Skip to main content

Soja – Siegeszug einer Wunderpflanze

Die Sojabohne gilt als die nährstoffreichste Art in der Familie der Bohne. Für hunderte von Produkten von Ersatznahrungsmitteln und chemischen Stoffen für beispielsweise Insektensprays und Vitaminkonzentraten bis hin zu künstlichen Hormonen dient diese Bohne als Grundsubstanz.

Im asiatischen Raum kennt man die Sojabohne bereits seit rund 5.000 Jahren. Der erste schriftliche Beleg stammt aus der Zeit des Kaisers Chen-Nung, der sie zu dieser Zeit angeblich mit eigenen Händen als Lebens- und Arzneimittel gepflanzt haben soll. In europäischen Breiten wird die Sojabohne allerdings erst ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert erwähnt und als Delikatesse in einem Lexikon erwähnt. Das "Meyer’s großes Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände" erwähnt die braune Bohne im Zusammenhang mit einer "pikanten Sauce", als "schmackhafte Zuthat aus Japan in kleinen Fäßchen, aus China und andern Gegenden Ostindiens aber in gläsernen Flaschen". Die Bohnen galten zu dieser Zeit noch als besondere Importware aus dem fernen Osten.

Alte Bohne, junger Nutzen – zumindest in Europa

Anbauversuche der Sojabohne gab es jedoch erst um 1877 in der Schweiz (Chur), der Erfolg blieb jedoch mäßig, so dass selbiges Lexikon in späteren Ausgaben rund ein halbes Jahrhundert später zu den Anbauversuchen schreibt: "In Mitteleuropa hat ihr Anbau trotz vielfachen Versuchen keine befriedigenden Erträge gegeben."
Der hohe Nährwert der Sojabohne war jedoch bis zu jenem zweiten Eintrag bereits bekannt. Das Öl der Bohnen wurde bereits für die künstliche Herstellung von Speck und Butter sowie für die Seifensiederei genutzt. Die Ölkuchen wurden als Viehfutter und Dünger eingesetzt, während man in Österreich die Bohnen geröstet als Kaffeesurrogat nutzte. Ebenfalls früh versuchte man proteinhaltige Backwaren aus Sojamehl zu etablieren, was jedoch an der Annahme durch die Käufergruppe scheiterte. Stattdessen sah man den Nutzen der Bohne eher als Rohstoff für die Herstellung von Glyzerin, Linoleum, Sprengmitteln, Malfarben und Firnis. In den 1970er Jahren gab es jedoch erneute Experimente für die Herstellung von Fleischersatz aus Sojaproteinen.

Soja

Soja @iStockphoto/Norman Chan

Nährstoffreich und gut verdaulich

Als Hülsenfrucht gehört die Sojabohne zu den Schmetterlingsblütern. Sie ist heute in allen gemäßigt-warmen Gebieten der Welt zu Hause und stellt an ihre Umgebung vergleichbare Wuchsbedingungen wie der Mais. Die Pflanze erreicht dabei eine Höhe von bis zu 130 cm, ist einjährig und gleicht mit ihrem Aufbau dem der Buschbohne. Die Blüten sind weiß bis violett und sitzen in Büscheln in den Blattachseln. Die häufig aus Selbstbefruchtung stammende Hülsenfrucht enthält zwischen 3 und 5 braune oder weißliche Samen mit hohem Nährwert. Rund 36 % Eiweiß, 20 % Kohlenhydrate, 18 % Fett bilden zusammen mit 5 % Rohfasern und 5 % mineralischen Bestandteilen sowie 2 % Lezithin die Inhaltsstoffe eines Samens. Zu den mineralischen Bestandteilen gehören neben Eisen, Kalium und Kalzium auch knochenbildendes Phosphorsalz, Vitamine (insbesondere B2), Saponine, Flavonglykoside und viele andere. Durch Pressen oder Extrahieren der Samen wird ein gelblich-braunes Öl gewonnen, welches über 70 % ungesättigte Fettsäuren enthält. Das Eiweiß der Sojabohne sowie die aus der Bohne hergestellten Milchersatzprodukte gelten als leicht verdaulich und enthält alle essentiellen Aminosäuren. Vielfach wird es deshalb für die Diätkost bei Diabetes mellitus oder Laktoseintoleranz genutzt. Auch soll der Gehalt an Harnsäure im Körper durch den Genuss von Sojaprodukten besser abgebaut werden, der sonst Rheuma, Gicht und vergleichbare Krankheiten auslösen kann. Da jedoch längst noch nicht alle Aspekte der Sojabohne erforscht sind, darf man gespannt sein, was diese kleine Wunderbohne noch für Fähigkeiten für die Ernährung und die Nutzung durch den Menschen bereithält.

Top Artikel in Ernährung