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Patchworkfamilien – Alles unter einem Hut

Der Wandel der Gesellschaft hat einige zwiespältige Entwicklungen mit sich gebracht. Während früher eine unglückliche Ehe nur unter großem Aufwand und mit gesellschaftlichen Rückschlägen zu beenden war, gehört es heute fast schon zur Tagesordnung, dass sich Paare aufgrund unüberbrückbarer Differenzen trennen und neue Wege ohne den Partner einschlagen. Doch glücklicherweise geht das Leben auch nach einer solchen Trennung weiter. Viele Menschen finden sogar gerade im zweiten Anlauf den richtigen Partner für das weitere Leben. Kinder aus der ersten Ehe stellen dabei für die meisten kein Problem mehr dar, mit einem neuen Partner glücklich zu werden.

Wenngleich diese Konstellation einiges an Feingefühl bedarf, so ist sie nicht unmöglich. Inzwischen haben diese Konstellationen auch ihren eigenen Namen in der Gesellschaft und werden liebevoll als „Patchworkfamilien“ bezeichnet.

Neue Rollen, neues Glück

Die Freiheit, nach einer Scheidung neu anzufangen, ohne die Vergangenheit hinter sich zu lassen, wird besonders in dieser modernen Familienkonstellation deutlich. Ein neuer Partner kann nicht nur für den Geschiedenen, sondern auch für die Kinder eine Bereicherung darstellen. Dies ist besonders der Fall, wenn die Kinder bereits während der Trennungsphase unterstützt und aus Streitereien der Eltern herausgehalten wurden. Ist dies nicht der Fall, kann es leider auch geschehen, dass der neue Partner von Mutter oder Vater als „Eindringling“ empfunden und zumindest vorerst abgelehnt wird. Kommen durch zwei neue Partner von beiden Seiten Kinder ins Spiel, kann es ebenfalls kompliziert werden. Jedem Teil der neuen Familienkonstellation kommt eine neue Rolle zu. Mütter werden zu Stiefmüttern, Einzelkinder bekommen „Konkurrenz“ in ihrer Rolle als Familienmittelpunkt und Nesthäkchen werden zu großen Brüdern und Schwestern, die Rücksicht auf die Kleineren nehmen sollen. Die Entdeckung der neuen Rolle im Gesamtgefüge kann schwer und kompliziert für alle Beteiligten sein, weshalb ein großes Maß an Verständnis und Mitgefühl notwendig ist. Wichtig ist vor allem für die erwachsenen Beteiligten, dass man nicht versucht, die Rolle des Getrennten im Familiengefüge einzunehmen. Stattdessen kann das Ziel der Respekt eines guten Freundes sein, zu dem das Kind aufblicken kann, ohne sich gegenüber seinem echten Elternteil (vermeintlich) illoyal fühlen zu müssen.

Patchworkfamilie

Patchworkfamilie @iStockphoto/Rosemarie Gearhart

Beziehungsaufbau nicht nur unter Partnern

Beim Aufbau einer Patchworkfamilie sollte Feingefühl an der Tagesordnung sein. Die behutsame Vorstellung des neuen Partners (und gegebenenfalls seiner Kinder) sollte freundschaftlich und möglichst auf neutralem Boden stattfinden, beispielsweise bei gemeinsamen Unternehmungen. Das schrittweise Kennenlernen erhöht deutlich die Chancen des gegenseitigen Respekts und des geglückten Beziehungsaufbaus. Ablehnungen der Kinder sollte der neue Partner dabei grundlegend nicht auf sich, sondern auf die neue Rolle beziehen.

Durch regelmäßige Begegnungen und das Kennenlernen kann die Unsicherheit auf allen Seiten abgebaut werden, so dass eine freundschaftliche Bindung entsteht. Dieser sorgfältige Aufbau sollte in jedem Fall dem gemeinsamen Zusammenleben vorangehen. Dabei spielt in jedem Fall auch die Harmonie zwischen den neuen Partnern eine tragende Rolle, die durch ein faires Miteinander gegenüber den Expartnern und offene Gespräche mit den Kindern noch verstärkt wird. Erst wenn Kinder mit ihrem natürlichen Feingefühl spüren, dass es den Erwachsenen (insbesondere dem leiblichen Elternteil) mit der neuen Situation gut geht, besteht eine gute Chance für alle Betroffenen, im Rahmen der Patchworkfamilie glücklich zu werden.

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