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Sebastian Kneipp

Der Name Sebastian Kneipp und Ganzheitliches Naturheilverfahren ist den meisten Menschen bekannt. Zumeist kommt man noch aufs Wassertreten und auf den Begriff „Kneipp-Kur“, dann hört es aber leider bei vielen Personen – gerade der jüngeren Generation – bereits auf. Dies allerdings völlig zu unrecht, war Sebastian Kneipp doch der Entwickler eines einzigartigen und zugleich sanften Naturheilverfahrens, mit dem unterschiedliche Beschwerden gelindert oder gar gänzlich beseitigt werden können.

Wer mehr über diesen außergewöhnlichen Mann und sein Werk, das uns bis heute erhalten geblieben ist, wissen möchte, kann sich im Folgenden über Kneipp selbst aber auch über einige seiner Heilmethoden informieren.

Wer war Sebastian Kneipp?

Sebastian Kneipp wurde im Jahre 1821 im Allgäu geboren und verbrachte seine ersten Lebensjahre in ärmlichen Verhältnissen. Nachdem er schon früh seinem Vater, der Weber war, bei seinem Handwerk geholfen hatte und sich später auch als Knecht betätigt hatte, sorgte ein glücklicher Zufall dafür, dass Kneipp doch noch das Gymnasium besuchen und später sogar studieren konnte. Ein entfernter Verwandter hatte sich des Jungen angenommen und unterstütze diesen in seinem Ehrgeiz sich weiterzubilden sowohl finanziell als auch durch Erteilung von Unterricht. Von hier aus war es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich Kneipp auch in die Pflanzenheilkunde einweisen ließ und somit bereits ersten Kontakt zu seinem späteren Betätigungsfeld aufnehmen konnte. Während seines Studiums, er sollte Priester werden, erkrankte Kneipp schwer an Tuberkulose, wodurch sich eine weitere Anreizstruktur ergab, sich der Naturheilkunde zu widmen. Die Ärzte hatten ihn bereits aufgegeben und Kneipp selbst suchte nach Mitteln, seine Leiden zu mindern, was ihm auch gelang.

Die von ihm entwickelte und nach ihm benannte Kneipp-Kur sollte nun auch anderen Patienten helfen. Nachdem Kneipp 1852 zum Priester geweiht wurde, galt seine volle Aufmerksamkeit diesem Bestreben verbunden mit dem Wunsch, Menschen zu helfen.

Wassertreten

Am bekanntesten aus Kneipps Repertoire an Heilmethoden ist wohl das Wassertreten. In vielen Kuranlagen gibt es im Außenbereich spezielle Becken, die sich für eine Anwendung eignen. Aber auch zuhause ist das Wassertreten leicht praktizierbar. Hierfür füllt man zum Beispiel die Badewanne so weit mit Wasser, bis es kurz unter das eigene Knie reicht. Wichtig ist, dass das Wasser kalt ist, nur so kann die Behandlung Wirkung zeigen. Man begibt sich in das Wasser und hebt abwechselnd die Füße an, so dass sie ganz aus dem Wasser heraus genommen werden. Die Anwendung sollte höchstens eine Minute dauern. Danach trocknet man sich nicht ab, sondern streift lediglich das Wasser mit den Händen ab. Munteres Auf- und Ablaufen für eine Weile sorgt dafür, dass die Beine und Füße trocknen und sich eine angenehme Wärme entwickeln kann – ganz anders als man es vermutet.

Kneipp

Kneipp @iStockphoto/BasieB

Taulaufen nach Sebastian Kneipp

Taulaufen ist etwas für Frühaufsteher. Morgens, wenn noch der frische Tau auf den Wiesen liegt, geht es los. Für ungefähr fünf Minuten läuft man barfuss über die feuchte Wiese und genießt das erfrischende Gefühl. Auch nach dieser Übung werden die Füße entgegen unserer Gewohnheit nicht mit einem Handtuch trockengerubbelt. Man zieht lediglich trockene Wollsocken an und läuft wie nach dem Wassertreten noch eine Zeitlang umher. Diese Anwendung hilft nicht nur gegen Schweißfüße, sondern hat eine positive Wirkung auf den gesamten Organismus: Die Abwehrkräfte werden gestärkt und sogar Kopfschmerzen können gemildert werden.

Kneipp-Güsse

Bei den Kneipp-Güssen geht es darum, durch unterschiedlich temperiertes Wasser einen Reiz auf die zu behandelnden Stellen auszuüben. Mit einem Schlauch – es geht auch eine mit Wasser befüllte Schale – wird Wasser über die jeweiligen Körperpartien ohne Druck geleitet. Angefangen wird beim bekannten Schenkelguss am rechten Fuß, nächster Schritt ist die Ferse des rechten Fußes, von wo aus man sich im Folgenden nach oben vorarbeitet. An der Leistengegend angekommen wird die Prozedur am gleichen Bein – diesmal in umgekehrter Richtung – wiederholt, bevor man sich dem anderen Bein widmen kann. Eine solche Behandlung fördert nicht nur die Durchblutung, sie kann auch dazu beitragen, den Blutdruck zu senken und uns somit vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bewahren. Nicht vergessen, auch beim Schenkelguss gilt: Das Wasser wird lediglich mit den Händen abgestreift, es werden warme Socken angezogen und einige Schritte gegangen, bis sich alles mollig warm anfühlt.

Luftbad

Ganz ohne Wasser kommt das Luftbad aus. Hier hat man die Wahl, ob man lediglich einen Teil oder aber den gesamten Körper entkleidet und sich der kühlen, frischen Luft – eine Temperatur von 5 bis 18 Grad ist ideal – aussetzt. Zugegeben, dies ist eine Übung, die einige Überwindung kostet. Man verbleibt aber nicht lange an der kalten Luft und sollte die Übung generell zeitlich begrenzen, so dass es nicht zum richtigen, heftigen Frieren kommt. Dementsprechend gilt es, sich nach der Behandlung schnell wieder warm einzupacken. Belohnt wird man auf Dauer nicht nur mit einem stärkeren Immunsystem, sondern auch mit einem in Schwung gebrachten Stoffwechsel, der für Appetit und Leichtigkeit gleichermaßen sorgt.

Trockenbürsten

Wie man schon anhand der Existenz des Luftbads gemerkt hat, kann man die Kneippschen Anwendungen nicht immer nur mit Wasser in Verbindung bringen. Eine weitere Anwendung, die ohne das nasse Element auskommt, ist das Trockenbürsten. Für die Anwendung eignen sich Bürsten aus Naturhaarborsten. Mit einer solchen wird über die trockene Haut gefahren. Man beginnt dabei rechts unten – also am rechten Fuß – und arbeitet sich nach oben. Die Bewegungen der Bürste sollten dabei kreisend sein. Eine leichte Rötung der Haut ist durchaus erwünscht, schmerzende Verletzungen sollte man sich aber natürlich nicht zufügen. Frauen werden es bereits ahnen: Mit dieser Methode kann man gegen die gefürchtete Cellulite arbeiten. Zudem wird der Kreislauf gestärkt und der gesamte Körper gut durchblutet.
Ergänzungen zur Kneippschen Therapie

Abgerundet wird eine Therapie nach Kneipp durch körperliche Betätigung. Sport ist eben das beste Mittel, um uns fit und gesund zu erhalten. Natürlich darf eine gesunde Ernährung auch nicht fehlen. Sie sollte ausgewogen sein und viel Obst und Gemüse beinhalten. Kommt ein gesunder Lebenswandel hinzu, der auf den übermäßigen Konsum von Genussmitteln verzichtet, hat man bereits einen ganz wesentlichen Schritt in Richtung eines gesünderen Lebens gemacht.

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