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Schleier, Scherben, Brautentführung – Hochzeitsbräuche

Für verliebte Menschen gibt es einen Tag im Leben, der sowohl erschreckend, als auch ungewöhnlich schön ist. Die Rede ist vom großen Tag, der alles verändert und aus zwei Individuen eine in sich geschlossene Gemeinschaft macht: Die Hochzeit. Weil dieser Tag eine Veränderung bis ans Lebensende darstellen soll, ist der Tag der Hochzeit ein ganz besonderer Tag, der als „Vorbote“ für die nun folgende Ehe nur Glück und Segen bringen soll. Entsprechend ranken sich zahlreiche Bräuche und Aberglauben um diesen Tag.

Der Schreck der bösen Geister

Schon vor der Hochzeit soll die eheliche Gemeinschaft möglichst vor Schlechtem geschützt und mit Gutem überhäuft werden. Der Polterabend, inzwischen traditionell am Tag vor der Hochzeit, ist ein alter, vorchristlicher Brauch, bei dem das Brautpaar mit viel Krach und Scherben unterstützt werden soll, die bösen Geister rund um Haus und Hof zu vertreiben, damit Nichts und Niemand die Hochzeitszeremonie als böses Omen stören kann.

Der Krach und die Scherben sollten dabei jedoch nur von Steinzeug und Keramik herrühren, da Glasscherben vergleichbar wie Spiegel Unglück bringen sollen. Mit dem Kehren der Scherben sollten die restlichen bösen Geister aus dem Leben des Brautpaars gekehrt werden.

Abschied von der Jugendlichkeit

Mit der Hochzeit wurde der Jugendliche bzw. die Jungfräuliche in der Vergangenheit zu einem vollwertigen, erwachsenen Mitglied der Gesellschaft. Somit galt die Hochzeit auch stets als Ende der Jugend. Ein Abschied, bei dem man noch ein letztes Mal die jugendliche „Unschuld“ ausleben durfte, wurde entsprechend begangen – es sollte schließlich das letzte Mal Zeit für „Unvernunft“ sein. Entsprechend wurde den jungen Männern ein Junggesellenabschied gewährt, bei dem man ihn in die Welt der reifen Männer einführte und gegebenenfalls auf ihre Tauglichkeit zum Ehemann prüfte. Früher in standesgemäßer Form, heute eher locker fröhlich umgesetzt ist der Junggesellenabschied bis heute eine beliebte Tradition, die längst nicht mehr nur den Männern vorbehalten ist. Heute sind es zumeist die engsten Freunde und Trauzeugen, die über zahlreiche lustige Streiche und witzige Ideen den Heiratswilligen noch einmal versuchen, vom Junggesellenleben zu überzeugen, damit dieser sicher gehen kann, dass er nun endgültig für die Ehe bereit ist.

Hochzeitsbräuche

Hochzeitsbräuche ©iStockphoto/Christoph Hähnel

Old and new, borrowed and blue…

Auch während der Hochzeit gibt es zahlreiche Bräuche und Glücksbringer, die zumeist jedoch an die Braut gerichtet sind. Aus England stammt die Tradition, dass eine Braut vier Dinge während der Zeremonie bei sich tragen sollte, damit sie in eine glückliche Ehe findet: Etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes und was Blaues. Alles beisammen sollte ihr Glück bescheren. Darüber hinaus gab es auch gerade für die jungen Frauen viele kleine Dinge, die ihr nicht nur eine glückliche Ehe, sondern auch das „Sagen“ im Haus bescheren sollten. Schließlich hatte die Frau in der Vergangenheit längst nicht den Status, wie sie ihn heute hat. Ein wenig Dill im Schuh der Braut, sollte ihr ebenso zur Entscheidungsgewalt verhelfen wie die oben liegende Hand beim gemeinsamen Anschnitt der Hochzeitstorte.

Betrachtet man die vielen Überlieferungen rund um die Bräuche einer Hochzeit, kann man diese sicherlich mit einem Augenzwinkern betrachten – schaden kann ein bisschen glückbringendes Tamtam aber sicherlich nicht…

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