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Savants – die Wissenden

Inselbegabung – ein Phänomen, das uns immer wieder ins Staunen versetzt. Wie ist es Betroffenen möglich, trotz einer Behinderung solche außergewöhnlichen Leistungen zu vollbringen? Schließlich leidet ein erheblicher Teil dieser so genannten Savants an Störungen, die ein normales Leben unmöglich machen. Aber trotz dieser geistigen oder körperlichen Behinderungen stechen einzelne Begabungen aus den restlichen Eigenschaften hervor und sind zum Teil so überdurchschnittlich ausgebildet, dass jeder nicht behinderte Mensch vor diesen Inselbegabten seinen Hut ziehen muss. Oder wer kann von sich behaupten, dass er komplette Telefonbücher auswendig kennt? Was am Ende aber genau für diese Höchstleistungen verantwortlich ist, darüber streitet die Wissenschaft auch heute noch.

Als mögliche Ursache kommt eine überproportional hohe Ausschüttung des Sexualhormons Testosteron während der Embryonalentwicklung in Frage. Diese Theorie könnte unter anderem auch die Tatsache erklären, dass es unter den Inselbegabten nur sehr wenige Frauen gibt. Aufgrund des hohen Testosteronspiegels wird das Gehirn in seinem Wachstum geschädigt. Daneben versucht ein anderer Erklärungsansatz, Unterschiede in den Mechanismen des Gehirns der Inselbegabten als Lösung heranzuziehen. Anscheinend ist die Struktur des Hirns bei Savants so aufgebaut, dass selbst Informationen, welche keinerlei Relevanz besitzen, abgespeichert und später wieder aufgerufen werden können – es fehlen also wirksame Filtermechanismen. Warum diese überdurchschnittlichen Begabungen aber auch immer auftreten, für jeden Normalbürger sind sie eine enorme Leistung, deren Nachahmung unmöglich scheint.

Aber anstatt Inselbegabte als Laune der Natur zu betrachten, sind ihre Fähigkeiten für die Wissenschaft nicht ohne Wert – ermöglichen sie doch einen Blick hinter die Funktionsweise des menschlichen Gehirns und den Ablauf der Informationsverarbeitung und Speicherung. Eine weitere Eigenheit, die viele Inselbegabte zeigen, ist die Neigung zu sehr heftigen Gefühlsausbrüche, die immer dann auftreten, wenn man sie in ihren Handlungen stört.

Savants

Savants @iStockphoto/H-Gall

Ein Beispiel für Inselbegabung: Kim Peek

Die Palette der Fähigkeiten, über welche ein Savant verfügen kann, ist recht unterschiedlich. Neben einem besonders hervorragenden Erinnerungsvermögen können besondere musikalische oder sprachliche Begabungen auftreten. Auch über mathematische Höchstleistungen sowie besondere Fähigkeiten im Bereich der Kunst existieren Belege. Ein interessanter Vertreter mit besonders hoch entwickeltem Erinnerungsvermögen ist der US-Amerikaner Kim Peek. Der heute 57-jährige behauptet, 12.000 Bücher inhaltlich zu kennen und kann zudem diverse Kalender- und Geschichtsdaten abrufen. Hinzu kommt noch, dass Kim Peek diverse Busfahrpläne und Vorwahlen von Städten kennt, die über den amerikanischen Kontinent verstreut sind. Hollywood hat diesem außergewöhnlichem Mann bereits ein Denkmal gesetzt: Eine der Hauptrollen des Films „Rain Man“ ist an Kim Peek angelehnt. Dustin Hoffman spielt hier den begabten Autisten Raymond Babbitt – eine schauspielerische Leistung, für welche Hoffmann sogar einen Oskar erhielt.

Bis zu seinem zwölften Lebensjahr ahnte niemand in Kim Peeks Umfeld etwas von der Begabung des Jungen. Ganz im Gegenteil, er war lediglich ein behindertes Kind, dessen Eltern die Empfehlung der Ärzte erhalten hatten, ihn in ein Heim zugeben. Dafür pflegte er aber bereits sehr früh einige ungewöhnliche Beschäftigungen wie etwa das Sortieren von Papierschnipseln. Auf Störungen reagierte Kim Peek äußerst hysterisch, eine Eigenschaft, die sich auch bei vielen anderen Inselbegabten wiederfindet. Erst als er die Weihnachtsgeschichte rezitieren konnte, ohne den Text jemals zu Gesicht bekommen zu haben, begann man sich wesentlich intensiver mit dem Kind und seinen geistigen Leistungen auseinanderzusetzen.

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