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Schwarzwälder Kirschtorte

Schwarzwälder Kirschtorte – diese klassische Sahnetorte, mit der unnachahmlichen Verbindung aus Sahne, Kirschen und Schokolade gilt als eine der beliebtesten Torten Deutschlands. Stammt sie denn wirklich aus dem Schwarzwald? Sie eignet sich für jede Gelegenheit, ob zum Geburtstag, zu Jubiläen oder als besonders aufwendiger Sonntagskuchen, sie betört jeden Gaumen. Die Kombination aus dem Weiß der Sahne, den roten Kirschen dem braunen Schokoladenbiskuitboden macht schon optisch viel her.

Schwarzwälder Kirschtorte – im Rheinland erfunden?

Dass die Schwarzwälder Kirschtorte im Schwarzwald erfunden wurde, stellt kein Schwarzwälder und auch sonst kein Deutscher ernsthaft infrage, trotzdem lohnt sich ein Blick in die Geschichte, denn so unzweifelhaft ist ihre Entstehung gar nicht.

Auch Konditoren fernab der bewaldeten Gemütlichkeit des Schwarzwaldes waren zweifellos in der Lage, eine solche Torte zu entwerfen. Dass das verwendete Kirschwasser aus dem Schwarzwald stammt, wo die süßen und sauren Kirschen, durch die Nähe zum Rhein klimatisch begünstigt, besonders gut gedeihen, ist nur ein Indiz. Auch dass dort schon im 19. Jahrhundert Kompott aus süßen und saueren Kirschen mit einer großen Portion geschlagener Sahne eine ausgesprochen beliebte Nachspeise darstellte, ist kein Beweis.

Wer hat sie erfunden? Der Tübinger Konditor Erwin Hildenbrand, der in den 30er Jahren in Tübingen das Café Rudolf Walz führte und dort angeblich zum ersten Mal diese Sahnetorte präsentierte? Oder war es doch der Konditormeister Josef Keller aus Radolfzell, der dieses unnachahmliche Stück deutscher Kulturgeschichte bereits vor dem ersten Weltkrieg im Café Ahrend in Bad Godesberg bei Bonn seinen Gästen anbot? Kirschen mit Sahne auf einem von Kirschwasser getränkten Biskuitboden sind einer Schwarzwälder Kirschtorte sehr ähnlich. Ist sie also keine Erfindung des Schwarzwaldes, sondern in den zwanziger Jahren mit Bäcker Keller zum Bodensee gewandert?

Schwarzwälder Kirschtorte

Schwarzwälder Kirschtorte @iStockphoto/Michael_at_isp

Ob es tatsächlich der Schwarzwälder Hildenbrand war, wie das Tübinger Stadtarchiv behauptet, lässt sich nicht zweifelsfrei beweisen. Udo Rauch, Stadtarchivar in Tübingen, sorgte jedoch 2007 mit einer Pressemitteilung für Aufsehen, denn er glaubt, dass tatsächlich Erwin Hildenbrand die berühmte Torte als Erster geschaffen hat. Seine Behauptung stützt sich auf Recherchen aus den zwanziger Jahren. Die Hinweise, dass Hildenbrand damals tatsächlich im Schwarzwald lebte, sind überdeutlich. In Furtwangen und Freundenstadt hat er nachweislich gearbeitet. Ein Beweis für seinen Verdienst an der Schwarzwälder Kirschtorte existiert jedoch erst aus dem Jahre 1936. Ein handschriftlich datiertes Foto zeigt ihn bei der Arbeit an besagter Torte.

Beide Bäcker haben eine ähnliche Torte hergestellt, wer nun tatsächlich der Erste war und wer die exakte Rezeptur verwendete, bleibt fraglich und wird sich wohl nie bis ins letzte ergründen lassen. Aber spielt das überhaupt eine Rolle angesichts des Genusses, den sie ihren Gästen bescherten und uns heute noch bescheren?

Die Schwarzwälder Kirschtorte hat im Übrigen auch im Ausland ihre Fans. Sie gilt als deutsche Torte schlechthin, obwohl sie nachweislich noch keine einhundert Jahre auf dem Buckel hat. Selbst in Australien und Amerika wird sie nach deutschem Rezept gebacken und in den beliebten deutschen Bäckereien bzw. Konditoreien verkauft. Egal in welcher Sprache gekauft, ob nun Kirschtorte, Black Forest Cake oder Gâteau Foret-Noire, sie ist ein Genuss.

Ihre erste offizielle Erwähnung findet die Schwarzwälder Kirschtorte im Übrigen 1934 in J.M. Webers Konditorenklassiker "250 Konditorei-Spezialitäten und wie sie entstehen", zu überprüfen und nachzulesen im Exemplar des Conditorei Museums Kitzingen.

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