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Krankheitsauslöser Stress

„Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig die Geschwindigkeit zu erhöhen“. Dieses Zitat Gandhis beschreibt wohl sehr genau, an welchem grundlegenden Problem die moderne Gesellschaft leidet. Leistungsdruck und seelische Belastungen sorgen dafür, dass laut einer Studie der WHO (Weltgesundheitsorganisation) allein in Europa rund 35 Millionen Menschen unter dem Einfluss einer stressbedingten Depression stehen.

Im Alltag hat es oft den Anschein, als würde die Uhr sich immer schneller drehen und der Berg noch zu erledigender Aufgaben beständig wachsen. Aber die Kombination aus einem schnelleren Tempo und immer neuer Leistungssteigerungen hat nicht nur eine seelische Anspannung zur Folge, sondern kann sich auch auf den Körper übertragen. Neben dem Immunsystem leiden am Ende auch die körperliche Verfassung und das Lebensgefühl. Wichtig ist es also, einfach mal einen Gang herunterzuschalten.

Was in der Vergangenheit unter den verschiedensten Namen wie etwa dem Burn-Out Syndrom immer wieder zum Fall für die Medizin wurde, sollte uns eigentlich vor Gefahren schützen. Denn Stress ist nicht eine Erfindung der Moderne, sondern hat im Tierreich eine wichtige Aufgabe – Stress sichert das Überleben. Der Körper reagiert auf die verschiedenen Umwelteinflüsse wie Hitze oder Kälte und die Bedrohung durch Fressfeinde mit der Ausschüttung von sogenannten Stresshormonen. Damit wird eine schnelle Anpassung an neue Situationen erreicht. Stress steuert zum Beispiel das Fluchtverhalten einer Antilope vor ihren Jägern. Was sich während unserer Entwicklung also für das Überleben in der rauen Tierwelt als nützlich erwiesen hat, wird im Alltag der Großstadt schnell zu einem ernsthaften Problem.

Stress wird vor allem dann zum Problem, wenn Betroffene ständig angespannten Situationen ausgesetzt werden und einzelne Stressereignisse nicht mehr von Ruhephasen abgelöst werden. Diese Dauerbelastung führt schließlich dazu, dass selbst starke Charaktere irgendwann unter der Last ihrer Stresshormone zusammenbrechen und auf medizinische Hilfe angewiesen sind.
Stress – ein zweischneidiges Schwert.

Stress

Stress @iStockphoto/Otmar Winterleitner

Stress ist nicht immer gleich Stress, sondern kann durchaus in eine positive Variante, die unser Leben interessanter gestaltet, und eine negative Form unterschieden werden. Letzterer, auch als Distress bezeichnet, kann das Leben zur Hölle machen und wird vor allem aufgrund mangelnder Ruhephasen zwischen einzelnen Stresssituationen ausgelöst. Neben einer beruflichen Komponente, etwa ein ständig präsenter Leistungsdruck oder Zeitmangel, sind als Ursachen für Distress auch Probleme privater Natur denkbar, welche von Beziehungsproblemen über finanzielle Nöte bis hin zur Prüfungsangst führen können. Wird der Körper unter diesen Umständen einem dauerhaften Einfluss von Stresshormonen ausgesetzt, kommt es früher oder später dazu, dass Stress krank macht. Die positive Form, der sogenannte Eustress, hat dagegen einen vollkommen anderen Einfluss auf unseren Körper. Bestandene Prüfungen oder brenzlige Situationen im Straßenverkehr, die ohne Folgen bleiben, lösen am Ende sogar Glücksgefühle aus und machen um eine Erfahrung reicher. Wichtig für das positive Stressempfinden sind vor allem die Ruhepausen zwischen den einzelnen Situationen, in denen sich Körper und Geist wieder erholen können.

Was bewirkt Distress?

Die Auswirkungen des Distress auf den menschlichen Körper können unterschiedlicher Natur sein. Nicht nur, dass Charakter und Psyche negativ beeinflusst werden, auch der Körper leidet unter dem Dauerzustand Stress und verweigert früher oder später seinen Dienst. Eine der wohl schwerwiegendsten Folgen ist die Entstehung von Krebs sowie eine deutlich höhere Gefahr für das Erkranken an einem Herzinfarkt. Daneben kann negative Anspannung auch für die Ausbildung einer Diabetes oder von Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen verantwortlich sein. Schon allein aufgrund der vielen körperlichen Auswirkungen sollte die Vermeidung eines hohen Stresslevels im Alltag oberste Priorität genießen. Aber damit sind die Folgen noch längst nicht erschöpft. Gerade die psychische Gesundheit leidet zuerst unter der Dauerspannung. Betroffene sind erschöpft, fühlen sich auch nach dem Aufstehen noch müde und wirken unkonzentriert oder haben sogar Angst vor dem täglichen Gang zur Arbeit. Um diese Belastung wenigsten in einem gewissen Rahmen kompensieren zu können, greifen Stresspatienten immer wieder zu Alkohol, Nikotin oder Medikamenten und Drogen. Eine dauernde Abwärtsspirale setzt sich in Gang, die sich im Lauf der Zeit immer schneller zu drehen beginnt. Schuld an diesen Auswirkungen ist die Ausschüttung von Stresshormonen, zu denen neben dem bekannten Adrenalin auch Noradrenalin und Cortisol zählen, die dafür sorgen, dass auch die Organe den Stress zu spüren bekommen. Aufgrund eines dauerhaft hohen Adrenalinspiegels werden die Herzgefäße und Nieren angegriffen. Zusätzlich wird in Stresssituationen ein Protein freigesetzt, das unter Umständen sogar zu Entzündungen führen kann. Wer sich in seiner Jugend ständigem Stress aussetzt, muss am Ende damit rechnen, schneller zu altern. Schuld ist das Hormon Cortisol, welches dafür sorgt, dass die Telomere, ein bedeutender Baustein des Alterungsprozesses, verkürzt werden. Damit sinkt die Lebensdauer einer Zelle merklich ab und es kommt zu einer Beschleunigung des Alterungsprozesses im Körper der Betroffenen. Eine weitere Tatsache führt dazu, dass Stress in Massen gefährlich werden kann: Durch eine Stresssituation können Gene aktiviert werden, die bis dahin für den Körper keine Bedeutung hatten.

Was gegen Stress tun?

Stress – eine Geißel der Menschheit? Diese Frage muss am Ende jeder für sich beantworten, denn an vielen Situationen, in denen wir Spannungen ausgesetzt sind, ist nicht nur unsere Umgebung schuld. Eine der wichtigsten Grundregeln im Umgang mit Stress lautet: Ruhe bewahren. Egal wie viel Arbeit im Büro wartet oder ob ein Kollege wieder seine Laune an anderen auslässt, wer sich in diesen Situationen eine entspannte Grundhaltung bewahrt, sieht sich weniger Stress ausgesetzt. Und sollte es im Alltag trotz allem ein wenig hektisch zugehen, empfehlen sich autogenes Training, eine Atemtherapie oder die Suche nach Entspannung. Als besonders wirkungsvoll haben sich Übungen des fernöstlichen Kulturkreises erwiesen, zu denen unter anderem Tai Chi oder Yoga gehört. Beide werden von stressgeplagten Personen immer wieder gern dazu eingesetzt, um einen Teil der inneren Ruhe wieder zurückzugewinnen. Joggen, ein kurzer Spaziergang oder eine halbe Stunde auf dem Rad sorgt für einen deutlich zügigeren Abbau der Stresshormone und setzen zusätzlich Endorphine frei, welche bekanntlich einen positiven Effekt auf unseren Körper haben. Unterstützt wird ein aktives Stressmanagement auch durch ausgewogene Mahlzeiten, die Vitamine, Mineralstoffe und Energie bieten. Die Einnahme von Medikamenten und das Trinken von Alkohol sollten dagegen vermieden werden. Und noch etwas kann Stress reduzieren: Ein Arbeitsplan. Gerade in Berufen, die unterschiedlichste Aufgaben bereit halten und mit einem hohen Leistungsdruck verbunden sind, gehören zu den Krankmachern durch Stress. Wer sich an dieser Stelle Arbeiten einteilt und die Prioritäten richtig setzt, wird durch weniger Anspannung am Arbeitsplatz für das organisatorische Talent belohnt.

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