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Naturkosmetik: So pflegen sie Haare natürlich

Natürliche Haarpflege

Sowohl in als auch auf unseren Köpfen hat der neue Trend zur Naturkosmetik Einzug gehalten. Wir verwenden Shampoo mit Meersalz, Pflanzenfarben mit Rhabarber, die gute alte Henna, Rohrzucker, Kokos und Reis, fast so, als seien hier der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist dabei stets die garantierte Freiheit von synthetischen Zusatzstoffen, die bestimmte Shampoos, Kuren, Spülungen, Colorationen oder Styling-Produkte in den trendigen Reigen aufnimmt. Und die Nachfrage nach natürlichen Haarpflegeprodukten nimmt nach wie vor ständig zu, was durchaus damit zusammenhängen kann, dass in letzter Zeit über andere Inhaltsstoffe wie Silikone oder Sodium Laureth Sulfate(Natriumlaurylethersulfat) oft negativ berichtet wurde.

So ist die Auswahl inzwischen unüberschaubar groß geworden, die individuell am besten passenden Produkte zu finden, wird immer schwieriger. Im Übrigen bestehen nicht alle Produkte, die vermeintlich als „grün“ angepriesen werden, tatsächlich aus rein natürlichen Zutaten. Das Problem beziehungsweise die Widersprüchlichkeit hat ihre Ursache sehr wahrscheinlich darin:

„Naturkosmetik“ ist kein gesetzlich geschützter Begriff

Einige Hersteller versuchen ihre „Glaubwürdigkeit“ dadurch zu optimieren, dass sie ihre Waren und Produkte „zertifizieren“, was auch immer das Zertifikat aussagen soll, denn es handelt sich dabei oftmals um völlig hauseigene, nichtssagende Kriterien und Lobhudeleien. So kommt es auch, dass sich immer mehr Haarpflege-Labels als Naturkosmetik deklarieren. Unternehmen wie Dr. Hauschka, Logona, Weleda oder Tautropfen achten sehr wohl auf die Verwendung rein pflanzlicher Inhaltsstoffe.

Bei „Essensity“ (Schwarzkopf Professional), „Biolage“ (Matrix) oder „Série nature“ (L’Oréal Professionnel) werden dagegen ganz bewusst Natur und Hightech-Wirkstoffe kombiniert. Genauere Informationen erhalten Sie mit etwas Glück bei einer gut ausgebildeten Fachverkäuferin, aber auch der Blick auf die INCI-Liste sowie das Erkennen des deutschen BDIH-Siegels, des französischen Ecocert oder des europäischen NaTrue-Labels geben Hinweise auf eine kontrollierte Qualität.

Naturkosmetik für Haare

Naturkosmetik für Haare ©iStockphoto/Kiuikson

Die dahinterstehenden Richtlinien lassen nur Produkte zu, die keine Erdölderivate, PEGs, Silikone, Parabene oder synthetischen Farb- und Duftstoffe enthalten. Das Ecocert-Zertifikat steht für, dass mindestens 95 Prozent aller Inhaltsstoffe einen natürlichen Ursprung haben. Das BDIH-Siegel garantiert darüber hinaus eine kontrollierte Bio-Qualität von mindestens 95 Prozent der enthaltenen Rohstoffe. Das international anerkannte NaTrue-Siegel hat mit seiner Unterteilung in die Kategorien „Bio-Kosmetik“, „Naturkosmetik“ und „Naturkosmetik mit Bio-Anteil“ eine gute Lösung gefunden.

Sind rein natürliche Produkte grundsätzlich besser?

Zunächst einmal ist festzustellen, dass natürliche Shampoos oder Spülungen hinsichtlich der Reinigungseffizienz oder ihres Duftes den konventionellen Produkten in nichts nachstehen. Auf der anderen Seite ist die weitestgehende Abwesenheit synthetischer Inhaltsstoffe (Chemie) ein Vorteil für die Verbraucher. Die waschaktiven Substanzen, zum Beispiel das intensiv entfettende Sodium Laureth Sulfat, werden hier oftmals durch Zuckertenside aus Mais oder Kartoffeln und Kokos-Öl ersetzt. An die Stelle von Silikon tritt bei natürlichen Produkten Wachs in Verbindung mit Mandel-, Kokos-, Jojoba- oder Macadamia-Öl, wodurch die Haare ebenso weich, glänzend und gut kämmbar werden. Bestimmte Pflanzenextrakte tragen neben der Pflege sogar zur Stärkung und Gesundung des Haars bei, zum Beispiel ist die Brennnessel für ihre kräftigende Wirkung bekannt oder Wacholder-Öl bekämpft die Schuppenbildung. Und die künstlichen Duftstoffe (Ester) lassen sich leicht durch ätherische Öle ersetzen.

Der Zustand unserer Haare hängt sehr stark vom Grad der Gesundheit unserer Kopfhaut ab, denn in der Kopfhaut laufen die Prozesse um die Nährstoffversorgung der Haarwurzeln ab. Silikone, die in herkömmlichen Pflegemitteln enthalten sind, behindern das Vordringen von Pflegestoffen bis zu den Haarwurzeln und schwächen so auch das Haarwachstum. Andererseits darf man aber auch nicht zu viel erwarten von den „grünen“ Produkten. Haarwurzeln, die bereits nachhaltig geschädigt sind, lassen sich dadurch nicht wiederbeleben. Ein Haarausfall, der bereits in vollem Gange ist, kann bestenfalls verlangsamt werden.

Was es beim Wechsel zu Bioprodukten zu beachten gilt

Die Haarpflege mit natürlichen Produkten schließt die Gesunderhaltung von Kopfhaut und Haar mit ein. Um dies zu verdeutlichen, betrachten wir die Funktionsweise konventioneller Shampoos und Spülungen, deren Silikone die Haaroberflächen und die Kopfhaut wie ein dichter Film umhüllen. Mit dem Wechsel zu Bio-Produkten verschwinden diese Rückstände nicht sofort, sondern können bewirken, dass die Haare noch wochenlang glanzlos und strohig aussehen. Erst dann, wenn die abgelagerten alten Rückstände vollständig ausgewaschen sind, können die natürlichen Produkte ihre wahre Pracht entfalten. Insofern ist hier etwas Geduld gefragt, um den neuen Produkten überhaupt „eine Chance auf Bewährung zu geben“.

Natürliche Haarpflege kann schon heute viele Haarprobleme lösen oder zumindest abmildern, allerdings sind diese Pflegemittel in aller Regel sehr „milde“ zusammengesetzt mit der Folge, dass erste sichtbar positive Effekte nicht sofort, sondern erst nach Wochen der Anwendung eintreten können. Auch sind die Düfte oftmals ungewohnt anders, wobei sich die Anwendung der neuen Produkte zuweilen sogar etwas aufwendiger gestalten kann. Wer seine Haare beispielsweise mit Lava-Erde wäscht, kommt zwar ohne (chemische) Tenside aus, benötigt aber anschließend viel Zeit für das vollständige Ausspülen aller Rückstände. Wer an dieser Stelle etwas nachlässig ist, bewirkt, dass seine Haar danach einen stumpfen, glanzlosen Eindruck machen und sich auch schwerer kämmen lassen. Das kann in Einzelfällen aber auch von Vorteil sein, dann nämlich, wenn die Haare wenig Volumen haben und nun deutlich voller wirken.

Über die Verträglichkeit von Naturprodukten

Bei dieser Frage lässt sich nicht einfach eine allgemeingültige Formel angeben. Sicherlich können wir feststellen, dass die milderen Naturprodukte grundsätzlich weniger Hautirritationen zur Folge haben, aber beim Thema Allergie wissen wir, dass auch kleinste Mengen natürlicher Stoffe wie Wespengift zu entfesselten Überreaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock führen können. Dabei geht es um ganz individuelle körperliche Abwehrreaktionen, die etwas mit der Gesundheit des Anwenders zu tun haben, aber nicht in der Eigenschaft der Stoffe zu suchen sind, ganz unabhängig davon, ob es sich um Produkte der chemischen Industrie oder Naturstoffe handelt. Zu den pflanzlichen Stoffen mit einem nachweislich erhöhten Allergiepotenzial gehören zum Beispiel Propolis, Eichenmoos und Nelkenöl. Henna ist dafür bekannt, dass es Kontaktekzeme auslösen kann.

Ein wichtiger Hinweis:

Wenn Sie ein Ihnen noch unbekanntes Produkt testen möchten, wenden Sie es zunächst nur in begrenztem Maße in einer Armbeuge an und beobachten Sie 24 Stunden lang Ihre Hautreaktion darauf. Sollten sich dort Rötungen, Juckreiz, Pickel oder noch heftigere, gegebenenfalls sogar schmerzhafte Reaktionen einstellen, notieren Sie sich die stoffliche Zusammensetzung, denn wahrscheinlich sind Sie dann auf einen oder mehrere der Inhaltsstoffe allergisch. Mit dem Testen anderer Produkte lassen sich so die Stoffe, auf die Sie so heftig reagieren und die Sie in Zukunft unbedingt meiden müssen, immer weiter eingrenzen.

Bio-Styling-Produkte

Auch für schöne Locken, mehr Volumen und vollen Glanz gibt es heute gute natürliche Styling-Produkte. Gerade während der letzten fünf Jahre hat sich in diesem Bereich sehr viel getan. Mit Wachs fing es an und inzwischen gibt es natürliches Gel oder Spray und sogar Schaumfestiger. Bei der Anwendung der natürlichen Helfer fallen aber kleine Unterschiede auf. Das Bio-Gel braucht in der Regel länger zum Trocknen und beim natürlichen Haarspray ist die Beweglichkeit der Haare noch etwas mehr eingeschränkt. Dagegen sind die Bio-Haarwachse wirklich perfekt.

Henna ist nicht die einzige Naturfarbe

Natürliche Haarfarben schließen neben dem rötlichen Ton auch wirklich alle Braun-Nuancen mit ein. Dazu kommen Walnuss-Schalen, Salbei, Blauholz, Kaffee, Schwarzer Tee, Hibiskus oder auch Rote Bete zum Einsatz. Wer diese Naturfarben einsetzen möchte, muss aber wissen, dass dunkles Haar damit nicht heller getönt werden kann. Es funktioniert immer nur in der anderen Richtung: Sie können eine andere in etwa gleich helle Tönung realisieren oder noch besser eine dunklere Tönung als die natürliche Haarfarbe. Dafür kann dann das Ergebnis recht lange anhalten, bis die Haaransätze nach ungefähr zwei Monaten wieder den Naturton zum Vorschein bringen, wobei die Farbkontraste aber nicht so auffällig abrupt sind wie bei der chemischen Haarfärbung. Mit den Pflanzenfarben können Sie in der Tat sehr schöne Effekte erzielen.

Kleiner Tipp: Vor der ersten richtigen Anwendung probieren Sie die neue Färbung erst einmal nur an einer „Probesträhne“ aus, denn die Realität sieht manchmal anders aus, als die Packung verspricht. So lässt sich eine große Enttäuschung verhindern.

Gerade während der Schwangerschaft möchte eine Frau ihren Körper nicht unnötig mit chemischen Stoffen belasten. Da bietet sich die Verwendung natürlicher Farben besonders an. Wichtig ist dabei allerdings, dass Sie sich genau über die Ergebnisse der Einwirkzeiten informieren, denn beispielsweise mit Henna können Sie sowohl ein leichtes Rotblond als auch ein intensives Signalrot erzeugen. Darüber hinaus können Sie mit Naturfarben auch satte Braun- und Schwarztöne herstellen. Daher gilt auch hier, einzelne Strähnen mit unterschiedlichen Einwirkzeiten zu testen. Da jedes Haar anders strukturiert ist, lässt es sich wirklich nicht allgemeingültig genau vorhersagen, welche Einwirkzeit welchen Farbton zur Folge hat. Daher kann hier nur das mutige „empirische Experiment am eigenen Körper“ weiterführen.

Praktische Hinweise:

Das Gesicht und vor allem die Stirn und die Haaransatzbereiche werden mit Streifen von Fettcreme geschützt, denn die Farben können durchaus nachhaltig ein Stück weit in die Poren der Haut eindringen. Das Farbpulver wird mit kochendem Wasser zu einer Paste angerührt. Wenn Sie stattdessen Schwarztee verwenden, wird das Ergebnis wesentlich intensiver sein (das hat etwas mit dem pH-Wert zu tun). Die Firma Logona bietet hierzu auch eine schon fertig angerührte Farbe an. Die Paste wird dann möglichst noch warm auf den trockenen Haaren verstrichen, um sie mindestens 15 Minuten oder bis zu zwei Stunden einwirken zu lassen. Danach werden die Haare gründlich mit einem milden Shampoo gewaschen. Falls Sie dann doch Hautverfärbungen feststellen, können Sie diese am besten mit etwas Zitronensaft und Pflanzenöl wegwischen, aber nicht zu stark dabei reiben.

Wie oben bereits angedeutet, können Sie Ihre Haare mit Pflanzenfarben eigentlich nur dunkler tönen. Um diese Einschränkung etwas zu relativieren, hat zum Beispiel der Hersteller Annemarie Börlind seinem Produkt ein wenig Wasserstoffperoxid hinzugefügt. Auch Sanotint arbeitet mit kleinen Anteilen synthetischer Farbstoffe, um auch ein Spektrum außerhalb der Rot- und Brauntöne anbieten zu können. Achten Sie deshalb auf der Verpackung immer genau auf die „INCI“, das ist die (ehrliche) Liste der Inhaltsstoffe.