregung und der zusätzliche Adrenalin-Kick wird nur noch durch Bungeejumping und Freeclimbing erreicht. Doch ein Abenteuer der „alten Art“ hat bis heute nichts von seinem Reiz eingebüßt: Das Kinderkriegen.

Wohl kaum eine Erfahrung ist so einprägsam und persönlichkeitsverändernd wie die Elternschaft. Nach neun Monaten unterschiedlichster Erfahrungen von größter Freude über Aufregung bis hin zu Sorgen und Ängsten wird von einem Tag auf den anderen das eigene Leben vollständig umgekrempelt. Ein solches Abenteuer macht den härtesten Mann weich und stärkt die schwächste Frau. Interessen, Lebensweise, Verantwortlichkeiten – alles ändert sich über Nacht. Und die eigene Rolle innerhalb dieses Lebens muss nicht selten vollkommen neu definiert werden.

Ohne dieses Abenteuer wäre die Menschheit längst ausgestorben. Ein derart kleines Wesen ist alleine nicht in der Lage, zu überleben. So gesehen ist es nichts ungewöhnliches, wenn ein Paar ein Kind bekommt. Und doch besitzt diese Selbstverständlichkeit ihren ganz eigenen Zauber, der für jedes Elternpaar einzigartig ist.

Beziehung und Elternschaft

Eine Partnerschaft oder gar eine Hochzeit ist heute nicht mehr mit einer solchen Verbindung vor einigen Jahrzehnten vergleichbar. Partnerschaften können sich trennen, Verheiratete geschieden werden und jeder seiner eigenen Wege gehen. Wenn ein Kind ins Leben seiner Eltern tritt, ist dies anders. Es entsteht eine Verbindung, die sich nicht mehr lösen lässt, als sei dort ein unsichtbares Band, welches Eltern und Kind aneinander „kettet“.

Einen Partner kann man sich aussuchen – Kinder nicht. Man muss sie annehmen und lieben, wie sie sind, muss für sie sorgen und ihnen alles wichtige für das Leben beibringen. Nicht nur heute oder morgen, sondern über Jahre hinweg.

Auch die Eltern, Mutter wie Vater, müssen sich in ihrer Rolle erst zurechtfinden lernen. Neben den bisherigen Verpflichtungen kommt nun die Verantwortung für ein kleines Lebewesen hinzu. Spätestens jetzt ist der Rest der eigenen Kindheit vergangen, man wird gezwungen, erwachsen zu sein. Dieser Umstand kann eine Beziehung festigen oder eine Prüfung darstellen, je nachdem, auf welcher Basis die Beziehung vorher bestand hatte.

Entsprechend wichtig ist die gegenseitige Unterstützung der Eltern. Vielfach gerät einer oder beide Partner in die Situation, ab der Elternschaft nur noch Mutter oder Vater zu sein und die Position als Frau oder Mann des Partners zu übergehen. Um so wichtiger ist es, sich selbst ein Stück Freiraum zu schaffen, in dem Zeit für die eigenen Bedürfnisse ist, da man nach zahlreichen durchwachten Nächten wohl kaum mehr in der Lage ist, die feurige Geliebte oder der aufregende Verführer zu sein.

Schwangere Frau

Schwangere Frau @iStockphoto/Valua Vitaly

Gibt es den richtigen Zeitpunkt?

Viele Menschen sind inzwischen der Meinung, dass es den richtigen Zeitpunkt nicht gibt, um Kinder zu bekommen. Mit zwanzig möchte man sein Leben genießen und Erfahrungen sammeln, in den Dreißigern steht zumeist die Karriere im Blickfeld des Interesses, deren Erfolge man auskosten möchte. Ende der Dreißiger bis zu den Vierzigern beginnt die biologische Uhr zu ticken, wenn man von seinem Kind dann auch noch etwas mitbekommen möchte und ihm die Schmach ersparen will, dass die anderen Grundschüler einen für die Großeltern halten. In jedem Fall kann man sagen, dass ein Kind „Opfer“ fordert. Wie diese Opfer jedoch aussehen müssen, liegt ganz an den zukünftigen Eltern. Nicht wenige Eltern schaffen es schließlich, ihrem Kind gute und aufmerksame Eltern zu sein und dennoch die eigenen Ziele zu verfolgen. Häufig sind gerade diese Eltern sogar deutlich ausgeglichener als „Vollzeit-nur-Eltern“, da sie ihren persönlichen Freiraum behalten und sich somit auch die eigenen Bedürfnisse erfüllen. Dass es zu schaffen ist, beweisen hunderttausende von Eltern Tag für Tag. Organisation ist alles – auch in der Elternschaft.

Bereicherung oder Risiko?

Ein Kind muss man sich leisten können. Dieser Satz zeigt ein Argument auf, welches viele Menschen gegen den Entschluss eines eigenen Kindes vorbringen. Und in der Tat kostet jedes Kind seine Eltern von der Geburt bis zum Einstieg ins Berufsleben ungefähr soviel wie ein Eigenheim. Wer dann seine eigenen Ansprüche auch noch auf das Kind überträgt und ihm „etwas bieten“ möchte, steht in Zeiten von hohen Arbeitslosenzahlen, Hartz IV und regelmäßigen Verteuerungen der Lebenshaltungskosten vor einer schwerwiegenden Entscheidung.

Gegen diese sachlichen Fakten stehen jedoch sehr emotionale Werte: Kinder zu erziehen heißt immer auch die eigenen Fähigkeiten zu schulen. Kinder erziehen die Eltern zu einem neuen Humor, zu Optimismus, zu Gelassenheit und Improvisationsvermögen. Auch organisatorisch verlangen sie viel von ihren Eltern, erhöhen die Leidensfähigkeit aber auch Ausdauer, Durchsetzungsvermögen und Leistungsfähigkeit.

Und all diese Fähigkeiten benötigen Eltern auch, weil Kinder an den Nerven zerren, ungeduldig machen, ängstlich, besorgt und einen in den Wahnsinn treiben. Umgekehrt wird man wohl nur durch das eigene Kind erfahren, was es heißt stolz, gerührt oder überwältigt vor Freude zu sein.

Die Entscheidung für oder gegen Kinder kann jeder Mensch nur selbst treffen. Man ist zumindest die ersten 16 Jahre nie alleine, wird selbst erwachsen und ändert sein Leben von Grund auf durch eine veränderte Sicht auf die Belange des Lebens. Ob dies ein Vorteil oder ein Nachteil ist, muss jeder für sich entscheiden.

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