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Küssen, die züngelnde Versuchung

„Sie dürfen die Braut jetzt küssen“ klingt auf dem Standesamt oder in der Kirche des 21. Jahrhunderts nur noch traditionell oder gar wunderlich. Tatsächlich aber war dieser erste eheliche Kuss bis zum Ende des 19. Jahrhunderts der Beginn der erlaubten Sexualität. Ein Kuss auf den Mund galt damals auch als Eheversprechen. Noch lange nach der sexuellen Revolution gab es in Deutschland viele unaufgeklärte Jugendliche, die meinten, dass Frauen durchs Küssen schwanger werden können. Jugendmagazine wie Bravo leisteten gute Aufklärung und solche Missinterpretationen sollten heute die Ausnahme sein.

Wahrscheinlich ist das Küssen eine Folgeerscheinung der Evolution. Tiere und Menschen der Frühzeit reichten ihre vorgekaute Nahrung von Mund zu Mund an ihren Nachwuchs weiter. Diese Art der Fütterung war der einfachste und verlustfreieste Weg, der gleichzeitig auch die Verbundenheit darstellte. Im Laufe der Zeit ist dann ein Zeichen der Liebe daraus geworden. Der Kuss ist heute noch die häufigste Art, seine Zuwendung auszudrücken.

In den verschiedenen Kulturkreisen ist der Kuss mit unterschiedlichen Bedeutungen belegt und hat sich zu einer recht komplexen nonverbalen Sprache entwickelt. Es gibt Regionen der Erde, wo öffentliches Küssen verboten oder verpönt ist. In anderen Kulturkreisen kommt man bei keiner Begrüßung ohne den Wangenkuss davon. Wie viele Küsse dabei gegeben werden, hängt ebenfalls von den regionalen Traditionen ab. Die Deutschen begrüßen sich mit ein bis zwei Bruderküssen, die Franzosen hingegen kommen oft auf vier. Diese Art des Begrüßens hat auch schon lange den adeligen Handkuss verdrängt und ist Normalität in der Welt der Reichen und Schönen geworden.

Wer seinen ersten Kuss in einer Liebesbeziehung erhält, wird diesen wohl nie vergessen. Zu Hause mag man oft von Eltern und Verwandten geküsst worden sein. Doch die erste Liebesbezeugung außerhalb der Familienstrukturen ist ein bedeutendes Ereignis. Der Partner kommt noch näher, man schmeckt und riecht die geliebte Person und doch wird manchmal der erste Kuss zu einer nassen Enttäuschung. Vermutlich aber gibt keiner das Küssen auf, denn mit einem bisschen mehr Praxis kommen die schönen Empfindungen zur Wirkung.

Küssen

Küssen @iStockphoto/Jacob Wackerhausen

Aus hygienischer Sicht allerdings ist ein Kuss weniger einladend: Zwischen den zwei Mündern werden bis zu zehn Milligramm Speichel ausgetauscht, in dem Bakterien und Viren leben. So kann zum Beispiel die Bläscheninfektion Herpes übertragen werden. Eine gute Mundhygiene ist also auf alle Fälle von Vorteil. Zähneputzen vor dem Date bringt frischen Atem und Selbstsicherheit, wenn es zum Lippenkontakt kommt. Ist die Anwendung einer Zahnbürste nicht möglich, hilft auch ein Kaugummi, der empfehlenswerter Weise vor dem Kontakt entfernt wird. Das Küssen hat eine durchaus anregende Wirkung auf den Organismus, die selbst bei langjährigen Partnerschaften nachgewiesen wurde. Der Herzschlag erhöht sich und der Puls steigt bis auf 150 Schläge pro Minute! Die Haut wird besser durchblutet, weil sich die Gefäße erweitern und jede Menge Glückshormone werden ausgeschüttet. Manchmal kann das persönliche Wellness-Programm so einfach und kostengünstig sein.

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