Skip to main content

Sport gegen Krebs

Krebs – eine Diagnose, die jeden, der sie erhält, erst einmal ins Bodenlose stürzen lässt. Oft folgt dieser Diagnose ein langer Behandlungsmarathon mit ungewissem Ausgang. Zwar sind die Heilungschancen heute relativ gut, entscheidend sind jedoch immer noch das Stadium, in dem der Krebs entdeckt wird und die Krebsart, um die es sich handelt. Eine Krebstherapie beeinträchtigt sowohl das körperliche als auch das seelische Wohlbefinden. Abgesehen von der Angst um das eigene Leben schwächt die aggressive Chemotherapie den Patienten massiv.

Nicht nur die Krebszellen werden angegriffen, sondern auch die gesunden Zellen. Viele Nebenwirkungen der Chemotherapie machen dem Krebspatienten zusätzlich das Leben schwer. Er fühlt sich abgeschlagen, müde und wird depressiv. In medizinischen Kreisen wird dieser Zustand als Fatigue-Syndrom bezeichnet. Fast ein Dreiviertel der Krebspatienten leidet im Rahmen der Chemotherapie an diesem Fatigue-Syndrom. Zu einem Lichtblick in dieser Situation scheint sich die Sporttherapie zu entwickeln, die derzeit in einem Pilot-Projekt von der Sporthochschule Köln in Kooperation mit der Uniklinik Köln durchgeführt wird. Galt früher für Krebspatienten die ärztliche Anordnung, körperliche Aktivität auf ein Minimum zu reduzieren, scheint nun langsam ein Umdenken einzusetzen.

Mit Sport gegen den Krebs

Die heilende Kraft des Sports ist seit jeher bekannt. Nicht ohne Grund sind die Menschen, die regelmäßig Sport treiben, gesünder als jene deren Wahlspruch lautet „Sport ist Mord“. Der regelmäßige Ausdauersport regt die Produktion der körpereigenen Killerzellen an und diese Zellen sorgen dafür, dass die Immunabwehr schädliche Zellen besser abwehren und sogar Tumorzellen bekämpfen kann. Wer regelmäßig Ausdauersport betreibt, hat generell ein geringeres Risiko, einmal an Krebs zu erkranken – zu diesem Ergebnis kamen die Professoren der deutschen Sporthochschule. Weiterhin gilt es schon seit langem als erwiesen, dass regelmäßiger Sport ein wichtiger Bestandteil der Krebsprävention und der Krebs-Nachsorge ist. Mittlerweile setzt sich jedoch zunehmen die Erkenntnis durch, dass Sport längst nicht mehr nur präventiv oder nachsorgend von unschätzbarem Wert ist. Auch während der eigentlichen Krebstherapie kann der Sport mit beachtlichem Erfolg eingesetzt werden. Mediziner und Sportwissenschaftler haben im Rahmen ihrer Studien festgestellt, dass ein wohl dosiertes Sporttraining dazu beiträgt, das gefürchtete Fatigue-Syndrom zu vermeiden. Durch das Sporttraining wird allerdings nicht nur das seelische Befinden der Patienten stabilisiert. Auch der Körper wird nachweislich gekräftigt und der Patient erfährt eine messbare Leistungssteigerung. Der verhängnisvolle Kreislauf aus körperlicher Schonung und dem daraus resultierenden Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit, was ein noch stärkeres Ruhebedürfnis nach sich zieht, wird mittels Sport wirksam durchbrochen.

Sport

Sport @iStockphoto/kzenon

Wie viel Sport ist gesund?

Eine Chemotherapie ist für den Patienten eine unvorstellbare Belastung. Er fühlt sich mitunter so schwach, dass selbst die kürzesten Wege für ihn zu einer großen Belastung werden. Für Krebspatienten kann ein kurzer Spaziergang in normalem Schritttempo so anstrengend sein, wie für einen gesunden Menschen der Marathonlauf. Unter diesen Gesichtspunkten ist ein leichtes Krafttraining oder eine kurze Trainingseinheit auf dem Ergometer völlig ausreichend. Es gilt nicht darum, sportliche Höchstleistungen zu vollbringen. Im Gegenteil – eine körperliche Überlastung wirkt sich kontraproduktiv auf die Heilungschancen aus und schwächt das Immunsystem zusätzlich. Die Sporttherapie darf keinesfalls nach eigenem Ermessen durchgeführt werden und wer glaubt, der Diagnose Krebs mit dem Sport – jedoch ohne weiterführende Behandlung – davonlaufen zu können, der unterliegt einem tödlichen Irrtum. Die Sporttherapie wird in Kombination mit weiteren therapeutischen Bausteinen durchgeführt und bedarf strenger ärztlicher Kontrolle. Die körperlichen Funktionen müssen ständig überprüft werden, um eine Überlastung zu vermeiden. In manchen Situationen ist vom Sporttraining auch abzusehen. Wer gerade unter einem akuten Infekt leidet, Fieber hat oder zusätzlich Antibiotika einnehmen muss, sollte seinem Körper im eigenen Interesse eine Erholungspause gönnen, damit der wieder zu Kräften kommt.

Top Artikel in Gesundheit