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So bleiben Eltern konsequent

Wer gegenüber seinem Kind konsequent handeln will, befindet sich oft in einer Zwickmühle. Wie gelingt eine konsequente Erziehung? Ist Konsequenz gleichbedeutend mit Strenge, die schnell ins Maßlose übergehen und von dem Kind als ungerecht empfunden werden kann? Ein konsequentes Handeln heißt in der praktischen Umsetzung, sich sowohl gradlinig als auch folgerichtig zu verhalten. Dabei spielt das eigene Verhalten eine Rolle. Wer im Alltag selbst nach seinen wechselnden Launen lebt, hat es schwer, dem Kind glaubhaft seinen Standpunkt zu vermitteln. Im schlimmsten Fall verliert das Kind die Orientierung und nimmt nicht mehr ernst, was ihm die Eltern mit dieser zwiespältigen Art von Konsequenz vermitteln wollen.

Beharrlichkeit und Grenzen ausloten

Es gehört zur Entwicklung eines jeden Kindes, dass es Grenzen auslotet. Grenzüberschreitungen sind dabei nicht ausgeschlossen. Für die Eltern besteht die Erziehungskunst darin, einen ausgewogenen Weg zu finden, der für das Kind nicht nur mit Verbotsschildern versehen ist. Schließlich geht es ja auch darum, ein Kind in kleinen Schritten zur Selbstverantwortlichkeit zu erziehen. Wer Grenzen überschreiten und Regeln brechen will, muss erst einmal die Grenzen und die Regeln kennen. Es ist die Aufgabe der Eltern, dem Kind die Regeln zu vermitteln. Konsequentes Handeln bedeutet in dem Fall, dass die Eltern die Regeln nicht nach Belieben ändern oder außer Kraft setzen. Das gilt auch dann, wenn die Versuchung groß ist, einem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Wer zum Beispiel selbst gestresst ist, übersieht gerne einmal eine Regelverletzung. Wenn fremde Menschen anwesend sind fällt es ebenfalls schwer, das Kind zurechtzuweisen. Plötzlich ist erlaubt, was gestern noch verboten war. Für den Augenblick hilft es dem Erwachsenen, wenn er seinen Ärger runterschluckt. Das Kind wird es genießen, nicht getadelt zu werden. Dennoch bleibt es verunsichert zurück. Anscheinend sind die aufgestellten Regeln nicht ernst gemeint. Verstöße dagegen bleiben ohne Folgen. Für das Kind stellt sich die Frage, wie es sich in Zukunft verhalten soll.

Was folgt auf mein Verhalten?

Wenn ein unangemessenes Verhalten des Kindes mal konsequent und mal ohne Folgen geahndet wird, entsteht schnell das Gefühl, im Fall einer strengen Ahnung zu Unrecht bestraft zu werden. Wer situationsbedingt mit zweierlei Maß misst, erweist sich und dem Kind keinen Gefallen. Ein Kind muss wissen, dass es auf jeden Fall die Folgen für sein Verhalten tragen muss. Dabei sollte die Bestrafung unmittelbar erfolgen und immer in einem direkten Bezug zu dem Fehlverhalten stehen. Nur so hat die Strafe eine erzieherische Wirkung. Das Kind weiß, warum und wofür es bestraft worden ist. Wer sein Taschengeld an einem Tag ausgibt, ist bis zum nächsten Zahltag pleite. Wenn die Eltern ihm unter die Arme greifen, erfährt das Kind keine Strafe. Vor allen Dingen lernt es sich, selbstverantwortlich zu handeln. Das Kind erkennt, wohin sein Verhalten führt und wird sich das Taschengeld in Zukunft sorgsamer einteilen. Oder es findet sich damit ab, einen längeren Zeitraum ohne Geld auszukommen.

Eltern

Eltern ©iStockphoto/shironosov

Sind Regeländerungen erlaubt?

Jeder Erwachsene weiß, dass nichts bleibt, wie es war. Auch Regeln sind nicht für immer und ewig in Stein gemeißelt. Regeländerungen sind kein Zeichen von Inkonsequenz. Sie passen sich der Entwicklung des Kindes oder einer geänderten Sichtweise der Eltern an. Außerdem gibt es Fälle, wo das Kind die besseren Argumente ab. Hat es zum Beispiel an einem Tag Ausgehverbot, wenn es einem Freund versprochen hat, eine DVD zurückzugeben, dürfen die Eltern von der Regel abweichen. Die feste Schlafenszeit kann aufgehoben werden, wenn ein bestimmter Anlass wie eine Familienfeier oder der Jahreswechsel ansteht. Konsequenz darf nicht mit Prinzipientreue verwechselt werden. Nur so lernt das Kind, dass seine Meinung geschätzt wird und dass es berechtigte Ausnahmen gibt. Mit dieser Erkenntnis wird es ihm leichter fallen, die Regeln zu befolgen, da sie aus der Perspektive des Kindes keine Willkür darstellen.

Alter und Entwicklungsstufe des Kindes erfordern neue Regeln

Konsequentes Verhalten setzt die Einsicht voraus, dass die Regeln dem Alter und der Entwicklungsstufe des Kindes permanent angepasst werden müssen. Ein stures Durchsetzen von Vorgaben hat nichts mit Konsequenz zu tun. Konsequent sein heißt immer, das Kind bei der Aufstellung der Regeln miteinzubeziehen. Vielen Eltern fällt es schwer, den Prozess der Aushandlung auszuhalten. Aber ab einem bestimmten Alter ist es unumgänglich, sich dieser Situation auszusetzen. Es ist für die Eltern keine Niederlage, wenn dabei Kompromisse geschlossen werden. Die Prinzipien müssen an die jeweilige Altersstufe angepasst werden. Dreijährige brauchen andere Regeln als Sechsjährige, wenn es zum Beispiel um die Menge der Süßigkeiten geht.

Angst ist ein schlechter Erzieher

Wenn das Kind tadellos „funktioniert“, muss nicht zwangsläufig eine höhere Einsicht dahinter stecken. Wenn das Kind Regeln befolgt, weil es Angst vor der Strafe hat, mag das die Eltern freuen und vordergründig nach einer erfolgreichen Erziehung aussehen. Es bringt aber lediglich einen Erziehungsstil zum Vorschein, der sich an den autoritären Mustern der 1950er Jahren ausrichtet. Heutige Eltern sollten sich zuerst als Partner des Kindes begreifen. Zu einem konsequenten Verhalten zählt auch, das Kind zu loben und dabei darauf zu achten, das Kind nicht mit Lob zu überschütten. Bei aller Konsequenz darf nicht vergessen werden, dass jedes Kind das Recht hat, in der Gegenwart zu verharren, wie es der berühmte Pädagoge Janusz Korczak ausgedrückt hat. In einer Gesellschaft, in der Kinder zuvorderst als Ressource für die Zukunft betrachtet werden, liegt es auch an den Eltern, den Druck zu mindern. Das kann nur erfolgreich sein, wenn die Erwachsenen sich bei der Erziehung nichts selbst allzu sehr unter Druck setzen. Perfektion kann nicht das Ziel sein, das mit aller Konsequenz angepeilt wird. Kinder müssen eigene Erfahrungen sammeln. Dabei brauchen sie Eltern, die sie führen. Die Voraussetzung für glückliche Kinder sind glückliche Eltern.