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Schnarchen – Wenn nachts die Wände wackeln

„Der Schlaf ist für den ganzen Menschen, was das Aufziehen für die Uhr“, erkannte bereits der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788-1860). Wie wahr diese Worte sind erfährt jeder, der eine durchwachte Nacht hinter sich hat und wenn man frischgebackenen Eltern – neben der Freude über den Nachwuchs – vor allem eines ansieht, dann sind es besonders in den ersten Monaten die Folgen der permanenten Schlaflosigkeit. Es gibt viele Dinge, die den nächtlichen Schlaf stören können, doch besonders ein Ruhestörer hat sich in vielen Schlafzimmern gnadenlos eingenistet: Das Schnarchen.

Ungefähr 90 Prozent der Schnarcher sind Männer. Sie können bereits in jungen Jahren mit dem Schnarchen beginnen, die Tendenz nimmt jedoch mit steigendem Alter drastisch zu. Auch Frauen stellen die Geduld ihres Partners mit dem nächtlichen Sägen auf eine harte Probe, sie beginnen jedoch meist erst jenseits der Wechseljahre zu schnarchen, was auf den sinkenden Östrogenspiegel zurückzuführen ist. Die Ausprägung des Schnarchens ist sehr unterschiedlich und reicht von einem leisen Röcheln bis hin zu einer Geräuschkulisse, die es mit einem fahrenden Lastwagen aufnehmen kann.

Einem Schweden hat das Schnarchen immerhin einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde verschafft. Er bringt es des nachts auf unglaubliche 93 Dezibel und ist in der Lage, mit einem Presslufthammer oder einer Feuerwehrsirene zu konkurrieren. Ob sich der Schwede über diesen zweifelhaften Rekord gefreut hat, darf bezweifelt werden. Merkwürdigerweise lässt sich der Schnarcher selbst jedoch kaum durch sein nächtliches Schnarchkonzert stören. Belastend ist es vor allem für denjenigen, der das Schlafzimmer mit ihm teilt. Die Nachtruhe wird durch die ständigen Schnarchattacken empfindlich gestört und während der Schnarcher am Morgen ausgeruht in den Tag startet, fühlt sich der um den Schlaf gebrachte erschöpft und gerädert.

Das Schnarchen hingegen ist nicht pauschal als gesundheitsschädlich zu betrachten. Ein leises, gleichmäßiges Schnarchen wirkt sich nicht unbedingt negativ auf die Gesundheit aus. Es ist einfach nur störend – besonders für die Umwelt. Anders sieht es aus, wenn das Schnarchen sehr laut und unregelmäßig ist und unter Umständen sogar mit Atemaussetzern einhergeht. In diesem Fall sollte unbedingt ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Schnarchen

Schnarchen @iStockphoto/EHStock

Wie entsteht das nächtliche Sägen?

Zum Schnarchen kommt es, wenn sich die Muskeln im Nasen-Rachenraum während des Schlafens entspannen. Während im Wachzustand gut 20 Muskeln dafür sorgen, dass sich die Atemwege nicht verengen, lässt deren Muskeltonus im Ruhezustand nach. Durch die leichte Verengung der Atemwege passiert die Atemluft diesen Bereich mit mehr Druck als üblich und bringt das Gaumensegel zum Vibrieren. Schon entsteht das störende Schnarchen. Es gibt viele unterschiedliche Faktoren, die für das Schnarchen verantwortlich gemacht werden können. Im Rahmen einer Erkältung hat wohl fast jeder schon einmal geschnarcht, denn durch die verengte Nasenatmung bleibt einem fast nichts anderes übrig. Diese Verengung klingt mit dem nachlassenden Effekt jedoch rasch wieder ab – ebenso wie das Schnarchen. Eine Verengung der Nasenwege kann jedoch auch durch Nasenpolypen oder weitere anatomische Besonderheiten verursacht werden. In diesem Fall ist medizinische Hilfe nötig. Weitere Faktoren, die das Schnarchen beeinflussen, sind die Einnahme bestimmter Medikamente wie Schlaf- und Beruhigungsmittel oder Antihistaminika. Auch der Genuss von Alkohol führt zum Schnarchen. All diese Mittel vereint, dass sie auf das zentrale Nervensystem entspannend wirken und den Muskeltonus im Nasen-Rachenraum herabsetzen. Ein weiterer Faktor, der das Schnarchen hervorrufen kann, ist Übergewicht. Das Fett siedelt sich unter Umstände nicht nur an Bauch und Hüfte an, sondern auch im Nasen-Rachenraum und sorgt so dafür, dass sich die Atemwege verengen.

Wann ist eine Behandlung angezeigt?

Chronisches Schnarchen zieht ernste Folgen nach sich – und zwar dann, wenn sich eine Schlafapnoe manifestiert. Im Rahmen dieser Schlafapnoe treten kurze Atempausen auf, in denen der Körper nicht mit Sauerstoff versorgt wird. Zwar sind auch bei einem gesunden Menschen kleine Atemaussetzer normal, bei einer Schlafapnoe können diese Atempausen jedoch 10 Sekunden und länger andauern und mehrmals pro Stunde auftreten. Der nun absinkende Sauerstoffgehalts des Blutes beeinträchtigt die Funktionen des gesamten Körper. Die Sauerstoffunterversorgung schwächt den Betroffenen und er erwacht am Morgen wie gerädert. Er ist müde, unausgeschlafen und die allgemeine geistige und körperliche Leistungsfähigkeit ist stark beeinträchtigt. Langfristig gesehen führt die Schlafapnoe zu Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Schlaganfällen und sexuellen Funktionsstörungen. Wer sich also am Morgen ständig schlapp und müde fühlt, obwohl er doch vermeintlich gut geschlafen hat, sollte sich dringend in ärztliche Behandlung begeben, um sich Gewissheit zu verschaffen.

Dem Arzt stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, um eine genaue Diagnose zu stellen. Denkbar ist der Einsatz eines kleinen Computers, der während der Nacht alle Funktionen aufzeichnet und unter anderem Aufschluss über die Intensität des Schnarchens und die Sauerstoffversorgung des Blutes gibt. Eventuell wird auch eine Untersuchung im Schlaflabor nötig, in dem der Patient während des Schlafs unter medizinischer Aufsicht steht.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Wer nur unter gelegentlichem, leichtem Schnarchen leidet, sollte es zuerst mit einigen Selbsthilfe-Methoden versuchen. Eventuell vorhandenes Übergewicht muss abgebaut werden. Ratsam ist es ebenso, auf sehr reichhaltige Abendmahlzeiten zu verzichten und den Alkoholkonsum auf ein Minimum zu reduzieren. Ungünstig – im Sinne des Schnarchens – wirken sich auch Schlafmittel aus, da diese den Muskeltonus erschlaffen lassen. Weitere Aufmerksamkeit gebührt der Schlafposition. Liegt der Kopf sehr tief? Dann schaffen ein festes Kissen oder eine Nackenrolle, die den Kopf in höherer Position fixieren, Abhilfe. Wer immer auf dem Rücken schläft tut gut daran, seine Schlafposition zu ändern. In der Bauch- oder Seitenlage wird wesentlich weniger geschnarcht, als in der Rückenlage. Um einen unbewussten Positionswechsel in der Nacht zu verhindern, kann ein Tennisball oder etwas ähnlich Störendes unter dem Laken positioniert werden. So wird die Rückenlage automatisch weniger reizvoll, da sie schlicht und ergreifend zu unbequem ist. In der Apotheke gibt es weiterhin viele Produkte, die Abhilfe bei diesem lästigen Problem versprechen. Nasenklammern, Anti-Schnarchapparaturen, Kinnbinden und sonstige Hilfsmittel sind im Angebot, wie hoch ihr Nutzen ist, muss jeder selbst herausfinden.

Liegen dem Schnarchen körperliche Ursachen wie Polypen zugrunde, ist ärztliche Hilfe gefragt. Vergrößerte Mandeln oder Polypen können operativ entfernt werden. Wird das Schnarchen durch die Verkrümmung der Nasenscheidewand hervorgerufen, ist auch hier ein operativer Eingriff möglich. Eine Verkrümmung des Kiefers bedarf kieferorthopädischer Behandlung. Je nach Ursache des Schnarchens und den individuellen Voraussetzungen gibt es einige Methoden, die Erfolg versprechend sind und mit ein wenig Geduld wird die Nacht dann auch bald wieder zur Nacht – und nicht zum Tag.

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