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Kleine Schönheitsfehler – Makel oder Vorzug?

Wohl kaum eine Frau ist mit ihrem Aussehen derart zufrieden, dass sie nicht die eine kleine oder andere größere Körperpartie ändern wollen würde. Der Busen zu klein, die Zähne zu schief, die Nase zu groß und die Oberschenkel zu dick… Die moderne Schönheitschirurgie macht möglich, was lediglich der Geldbeutel in der Umsetzung ausbremst.

Wenngleich die Wissenschaft besagt, das gleichmäßige Gesichtszüge ohne besondere Merkmale von der Allgemeinheit bevorzugt als „schön“ empfunden werden, so zeigt sich doch immer wieder, dass es gerade die kleinen Unregelmäßigkeiten in der Optik sind, die einen Menschen zu einer Besonderheit machen. Was wären schließlich unsere Stars wie Cindy Crawford ohne ihr Markenzeichen Leberfleck, Julia Roberts ohne ihr etwas zu breites Lachen oder Madonna ohne ihre Lücke zwischen den Schneidezähnen. Letztere teilt übrigens mit vielen erfolgreichen Menschen ihren kleinen Makel, so dass es immer wieder Überlegungen zu einem Zusammenhang zwischen den Zahnlücken und dem Erfolg auftreten.

Doch die Medien diktieren vor, was bei Normalsterblichen häufig das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl schmälert. Schlanke, sportliche Körper mit Modelmaßen sollen es sein, die mit gleichmäßigen Proportionen aufwarten. Diesen Eindruck fördern auch Fernsehformate wie „The Swan“, in denen nach stressigem Kampf und zahlreichen Prüfungen die Absolventinnen mit einer Schönheitsoperation „belohnt“ werden. Doch ob das neue Aussehen am Ende wirklich die Einstellung zum eigenen Körper verändert, bleibt fraglich.

Nicht umsonst behauptet der Volksmund, dass „wahre Schönheit“ von innen komme. Ausstrahlung und Charisma gepaart mit einer positiven Lebenseinstellung machen aus jedem hässlichen Entlein einen Schwan im Geiste. Das Beste aus dem eigenen Typ zu machen ist entsprechend erfolgversprechender als sich mit der Masse den Idealen von Medien und Werbung anzupassen. Gesunde Ernährung statt sich dünn (und krank) zu hungern. Einige Werbefirmen haben dabei bereits den Wandel eingeläutet: Weg von den Standards, hin zur Individualität. Da machen ältere Damen Werbung „Pro Age“ – für das Alter und seine Reize, statt Dreißigjährige gegen Falten kämpfen zu lassen. Und nicht wenige Menschen, Männer wie Frauen, haben gerade wegen eines optischen Makels erst den Sprung in die Medienwelt geschafft, weil sie einen Wiedererkennungswert haben, beispielsweise die Nasen von Barbra Streisand, Sarah Jessica Parker oder Gerard Depardieu.

Schönheitsfehler

Schönheitsfehler @iStockphoto/jason salmon

Auch in der Geschichte zeigt sich dass ein Makel nicht ursächlich für mangelndes Selbstwertgefühl sein muss. Gerade früher galten heutige „Mängel“ oft als „Zeichen edler Herkunft“. Dazu gehören neben einer großen Nase auch eine hohe Stirn. Der französische Schriftsteller Cyrano de Bergerac galt ebenfalls als Ziel der Spötter wegen seiner großen Nase. Dieser bewies jedoch Witz und Geist, indem er es sich zur Gewohnheit machte, mit schlagfertigen und kreativen Bemerkungen über sein großes Riechorgan und die Mängel des Gegenübers zu kontern. Bekannt geworden ist er für eben jene Fertigkeiten – nicht für seine Nase. Abgesehen von all diesen Aspekten, liegt die Schönheit stets im Auge des Betrachters, da glücklicherweise die Geschmäcker der Menschen grundverschieden sind.