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Ohrschmalz richtig entfernen -So machen Sie es richtig

Ohrenschmalz als verkannter Helfer

Es gibt wenig, das so unterschätzt wird, wie menschliches Ohrenschmalz und die Funktion, die es erfüllt. Dabei hat Ohrenschmalz, oder Cerumen, wie es im Fachjargon genannt wird, eine wichige medizinische Aufgabe. Es beschützt als Teil des körpereigenen Selbstreinigungmechanismus das Trommelfell und Ohrinneres täglich vor Bakterien, Schmutz und Austrocknung, weswegen es normalerweise keinen Grund gibt, Ohrschmalz bedingungslos aus den Ohren zu entfernen. Wenn überschüssiges oder zu viel produziertes Ohrenschmalz allerdings dafür sorgt, dass das Hörvermögen durch eine Verstopfung durch einen Propfen eingeschränkt ist oder Schmerzen verursacht, gibt es vor dem Gang zum HNO bestimmte Mittel, mit denen Sie ihre Ohren sanft und möglichst behutsam reinigen können.

Wattestäbchen sind keine Ohrenstäbchen

Bei der Reinigung von Ohrenschmalz ist es zunächst wichtig, eine der Behandlungsmethoden, die sich hartnäckig behauptet hat, anzusprechen. Die sowohl am prominentesten, als auch gesellschaftlich am meisten anerkannte Hilfsmittel zur Reinigung von Ohren sind wohl Wattestäbchen. Nicht umsonst werden sie im Volksmund gerne auch als Ohrenstäbchen betitelt, obwohl sie dafür nicht wirklich vorgesehen sind, denn das Hantieren mit Wattestäbchen ist wohl eines der sichersten Mittel, um den Ohren eher zu schaden beziehungweise sie im Extremfall sogar zu verletzen und unter Umständen langfristig zu schaden, statt sie zu reinigen.

Führt man ein Wattestäbchen in die Öffnung des Ohrs ein, so erwischt man zwar meist einen kleinen Teil Ohrenschmalz. Allerdings ist der größte Teil des Ohrenschmalzes mit einem Wattestäbchen gar nicht richtig zu erreichen, da es zu tief im Gehörgang sitzt und wird durch das Einführen eines Wattestäbchen schlichtweg weiter nach hinten gedrückt. Somit wird nicht nur das Reinigen des übrigen Ohrenschmalzes erschwert, es kann außerdem zu Komplikationen kommen, wenn das Ohrenschmalz komprimiert und zusammengedrückt wird und dadruch den Gehörgang verstopft und einen Propfen bildet.

Außerdem erfüllt das Ohrenschmalz im Gehörgang auch die Funktion, zu befeuchten und dafür zu sorgen, dass die empfindliche Haut nicht austrocknet. Wird versucht, das Ohrenschmalz mit Druck aus dem Ohr herauszuschaben, so fehlt der Haut zum einen der natürliche Schutz gegen Trockenheit. Zum anderen können Wattestäbchen die Haut aufreißen und verletzen.

Ohrenarzt

Ohrenarzt ©iStockphoto/oneblink-cj

Für die Entfernung von Ohrenschmalz im Gehörgang sind Wattestäbchen somit ungeeignet. Allerdings kann es zur äußeren Reinigung der Ohrmuschel verwendet werden. Befindet sich getrocknetes Ohrschmalz außerhalb des Gehörgangs, sind angefeuchtete Wattestäbchen hilfreich, umdie Ohrmuschel zu reinigen. Andererseits kann auch ein angefeuchteter Waschlappen beziehungsweise ein Tuch verwendet werden, um die Reste möglichst schonend und sanft zur Haut von den Ohren zu entfernen. Aus diesem Grund gibt es medizinisch gesehen keine Notwendigkeit, Wattestäbchen mit der Reinigung von Ohren weiterhin in Verbindung zu bringen und im Inneren des Ohrs haben Wattestäbchen erst Recht nichts mehr zu suchen.

Ohrenkerzen dienen eher der Entspannung, statt der Reinigung

Anders als Wattestäbchen, wird die Verwendung von Ohrenkerzen zur Entfernung von Ohrschmalz eher noch als Geheimtipp gesehen, wenn auch als durchaus umstrittener. Denn auch bei Ohrkerzen gilt, dass sie ihren Zweck als Reinigungsmittel nicht besonders zuverlässig erfüllen. Stattdessen kann die Wärme der Kerze und unter Umständen etwaige ätherische Zusatzstoffe durchaus der Entspannung dienen und so auf andere Art und Weise hilfreich sein.

Ohrenkerzen, die nach einem der indigenden Völker Nordamerikas auch als Hopi-Kerzen bezeichnet werden, sollten als Sicherheitsmaßnahme jedoch immer einen Filter oder eine andere Art von Auffangmittel haben, damit das flüssige Wachs nicht ins Ohr tropfen und zu Verbrennungen oder Verstopfungen führen kann.

Wird die Ohrkerze angezündet, ändern sich die Druckverhältnisse im Ohr und der entstandene Unterdruck soll dazu führen, dass das Ohrschmalz aus dem Gehörgang gedrückt wird. Aus wissenschaftlicher Sicht kann dieser Druck jedoch nicht stark genug werden, um tatsächlich eine zufriedenstellende Reinigung des Ohrs zu ermöglichen. Was hingegen nicht umstritten ist, ist der wohltuende und entspannende Effekt, den die Wärme der Kerze und die Duftstoffe auslösen können, weswegen man bei entsprechend getroffenen Sicherheitsmaßnahmen auf Ohrenkerzen nicht verzichten muss -zumindest, wenn sie der Entspannung dienen sollen.

Ohrenspülungen als Alternative zur professionellen Ohrreinigung beim HNO

Die sicherste, komfortabelste und wirksamste Vorgehensweise, um Ohrschmalz zu entfernen, sind Ohrspülungen. Dabei werden die Ohren mit Wasser vorsichtig ausgespült, wofür am besten kleine Spritzen verwendet werden. Sinnvoll sind entweder Ballonspritzen aus Gummi oder ähnliche Arten von Plastikspritzen, die mit Wasser gefüllt, vorsichtig in den Gehörgang eingeüfhrt und der tröpfchenweise entleert werden. Bei starken Vestopfungen kann es allerdings von Vorteil sein, das Ohrenschmalz vorher aufzuweichen.

Bei Hausmitteln sind hierbei ein paar Tropfen Öl beziehungsweise Babyöls zu empfehlen, oder, falls die Verstopfung nicht zu stark ist, ein Dampfbad. Dazu wie beim Inhalieren einfach eißes Wasser in eine Schüssel geben und für den zusätzlichen Entspannungseffekt ein paar Tropfen ätherisches Öl hineingeben -oder ein, zwei Teebeutel Kamillentee. Alternativ zu Hausmitteln gibt es in der Apotheke Ohrentropfen oder Ohrensprays. Hierbei gilt, das es wichtig ist, darauf zu achten, diese nicht zu kalt oder zu warm zu lagern. Denn werden Flüssigkeiten mit starkem Temperaturunterschied zur körpereigenen Temepratur in das Ohr geträufelt, so kann es zu Schwindelgefühlen kommen, da der Gleichgewichtssinn im Ohr durch den plötzlichen Temperaturunterschied negativ beeinflusst werden kann. Aber egal, ob Ohrspray, -tropfen oder Hausmittel, diese Varianten können das Ohrenschmalz zumeist nur aufweichen, sodass eine Nachbehandlung in Form von Ohrspülungen wichtig ist, um die Verstopfung wirklich zu lösen.

Besonders bei Ohrensprays beziehungsweise -tropfen ist es allerdings wichtig, dass es Unterschiede zwischen Mitteln, die für Kinder und Mitteln, die für Erwachsene geeignet sind, gibt. Es gibt zwar Produkte, die eigens auf die Bedürnisse von Kindern angepasst wurden, aber da bei Kindern das Cerumen vergleichsweise weicher ist, als bei Älteren, sollte ein Ausspülen mit Wasser beziehungsweise eine Vorbehandlung mit einem Dampfbad bereits ausreichen. Ganz besonere Vorsicht ist vor allem geboten, da das Trommelfell und der Gehörgang bei Kindern besonders empfindlich und die Haut besonders weich ist.

Der Gang zum Arzt

Wenn weder die Hausmittel, noch verschiedenen Alternativen dabei helfen können, eine Verstopfung durch Ohrenschmalz zu lösen, ist ein Gang zum Arzt zum empfehlen. Dies gilt ebenso, wenn mit der Verstopfung starke Schmerzen beziehungsweise ein Verlust des Hörvermögens einhergehen. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte entscheide sich bei der Behandlung meist entweder dafür, die Ohren auszuspülen oder benutzen spezielle Instrumente, mit denen sie das Ohrenschmalz aus den Ohren heraussaugen können.